Somatische Kunst: Bewegung als Schlüssel zur emotionalen Selbstregulation
Bearbeitet von: Elena HealthEnergy
In unser Zeit gewinnt die somatische Kunst immer mehr an Popularität. Hierbei handelt es sich um Praktiken, bei denen künstlerischer Ausdruck durch großflächige, dynamische Körperbewegungen erfolgt. Dieser Ansatz basiert auf der Überzeugung, dass die aktive Einbeziehung des Körpers in den Selbstausdruck wesentlich zur Unterstützung der emotionalen Regulierung und des allgemeinen psychophysischen Wohlbefindens beiträgt.
Das Kernelement der somatischen Kunst liegt darin, dass der physische Schöpfungsprozess selbst den höchsten Wert besitzt, nicht das finale ästhetische Resultat. Bewegung, Rhythmus, der ausgeübte Druck und die Weite einer Geste werden zu Vehikeln für innere Zustände. Dies fördert nachweislich die Reduktion emotionaler Anspannung und schärft die Wahrnehmung körperlicher Empfindungen.
Kunsttherapeuten und Fachleute, die somatisch arbeiten, beobachten regelmäßig, dass diese Methoden helfen, die übermäßige kognitive Verstrickung zu lockern, indem sie den Körper direkt in den Ausdrucksprozess integrieren. In vielen dokumentierten kunsttherapeutischen Sitzungen, die auch in sozialen Medien von Praktikern geteilt werden, werden Teilnehmer beispielsweise angeleitet, ausladende Bewegungen, spontanes Malen oder Kritzeln zu Musik auszuführen. Der Fokus liegt dabei konsequent auf dem Erleben des Moments, nicht auf dem Endprodukt.
Chloë Bean, eine lizenzierte Ehe- und Familientherapeutin (LMFT) aus Los Angeles, betont ausdrücklich, dass das Ziel solcher Übungen nicht die Schaffung eines „perfekten“ oder vollendeten Werkes ist. Vielmehr geht es darum, körperliche Erfahrungen zu durchleben, bei denen die Bewegung spontan aus den Empfindungen heraus entsteht und nicht durch rationale Kontrolle gesteuert wird.
Die Praxis der somatischen Kunst umfasst oft unstrukturierte kreative Tätigkeiten. Dazu zählen Malerei, das Kritzeln oder das freie Ziehen von Linien auf großen Flächen, wobei die gesamte Hand oder der gesamte Körper für weite, natürliche Bewegungen genutzt werden. Dieses Format ist besonders wertvoll für Menschen, die dazu neigen, Emotionen zu intellektualisieren – also Gefühle zwar analysieren, sie aber nicht auf körperlicher Ebene durchleben.
Die Synchronisation zwischen der Bewegung der Hand, der visuellen Wahrnehmung und der Körperhaltung erzeugt eine sanfte Ablenkung für das analytische Denken. Dies ermöglicht es emotionalem Material, sich freier und sicherer zu manifestieren. Rhythmische, sich wiederholende Bewegungen, wie beispielsweise das gleichzeitige Malen mit beiden Händen, etablieren einen bilateralen Rhythmus. Dieser ähnelt teilweise den Prinzipien, die in der EMDR-Therapie Anwendung finden, und kann zur Beruhigung des Nervensystems sowie zur Steigerung des Stabilitätsgefühls beitragen.
Für den Einstieg in diese Praxis empfiehlt es sich, ein großes Blatt Papier an einer Wand zu befestigen. Es sollten Materialien verwendet werden, die es erlauben, Druck und Geschwindigkeit der Bewegung zu vermitteln, etwa Pastellkreiden oder Farbe. Die Aufmerksamkeit sollte währenddessen gezielt auf die körperlichen Empfindungen gerichtet werden: der Kontakt mit der Oberfläche, die Muskelspannung und der Atemrhythmus.
Nach Abschluss der Einheit wird eine behutsame Reflexion vorgeschlagen. Der Fokus verschiebt sich dabei auf festgestellte Veränderungen im physischen und emotionalen Zustand, auf das Gefühl der Präsenz und der Neugier, anstatt auf die Interpretation oder Bewertung des entstandenen Bildes.
Historisch gesehen lässt sich die Verbindung zwischen Kreativität und psychischem Wohlbefinden bereits seit der Mitte des 20. Jahrhunderts nachverfolgen. Adrian Hill, der Begründer der Kunsttherapie, hob den therapeutischen Effekt künstlerischer Betätigung während seiner Arbeit mit Tuberkulosepatienten hervor. Dies gilt als einer der ersten dokumentierten Fälle, in denen Kunst gezielt in einem heilenden Kontext eingesetzt wurde.
Heutige, somatisch ausgerichtete kreative Methoden werden als ergänzendes Werkzeug zur Selbstregulierung betrachtet. Sie tragen dazu bei, das subjektive Stressniveau zu senken, das allgemeine Wohlbefinden zu steigern und das Gleichgewicht des Nervensystems zu fördern, indem sie Bewegung, Körperwahrnehmung und spontanen Selbstausdruck miteinander verknüpfen.
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Quellen
Bustle
Bustle
TherapyDen
Forbes
Artreach Collective
Enodia Therapies Creative Art Therapy
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