Kasachstan übernimmt 2026 den EAWU-Vorsitz mit Fokus auf KI und wirtschaftliche Diversifizierung

Bearbeitet von: Svetlana Velgush

Mit dem Jahreswechsel 2026 wird die Republik Kasachstan offiziell den Vorsitz der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) übernehmen und diese wichtige Rolle von der Republik Belarus entgegennehmen. Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat bereits fünf zentrale Arbeitsschwerpunkte für diese Amtszeit skizziert. Diese Prioritäten sind eng mit der langfristigen Deklaration „Eurasischer Wirtschaftsweg bis 2045“ abgestimmt. Dieser Führungswechsel fällt in eine Phase, in der die EAWU ihr zweites Jahrzehnt antritt, gestützt auf eine bemerkenswerte wirtschaftliche Dynamik der Mitgliedsstaaten, ungeachtet der globalen Unsicherheiten.

Der oberste Fokus, den Präsident Tokajew setzt, liegt auf der tiefgreifenden Integration von Technologien der Künstlichen Intelligenz (KI) als neuem Motor für die wirtschaftliche Annäherung. Der Staatschef hat die Schaffung eines integrierten KI-gestützten Systems zur Steuerung der Güterströme innerhalb der EAWU angestoßen. Das erklärte Ziel dieser Initiative ist es, die Lieferzeiten drastisch zu verkürzen und die finanziellen Aufwendungen zu minimieren, um die Wettbewerbsfähigkeit der eurasischen Verkehrskorridore signifikant zu steigern. Kasachstan selbst bringt hierbei wertvolle Erfahrungen ein, etwa durch das Pilotprojekt Smart Cargo und die konsequente Umstellung der Logistikdokumentation auf digitale Formate. Es wird den Partnern des Bündnisses die Integration dieser digitalen Plattformen angeboten. Ein weiterer Meilenstein für 2026 ist die geplante Unterzeichnung einer Gemeinsamen Erklärung zur verantwortungsvollen Entwicklung der KI in der EAWU, die in Astana stattfinden soll.

Der zweite strategische Pfeiler zielt darauf ab, die EAWU zu einem führenden logistischen Drehkreuz auf dem gesamten Kontinent auszubauen. Dies erfordert eine umfassende Modernisierung der gesamten transportlogistischen und zolltechnischen Infrastruktur. Präsident Tokajew betonte die geopolitische Funktion der EAWU als Brücke zwischen Ost und West. Er hob hervor, dass es unerlässlich sei, den reibungslosen Warenverkehr durch den konsequenten Abbau administrativer und bürokratischer Hürden zu gewährleisten. Diese Ambition korrespondiert direkt mit Kasachstans nationaler Wirtschaftsstrategie bis 2029, welche den Ausbau der Straßen- und Schienennetze für einen effizienten Transit zwischen China und Europa vorsieht.

Parallel zu diesen Integrationsbestrebungen verfolgt Kasachstan ehrgeizige Ziele für die heimische Wirtschaftstransformation. Das Land strebt danach, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis zum Jahr 2029 auf 450 Milliarden US-Dollar zu verdoppeln. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, muss die Investitionssumme in das Anlagevermögen von 41 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 103 Milliarden US-Dollar bis 2029 ansteigen. Die Regierung verfolgt hierfür eine proaktive Wachstumspolitik. Neben der Reduzierung der Abhängigkeit vom Öl- und Gassektor wurden die verarbeitende Industrie, der Handel und die Landwirtschaft als zentrale Wachstumsmotoren identifiziert. Für das Jahr 2026 wird ein BIP-Wachstum von 5,4 Prozent prognostiziert. Im Rahmen des Nationalen Infrastrukturplans bis 2029 sind 204 Projekte in den Bereichen Energie, Verkehr, Wasserversorgung und Digitalisierung fest eingeplant. Die Konzeption zur Entwicklung des Nicht-Rohstoffsektors für den Zeitraum 2025 bis 2040 sieht vor, die gesamten Verarbeitungskapazitäten von derzeit 18 Millionen Tonnen pro Jahr auf 39 Millionen Tonnen pro Jahr bis 2040 zu steigern.

Über die Digitalisierung und die Logistik hinaus umfassen die Prioritäten des kasachischen Vorsitzes die Sicherstellung des zollfreien Handels sowie die geografische Erweiterung der Außenhandelsbeziehungen. Dies schließt insbesondere den Dialog mit Staaten des Globalen Südens, Afrikas und der arabischen Welt ein. Präsident Alexander Lukaschenko von Belarus äußerte seine Zuversicht, dass die Präsidentschaft in Astana der eurasischen Wirtschaftsintegration einen neuen, kraftvollen Impuls verleihen werde. Die Umsetzung der dargelegten Maßnahmen soll die praktische Relevanz der EAWU stärken und sie zu einem technologisch fortschrittlicheren und effizienteren Bündnis formen.

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Quellen

  • Report İnformasiya Agentliyi

  • БелТА

  • ИА Кокшетау Азия

  • Ритм Евразии

  • GOV.KZ

  • 24KZ

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