Tiefsee-Ökosysteme auf Methansickerstellen nordöstlich von Japan entdeckt

Bearbeitet von: Inna Horoshkina One

Das tiefste Ökosystem der Meerestiere im Ozean

Der Ozean demonstriert einmal mehr seine Fähigkeit, unsere Vorstellung von Grenzen zu sprengen. Im nordwestlichen Pazifik, genauer gesagt in den Tiefseegräben der Hadalzone – dem tiefsten Bereich der Ozeane – nämlich im Kurilen-Kamtschatka-Graben und im westlichen Aleutengraben, haben Wissenschaftler die tiefsten und zugleich ausgedehntesten Lebensgemeinschaften entdeckt, die auf Chemosynthese basieren. Diese Energiequelle speist sich aus Methan und Schwefelwasserstoff, die aus dem Meeresboden austreten.

Diese bahnbrechende Entdeckung wurde am 30. Juli 2025 in der Fachzeitschrift Nature detailliert beschrieben. Die Forscher dokumentierten regelrechte „Lebensflüsse“ in Tiefen von bis zu 9.533 Metern. An diesen Orten herrscht absolute Dunkelheit, Kälte und ein immenser Druck, fernab jeglichen Sonnenlichts.

Der entscheidende Punkt ist, dass die Hadalzone keineswegs ein „lebloser Schlamm“ ist. Vielmehr stellt sie einen aktiven biogeochemischen Knotenpunkt dar. Tektonische Vorgänge und Verwerfungen transportieren Fluide nach oben, welche von Mikroorganismen in die Basis der Nahrungskette umgewandelt werden.

Die Forschungsreise fand vom 8. Juli bis zum 17. August 2024 statt. Das Forschungsschiff war mit dem bemannten Unterwasserfahrzeug „Fendouzhe“ (Striver) ausgestattet. Während einer Reihe von Tauchgängen sichtete das Team erstmals dichte Ansammlungen dieser chemosynthetischen Gemeinschaften. Anschließend führten sie eine großflächige Erkundung ähnlicher geologischer Strukturen durch.

Insgesamt wurden 19 Tauchgänge durchgeführt, bei denen die Forscher diese Gemeinschaften beobachteten, filmten und Proben entnahmen. Die Analyse ergab, dass sich diese Lebensbänder über eine Strecke von ungefähr 2.500 Kilometern entlang des Fußes der Akkretionsprismen erstrecken.

An diesen extremen Tiefen gedeihen Gemeinschaften, die von spezifischen Organismen dominiert werden. Dazu gehören:

  • Sibogliniden-Röhrenwürmer, erkennbar an ihren roten, hämoglobinreichen Tentakeln;
  • Muscheln (darunter auch größere Exemplare);
  • sowie diverse andere benthische Organismen, die sich an diesem „Energie-Insel“ ansiedeln.

Diese Existenzform hängt nicht von organischem Material ab, das von oben absinkt, sondern von einer Symbiose zwischen Tieren und Mikroben, die chemische Fluide in Nahrung umwandeln können.

Geochemische Analysen und Isotopendaten deuten darauf hin, dass das Methan an diesen Stellen durch mikrobielle Prozesse in den tieferen Sedimentschichten entsteht. Dies liefert wichtige Einblicke in den Kohlenstoffkreislauf in extremen Meerestiefen.

Parallel zu diesen wissenschaftlichen Durchbrüchen wächst das praktische Interesse an den Tiefen des Ozeans. Japan beispielsweise plant für Januar 2026 eine Testförderung von Seltenerdmetallen enthaltendem „Meeres-Schlick“ nahe der Insel Minamitorishima in Tiefen von etwa 5.000 bis 6.000 Metern, um die technische Machbarkeit zu prüfen und Ressourcenrisiken zu mindern.

Was dieses neue Wissen über unsere Planetensymphonie aussagt, ist tiefgreifend. Es fühlt sich an, als hätte die Erde einen neuen Bassregister hinzugefügt. Während wir uns daran gewöhnt hatten, Leben als etwas zu definieren, das Luft atmet und die Sonne sieht, existierte tief unten, über neun Kilometer unter der Oberfläche, ein funktionierendes Ökosystem, das sich von der Chemie der Verwerfungen ernährt. Wo wir Leere und Stille vermuteten, offenbarte sich ein weiterer Resonanzraum.

In diesem Gesamtbild erscheint es fast unpassend, vom „Ende der Welt“ zu sprechen. Es gibt kein Ende, nur unterschiedliche Klangfarben. Die Oberfläche spielt Melodien des Lichts, Wälder die langsamen Streicher, Städte den nervösen Takt, und tief unten in der Hadalzone arbeitet beharrlich der Kontrabass der Chemosynthese – Mikroben, die Methan zur Basis einer ganzen Gemeinschaft umwandeln, Röhrenwürmer und Muscheln, deren Leben nie einen Sonnenaufgang sah, aber perfekt in den Atemzug des Planeten integriert ist.

Der Ozean mahnt uns erneut: Die Grenze ist nicht das Ende des Lebens, sondern die Grenze unserer Vorstellungskraft. Wenn wir diese Entdeckung als eine Note in der kosmischen Musik hören, ist die Botschaft klar: Das Leben ist weitaus tiefer, als unsere Karten reichen, die Verbundenheit ist umfassender als unsere Spezies, und selbst dort, wo wir absolute Leere vermuten, spielt die Welt ihr stilles, unbemerktes Spiel – Teil derselben Symphonie, in der auch wir erklingen.

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Quellen

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