Karaskas Lizenzentzug: Sechs Fluggesellschaften verlieren Betriebserlaubnis nach FAA-Warnung
Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich
Am 26. November 2025 traf die Nationale Zivilluftfahrtbehörde Venezuelas (INAC) eine weitreichende Entscheidung: Die Betriebsgenehmigungen von sechs bedeutenden internationalen Fluggesellschaften wurden widerrufen. Dieser Schritt erfolgte unmittelbar, nachdem diese Unternehmen einseitig ihre kommerziellen Flüge in die Republik eingestellt hatten. Auslöser war eine Sicherheitsmitteilung der US-amerikanischen Federal Aviation Administration (FAA) bezüglich der Bedingungen im Flugverkehrsgebiet Maiquetía (SVZM FIR).
Die Regierung in Karakas hatte den betroffenen Airlines ein strenges Ultimatum gestellt: Die Flüge mussten innerhalb von 48 Stunden wieder aufgenommen werden. Da diese Frist ungenutzt verstrichen blieb, zog die INAC die Lizenzen von Iberia, TAP Air Portugal, Avianca, LATAM Airlines, GOL und Turkish Airlines ein. Die ursprüngliche Flugunterbrechung war eine Reaktion auf die FAA-Mitteilung vom 21. November 2025, welche auf eine Verschlechterung der Sicherheitslage und eine Zunahme militärischer Aktivitäten in der betroffenen Region hinwies. Die INAC warf den sechs Gesellschaften daraufhin vor, sich „an staatsterroristischen Aktionen zu beteiligen, die von der Regierung der Vereinigten Staaten gefördert werden“.
Interessanterweise behielten einige andere Fluggesellschaften ihre Betriebserlaubnisse, da sie die von Karakas gesetzte Frist einhielten. Dazu gehörten Air Europa und Plus Ultra, welche ihren Betrieb aufrechterhielten, ebenso wie Copa Airlines und Wingo. Die politische Dimension des Konflikts trat deutlich zutage, als der portugiesische Außenminister Paulo Rangel den Lizenzentzug für TAP als „absolut unverhältnismäßig“ bezeichnete. Er betonte, dass die Entscheidung seiner Fluggesellschaft rein sicherheitsorientiert gewesen sei. Iberia äußerte die Hoffnung, Flüge unter „vollständigen Sicherheitsgarantien“ wieder aufnehmen zu können, während Avianca die Verlegung ihrer Flüge auf den 5. Dezember ankündigte.
Dieser Vorfall spielt sich vor dem Hintergrund signifikanter geopolitischer Spannungen ab. Seit Anfang September 2025 haben die US-Streitkräfte mindestens 21 Angriffe auf Schiffe durchgeführt, die mutmaßlich in Drogenschmuggel verwickelt waren, was zum Tod von mindestens 83 Personen führte. Diese militärischen Aktionen fielen zeitlich mit den Plänen der US-Administration zusammen, das „Cartel de los Soles“ am 24. November offiziell als terroristische Organisation einzustufen – ein Schritt, den Venezuela als „Akt des Mordes“ scharf verurteilte. Die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung (IATA) stellte sich hinter die betroffenen Fluggesellschaften und bekräftigte, dass der Schutz von Passagieren und Besatzungen oberste Priorität habe.
Amerikanische Fluggesellschaften sind bereits seit 2019 von Flügen nach Venezuela ausgeschlossen. Ergänzend dazu sprach die spanische Agentur für Flugsicherheit (AESA) eine Empfehlung aus, wonach spanische Airlines das venezolanische Luftgebiet bis mindestens zum 1. Dezember meiden sollten. Dieser Zwischenfall verdeutlicht auf dramatische Weise, wie die kommerzielle Luftfahrt zu einem Schauplatz souveräner und politischer Differenzen zwischen zwei Staaten werden kann. Er wirft ernste Fragen bezüglich der zukünftigen direkten Verbindungen zwischen Europa, Südamerika und Venezuela auf.
Quellen
Al Jazeera Online
Reuters
The Guardian
CBS News
Aviation International News
AVSN
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