Psychologische Forschung bestätigt kognitive und emotionale Vorteile von Selbstgesprächen

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Die zeitgenössische Psychologie betrachtet lautes Selbstgespräch, auch als „private speech“ bekannt, neu. Es wird nicht mehr als Indikator für eine psychische Störung angesehen, sondern als natürliche Form des selbstgesteuerten Dialogs, der wesentliche Funktionen für die kognitive Steuerung und affektive Balance des Individuums erfüllt. Diese Selbstkommunikation unterstützt die Strukturierung von Gedanken, erleichtert fundierte Entscheidungen und dient der effektiven Emotionsregulation, was direkt die kognitiven Fähigkeiten wie Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit steigert.

Experimentelle Untersuchungen belegen den positiven Einfluss auf kognitive Prozesse. Studien zeigen, dass das Verbalisieren von Anweisungen, etwa beim Befolgen eines Kochrezepts, die Fixierung von Informationen im Langzeitgedächtnis signifikant verbessert. Darüber hinaus beschleunigt das laute Benennen von Objekten den visuellen Suchprozess und die Fähigkeit zur Objekterkennung. Die kognitive Psychologie bestätigt, dass das laute Sprechen die Arbeitsgedächtniskapazität strukturiert und Informationen ordnet, was bei der Bewältigung komplexer Aufgaben eine Minderung potenzieller Angst bewirken kann.

Während diese Form der Selbstkommunikation in der Kindheit für die Entwicklung zentral ist, nutzen Erwachsene diese Strategie gezielt zur besseren Argumentation und zur Steuerung emotionaler Zustände, insbesondere unter erhöhter kognitiver Belastung. Forschungsergebnisse von Xinqi Guo, die sich mit der „private speech“ bei jungen Erwachsenen befasste, legen nahe, dass Probanden bei Aufgaben, für die sie mehr private Sprache anwendeten, signifikant bessere Leistungen erbrachten, unabhängig von ihrer anfänglichen Kompetenzstufe. Die Verbalisierung aktiviert mehrere Sinneskanäle – visuelle Eindrücke werden mit auditiven Informationen kombiniert – was zu stabileren Gedächtnisspuren führt.

Die Fähigkeit zur Emotionsregulation profitiert ebenfalls substanziell von diesem Dialog. Indem Gefühle in Worte gefasst werden, entsteht eine notwendige Distanz zum unmittelbaren emotionalen Erleben, was eine Sortierung und ein Verständnis komplexer Gefühlslagen ermöglicht. Dieser Prozess der Verbalisierung hilft, Angst und Stress messbar zu reduzieren, indem Emotionen einen Namen erhalten und dadurch greifbarer werden. Die kognitive Neubewertung von Situationen, ein zentraler Bestandteil der Emotionsregulation, ist bei psychisch gesunden Kontrollpersonen häufiger anzutreffen, was den positiven Zusammenhang zwischen flexiblen Regulationsstrategien und dem allgemeinen Wohlbefinden belegt.

Historisch wurde der Selbstdialog lange als marginales Hintergrundrauschen betrachtet; frühe Entwicklungspsychologen wie Jean Piaget interpretierten ihn als „egozentrische Sprache“ und Zeichen kognitiver Unreife. Lev Vygotsky sah darin hingegen ein wichtiges Werkzeug zur Selbststeuerung der Kognition und des Verhaltens bei schwierigen Problemlöseaufgaben. Die moderne wissenschaftliche Perspektive validiert Selbstgespräche als eine global normale kognitive Strategie, die aktiv zur Steigerung der Gedächtnisleistung, zur Beschleunigung der Objekterkennung, zur Strukturierung komplexer Denkprozesse und zur emotionalen Stabilisierung eingesetzt wird. Tatsächlich praktizieren nahezu 96 Prozent aller Erwachsenen regelmäßig Selbstgespräche, sei es in Gedanken oder laut, was die Allgemeingültigkeit dieses Mechanismus unterstreicht.

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Quellen

  • PULZO

  • Infobae

  • Heraldo de Aragón

  • Infobae

  • Diario Occidente

  • YouTube

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