Biologische Uhren als Schlüssel zur Langlebigkeitsforschung: Zielspanne 150 Jahre
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Die Bestrebungen im Bereich der radikalen Lebensverlängerung, oft als „Longevity Goldrausch“ bezeichnet, erfahren im Jahr 2026 eine deutliche Beschleunigung, wobei die Messbarkeit des biologischen Alters eine zentrale Rolle einnimmt. Diese Forschung stützt sich maßgeblich auf fortschrittliche Biomarker, welche den tatsächlichen physiologischen Zustand des Körpers quantifizieren, im Gegensatz zum reinen chronologischen Alter. Die präzise Bestimmung des biologischen Alters gilt als unabdingbar, um den Erfolg von Anti-Aging-Therapien objektiv bewerten und die Entwicklung von Medikamenten zur Verjüngung vorantreiben zu können.
Der Biogerontologe Steve Horvath, maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung der epigenetischen „biologischen Uhren“, die das Alter anhand von DNA-Methylierungsmustern messen, ist nun als Principal Investigator am Altos Labs Cambridge Institute of Science tätig. Horvath, der bereits 2013 die erste pan-tissue Uhr vorstellte und seit 2018 jährlich auf der Liste der einflussreichsten Wissenschaftler von Clarivate geführt wird, verfolgt das Ziel, altersbedingte Degeneration aktiv umzukehren. Er prognostiziert, dass Lebensspannen von bis zu 150 Jahren erreichbar sein könnten, wobei er seine Arbeit bei Altos Labs auf die Nutzung dieser Uhren zur Identifizierung neuartiger Anti-Aging-Interventionen konzentriert. Zuvor war Horvath von 2000 bis 2022 Professor für Humangenetik und Biostatistik an der University of California, Los Angeles (UCLA).
Zur Verfeinerung der Altersanalyse werden nun Metriken der zweiten Generation wie DunedinPACE herangezogen, die über die ursprünglichen Uhren hinausgehen und Daten aus verschiedenen „Omics“-Bereichen integrieren, um eine differenziertere Altersschätzung zu ermöglichen. DunedinPACE, entwickelt von Forschern der Duke und Columbia Universität, misst die aktuelle Alterungsrate – wie viele biologische Jahre pro chronologischem Jahr vergehen – und wurde in über 65 großen Kohorten validiert. Während Horvaths ursprüngliche Uhr 353 spezifische CpG-Stellen analysierte, zielt DunedinPACE darauf ab, den Fortschritt des Alterns mit einem einzigen Bluttest zu erfassen, wobei ein Wert unter 1.0 als wünschenswert gilt.
Die unmittelbare klinische Priorität liegt laut Experten darin, die durch diese Uhren gewonnenen Daten in erprobte Protokolle zur Verbesserung der „Healthspan“, der gesunden Lebensspanne, zu überführen. Eine Schweizer Studie, die klinische Daten der internationalen DO-HEALTH-Studie auswertete, lieferte erste Anhaltspunkte. Die Analyse unter Leitung der Universität Zürich zeigte, dass die tägliche Einnahme von einem Gramm Omega-3-Fettsäuren die biologische Alterung über einen Zeitraum von drei Jahren um bis zu vier Monate verlangsamen konnte. Diese Ergebnisse wurden bei Teilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren gemessen und korrelieren mit früheren Beobachtungen.
Persönliche Lebensstilfaktoren haben sich bereits in früheren Untersuchungen als korrelierend mit niedrigeren biologischen Altersmessungen erwiesen. Die DO-HEALTH-Studie, an der 777 Schweizer Teilnehmer beteiligt waren, untersuchte auch die Effekte von Vitamin D und einem leichten Trainingsprogramm. Die Kombination aus Omega-3, Vitamin D und Bewegung zeigte bei einer der verwendeten Uhren sogar noch stärkere verlangsamende Effekte auf die epigenetische Alterung. Studien an Zwillingen deuten darauf hin, dass die Genetik nur zu etwa 20 bis 30 Prozent den Alterungsprozess bestimmt, womit der Großteil des Einflusses auf den aktiv beeinflussbaren Lebensstil entfällt. Die Fokussierung auf diese beeinflussbaren Faktoren, wie die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren, stellt somit einen direkten Ansatzpunkt zur Verlängerung der gesunden Lebensjahre dar.
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Quellen
The Star
Doctor Trusted
Perplexity
WIRED Health
PMWC Precision Medicine World Conference
UNILAD
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