Kognitive Leistungen von Vögeln stellen traditionelle Intelligenzannahmen in Frage
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Die wissenschaftliche Betrachtung der Intelligenz von Vögeln wurde lange Zeit vernachlässigt, primär begründet durch die geringe physische Größe ihrer Gehirne. Aktuelle Forschungsergebnisse, die bis zum Jahr 2026 reichen, belegen jedoch, dass die kognitiven Fähigkeiten von Vögeln jenen hoch entwickelter Säugetiere ebenbürtig sind. Diese Leistungsfähigkeit wird auf die außergewöhnlich hohe neuronale Dichte in ihren Gehirnen zurückgeführt, welche eine maximale Funktionalität auf minimalem Raum ermöglicht. Studien zeigen, dass Vogelgehirne pro Volumenmasse zwei- bis dreimal so viele Nervenzellen aufweisen wie Säugetierhirne, was ihre kompakte Effizienz erklärt.
Experten wie Kevin McGowan vom Cornell Lab of Ornithology weisen darauf hin, dass die Menschheit lange Zeit den Maßstab für Intelligenz an rein anthropozentrischen Kriterien ausgerichtet hat. McGowan argumentiert, dass komplexe Leistungen wie die räumliche Orientierung, etwa die Fähigkeit von Vögeln, nach ausgedehnten Wanderungen exakt zum Ausgangspunkt zurückzukehren, selten als hochentwickelte Kognition anerkannt werden, obwohl sie dies eindeutig darstellen. Seine Forschung konzentriert sich unter anderem auf die Biologie der Amerikanerkrähe; er ist seit 1988 am Cornell Lab tätig und setzt sich für die Vermittlung von Vogelwissen ein.
Die Diskussion über die „Standardintelligenz“ wird derzeit maßgeblich von den Ordnungen der Papageien (Psittaciformes) und den Rabenvögeln (Corvidae) dominiert, welche etablierte wissenschaftliche Vorstellungen herausfordern. Speziell Kolkraben (Corvus corax) demonstrieren durch Studien ausgefeilte Planungsstrategien. Diese Vögel haben in Experimenten bewiesen, dass sie Werkzeuge zur Nahrungsbeschaffung einsetzen, den Prozess speichern und sogar die Konstruktion der Werkzeuge optimieren können, was auf eine Fähigkeit zum verzögerten Lernen hindeutet. Diese nachgewiesene Kenntnis von Ursache und Wirkung wird mit den kognitiven Fähigkeiten eines fünfjährigen menschlichen Kindes verglichen.
Darüber hinaus verfügen Raben über ein bemerkenswertes Langzeitgedächtnis, das sich unter anderem darin äußert, dass sie menschliche Gesichter erkennen und diese Information über Jahre hinweg an ihre Nachkommen weitergeben. Die Forschung von Wissenschaftlern wie Dr. Felix Moll an der Universität Tübingen zeigte, dass Rabenkrähen durch gezieltes Training ein Stäbchen zum Heranholen von Futter einsetzen können. Die kognitiven Leistungen der Raben wurden in einer Studie systematisch mittels einer modifizierten „Primate Cognition Test Battery“ (PCTB) erfasst, wobei sie in vielen Aufgaben mit Orang-Utans und Schimpansen mithalten konnten.
Die Afrikanischen Graupapageien (Psittacus erithacus) bleiben ein zentraler Fall in der kognitiven Forschung. Die Ethologin Dr. Irene Pepperberg belegte zusammen mit ihrem Forschungspartner Alex, dass diese Vögel abstrakte Konzepte wie Gleichheit, Differenz und das Prinzip der Null verstehen. Alex, den Pepperberg 1977 erwarb, beherrschte etwa 150 Wörter und konnte Objekte kategorisieren. Die lange Lebensspanne dieser Vögel ermöglicht eine kumulative Lernerfahrung, was sie kognitiv in die Nähe von Delfinen und Primaten rückt. Auch Kakadus erregen durch ihre Kreativität und ihr Rhythmusgefühl Aufmerksamkeit, wie der Fall des Schwefelhaubenkakadus Snowball demonstrierte, der musikalische Rhythmen verfolgen und durch Improvisation anpassen konnte.
Die Energieeffizienz der Vogelgehirne spielt eine entscheidende Rolle bei der Erklärung ihrer hohen Intelligenz trotz geringer Größe, da sie nur etwa ein Drittel der Energie von Säugetiergehirnen benötigen. Professor Dr. Onur Güntürkün von der Ruhr-Universität Bochum betonte, dass dieser geringere Energieverbrauch teilweise erklärt, wie Vögel trotz ihrer kleinen Gehirne so klug sein können.
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Quellen
El Cronista
El Cronista
Cornell Lab of Ornithology
ResearchGate
UNAM Global TV
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