Ringelschwanzgleiter in West-Papua nach 6.000 Jahren als neue Gattung identifiziert

Bearbeitet von: Olga Samsonova

In den abgelegenen Regenwäldern der indonesischen Vogelkophalbinsel haben Forscher eine wissenschaftliche Sensation bekannt gegeben: die formelle Beschreibung einer Gleitbeutler-Art, die zuvor nur aus fossilen Überresten bekannt war und als seit rund 6.000 Jahren ausgestorben galt. Die neue Gattung erhielt den Namen Tous, mit der spezifischen Artbezeichnung Tous ayamaruensis, bekannt als Ringelschwanzgleiter. Diese Wiederentdeckung fällt in die Kategorie der sogenannten „Lazarus-Taxa“, also Arten, die nach langer angenommener Ausrottung wieder im lebenden Bestand nachgewiesen werden.

Die wissenschaftliche Bestätigung erfolgte durch den Abgleich der Morphologie mit existierenden Fossilienaufzeichnungen, welche belegten, dass diese Linie der Ringbeutler (Pseudocheiridae) auf der Insel Papua vor etwa 6.000 Jahren verschwunden geglaubt wurde. Die Artbezeichnung ayamaruensis verweist auf die Nähe des Fundortes zu den Ayamaru-Seen. Die taxonomische Einordnung als neue Gattung stellt ein außergewöhnliches Ereignis dar, da die Beschreibung neuer Säugetiergattungen weltweit äußerst selten ist; die letzte Neugattung eines neuguinesischen Beuteltiers wurde bis 1937 datiert. Die Erstnachweise für die Spezies stammten bereits aus dem Jahr 2015, als ein Foto aus einem Bürgerwissenschaftsprojekt deren Existenz andeutete.

Die Forschungsgruppe um den australischen Biologen und Paläontologen Tim Flannery vom Australian Museum in Sydney war maßgeblich an der Identifizierung beteiligt. Die Wissenschaftler arbeiteten eng mit lokalen indigenen Gemeinschaften, darunter die Tambrauw- und Maybrat-Clans, zusammen, deren traditionelles ökologisches Wissen für die Lokalisierung der Tiere unerlässlich war. Tous ayamaruensis ist mit etwa 300 Gramm eine verhältnismäßig kleine Art innerhalb der Ringbeutler und unterscheidet sich von verwandten Arten wie dem Lemuren-Ringbeutler (rund 1 kg) durch einen charakteristischen Greifschwanz, kürzere Schnauze, unbehaarte Ohren und eine bräunlich bis graue Fellfärbung.

Die fortgesetzte Existenz dieser Spezies in den Tieflandregenwäldern der Vogelkop-Halbinsel unterstreicht die ökologische Bedeutung dieser Region, die geotektonisch einst Teil des australischen Kontinents war. Trotz dieser wissenschaftlichen Feststellung besteht dringender Handlungsbedarf im Artenschutz. Die Überlebensfähigkeit des Tous ayamaruensis wird durch geringe Reproduktionsraten, die nur ein Jungtier pro Jahr zulassen, stark gefährdet. Zusätzlich wird der Lebensraum auf der Halbinsel durch die Ausdehnung von Palmölplantagen und allgemeine Entwaldung massiv bedroht, was die Notwendigkeit eines sofortigen Schutzes dieser biologischen Relikte verdeutlicht.

4 Ansichten

Quellen

  • The Conversation

  • PULZO

  • Discover Magazine

  • The Guardian

  • Live Science

  • Smithsonian Magazine

  • EastMojo

  • Pulzo

  • El Espectador

  • Infobae

  • Ciencia1.com

  • Banrepcultural.org

Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.