Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung als Fundament psychischen Gleichgewichts

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Die psychologische Forschung untersucht kritisch die Tendenz, Wohlbefindensstandards für andere zu definieren, was oftmals primär der eigenen Selbstvalidierung dient. Dieses Phänomen rückt die interne Bestätigung in den Fokus, die neben dem fundamentalen Bedürfnis nach Autonomie, wie es die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan postuliert, eine zentrale Rolle für die menschliche Psyche spielt. Die Reaktion auf das wahrgenommene Urteil Dritter, beispielsweise nach einem Lob, offenbart die Tiefe des eigenen Bedarfs an Selbstbejahung, einem Kernelement der menschlichen Motivation.

Die Art und Weise, wie Individuen auf externe Bewertungen reagieren, dient als Gradmesser für die Priorisierung der eigenen Urteilsfähigkeit. Aussagen wie „Es macht mir nichts aus, wenn mir jemand sagt, was ich denken soll“ signalisieren eine starke Verankerung im eigenen Urteil, selbst im Widerspruch zu externen Meinungen. Dies unterstreicht die Autonomie als tief im Organismus verwurzelte Tendenz zur Selbstregulation. Im Gegensatz dazu kommuniziert die Formulierung „Ich sehe die Dinge anders“ die eigene Perspektive klar, ohne die Sichtweise des Gegenübers explizit abzuwerten, was die Komplexität der Selbst- und Fremdwahrnehmung im sozialen Kontext verdeutlicht.

Die zentrale Erkenntnis der Forschung legt nahe, dass, obgleich die Anerkennung durch andere hoch bewertet wird, die wahre Selbstachtung eine innere Validierung erfordert, insbesondere im Angesicht potenzieller Abwertung oder Konfliktsituationen. Eine übermäßige Fixierung auf die Fremdwahrnehmung kann die Selbstachtung untergraben, ein Mechanismus, der besonders in belastenden sozialen Umfeldern wie Mobbing am Arbeitsplatz evident wird. Mobbing, definiert als wiederholte, gezielte negative Handlungen, zielt darauf ab, das Selbstwertgefühl des Opfers systematisch zu schwächen, was zu psychischen Folgen wie Angststörungen oder Depressionen führen kann.

Die Etablierung klarer persönlicher Grenzen ist für die psychische Gesundheit unerlässlich, doch die ständige Sorge um die externe Wahrnehmung kann das Selbstbewusstsein erodieren lassen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Priorisierung des Selbstrespekts gegenüber der externen Bestätigung ein entscheidender Faktor für eine langfristige psychologische Stabilität ist. Die Theorie der psychologischen Grundbedürfnisse, zu denen neben Autonomie auch Kompetenz und Verbundenheit zählen, liefert den Rahmen, um zu verstehen, warum innere Befriedigung die äußere Anerkennung überwiegen muss, um Vitalität zu erfahren.

Die Diskrepanz zwischen dem Selbstbild, das auf Selbstwahrnehmung basiert, und dem Fremdbild, das durch Rückmeldungen von Dritten geformt wird, beeinflusst maßgeblich Identität und Wohlbefinden. Während das Selbstbild sich ständig wandelt und auch das gewünschte Wunschbild einschließt, ist es fundamental von der Qualität des erhaltenen Feedbacks abhängig. Die Vermeidung der Falle, sich selbst die Schuld für Konflikte oder Angriffe zuzuweisen, ist ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung der Selbstachtung und zur Vermeidung eines Rückzugs aus sozialen Interaktionen. Wahre Lebensqualität manifestiert sich in der Berücksichtigung dieser Einflussfaktoren, anstatt sich ausschließlich auf Zustandsbeschreibungen wie Glück zu beschränken.

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Quellen

  • healthstat.gr

  • Parade

  • Mandala Institute

  • Psychology Today

  • ΕΜΒΟΛΟΣ

  • PsychologyNow.gr

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