Eine neue Karte mit beispielloser Detailgenauigkeit enthüllt die Landschaft unter dem Eis der Antarktis.
Neue Antarktis-Karte enthüllt verborgene Gebirgsketten und antike Flusssysteme unter dem ewigen Eis
Bearbeitet von: Uliana S.
Im Januar 2026 veröffentlichte das renommierte Wissenschaftsmagazin „Science“ eine bahnbrechende topografische Studie, die den gesamten antarktischen Kontinent umfasst. Diese Untersuchung liefert erstmals hochpräzise Einblicke in eine Landschaft, die unter einem gewaltigen, rund 14 Millionen Quadratkilometer großen Eisschild verborgen liegt. Da weite Teile der subglazialen Oberfläche zu den am wenigsten erforschten Regionen unseres Sonnensystems zählen, markiert diese Arbeit einen entscheidenden Fortschritt für die Polarforschung. Bisherige Radaruntersuchungen, die entweder aus der Luft oder direkt am Boden durchgeführt wurden, litten oft unter einer geringen Auflösung und wiesen erhebliche Lücken zwischen den Messpunkten auf, was dazu führte, dass markante geologische Strukturen in den Modellen stark geglättet erschienen.
Um diese Hürden zu überwinden, setzten die Wissenschaftler auf eine innovative Methode namens „Ice Flow Perturbation Analysis“ (IFPA). Dieses Verfahren kombiniert hochauflösende Satellitendaten über die Fließgeschwindigkeit des Eises mit physikalischen Strömungsmodellen und präzisen Messungen der Eisdicke. Im Gegensatz zu bisherigen Standardwerken wie „Bedmachine Antarctica“ kann die IFPA-Methode mesoskalige Merkmale identifizieren, die zuvor verborgen blieben. Das System ist in der Lage, Details in einer Tiefe von 2 bis 30 Kilometern unter der Eisoberfläche sichtbar zu machen. Dank dieser fortschrittlichen Visualisierung konnten die Forscher hunderte Kilometer lange, antike Flussläufe sowie schroffe tektonische Verwerfungen lokalisieren, die bis dato völlig unbekannt waren.
Professor Robert Bingham von der School of GeoSciences der Universität Edinburgh hob hervor, dass es nun erstmals möglich sei, die Verteilung dieser extrem variablen Landschaften über den gesamten Kontinent hinweg zu beobachten. Die Kenntnis der subglazialen Morphologie ist von fundamentaler Bedeutung, da die geologischen Gegebenheiten die Dynamik der Eisbewegungen unmittelbar beeinflussen. Dies ist wiederum ein kritischer Faktor für die Genauigkeit von Prognosen zum Anstieg des Meeresspiegels infolge der Gletscherschmelze. So kann beispielsweise ein besonders unebenes Gelände den Abfluss der Eismassen erheblich verlangsamen. Auch Mathieu Morlighem vom Dartmouth College unterstrich in diesem Zusammenhang, wie essenziell ein präzises Verständnis des Untergrunds für die Modellierung künftiger Eisschild-Entwicklungen ist.
Trotz der beispiellosen Detailtiefe, die das IFPA-Verfahren bietet, weist die Methode auch gewisse Unsicherheiten auf, da sie auf spezifischen Annahmen über das Fließverhalten des Eises basiert. Kleinere Reliefformen können zudem noch nicht vollständig aufgelöst werden. Dennoch dient die neue Karte, die unter der Leitung von Helen Ockenden von der Universität Edinburgh und dem Institut für Geowissenschaften in Grenoble erstellt wurde, als wichtiger Referenzpunkt für künftige Radarmessungen. Glaziologen blicken bereits erwartungsvoll auf Initiativen wie das Internationale Polarjahr 2031–2033. Solche großangelegten Projekte werden weitere Möglichkeiten bieten, Beobachtungsdaten und theoretische Modelle zu verknüpfen, um die unter kilometerdickem Eis verborgene geologische Geschichte der Antarktis weiter zu entschlüsseln.
Quellen
livescience.com
Diario Siglo XXI
Daily Mail Online
science.org
EurekAlert!
EurekAlert!
SCAR
Earth.com
Priestley Centre for Climate Futures
EurekAlert!
ResearchGate
Edinburgh Cryosphere
Professor Robert Bingham - Group - Blogs
SciTechDaily
Antarctic subglacial topography mapped from space reveals complex mesoscale landscape dynamics - ResearchGate
Mathieu MORLIGHEM | Professor (Full) | PhD | Dartmouth College, Hanover | Department of Earth Sciences (EARS) | Research profile - ResearchGate
Robert Bingham | Securing Antarctica's Environment Future
Professor Robert Bingham – Personal Chair of Glaciology & Geophysics - Blogs
FAQ
EurekAlert! Science News
Helen Ockenden - GitHub
The Guardian
Island Conservation
