EU-Kommission startet Finanzierungsinstrument EastInvest zur Stärkung der östlichen Grenzregionen
Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich
Am Donnerstag, den 26. Februar 2026, fand in Brüssel eine bedeutende Gründungsveranstaltung statt, mit der die Europäische Kommission (EK) den offiziellen Startschuss für das neue Finanzierungsinstrument EastInvest gab. Diese innovative Finanzplattform wurde speziell konzipiert, um den Regionen der Europäischen Union, die direkt an die Russische Föderation, die Republik Belarus und die Ukraine grenzen, eine maßgeschneiderte Unterstützung zukommen zu lassen. Die Initiative versteht sich als direkte Antwort auf die massiven wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Herausforderungen, die infolge des anhaltenden Konflikts in der Ukraine entstanden sind und die Stabilität der östlichen Randgebiete der Union bedrohen.
Das Instrument EastInvest bildet einen zentralen Pfeiler der umfassenderen EU-Strategie für die östlichen Regionen, welche die Kommission bereits am 18. Februar 2026 unter dem programmatischen Titel „Starke Regionen für ein sicheres Europa“ verabschiedet hatte. In diesem Strategiepapier werden fünf vorrangige Handlungsfelder definiert: Sicherheit und Resilienz, Wachstum und regionaler Wohlstand, die gezielte Nutzung lokaler Stärken, die Verbesserung der Konnektivität sowie die Förderung der Menschen vor Ort. Der Finanzmechanismus von EastInvest ist mit einem Volumen von beachtlichen 20 Milliarden Euro dotiert und soll sowohl privaten als auch öffentlichen Projektträgern in den betroffenen Gebieten den Zugang zu Krediten und spezialisierter Beratungsunterstützung signifikant erleichtern.
Es wird erwartet, dass durch den Einsatz von EastInvest insgesamt mindestens 28 Milliarden Euro an zusätzlichen privaten und öffentlichen Investitionen mobilisiert werden können. An der operativen Umsetzung der Plattform sind führende Finanzinstitutionen beteiligt, darunter die Europäische Investitionsbank-Gruppe (EIB), die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), die Nordische Investitionsbank sowie die Entwicklungsbank des Europarates. Zudem leisten die nationalen Entwicklungsbanken aus den neun unmittelbar betroffenen Mitgliedstaaten einen wesentlichen Beitrag. In ihrer Rede auf der Konferenz unterstrich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass die Sicherheit und wirtschaftliche Vitalität dieser Grenzgebiete für die Stabilität und Integrität der gesamten Europäischen Union von existenzieller Bedeutung seien.
Raffaele Fitto, der Exekutiv-Vizepräsident der EU-Kommission für Kohäsion und Reformen, wies in seinen Ausführungen auf die gewaltigen geografischen Dimensionen hin: Die betroffenen Grenzregionen erstrecken sich über mehr als 3.500 Kilometer Landgrenze zu Russland und Belarus sowie fast 1.500 Kilometer zur Ukraine. Seit dem 24. Februar 2022 haben sich die Lebens- und Wirtschaftsbedingungen in diesen Gebieten drastisch verändert. In den neun betroffenen Nationen – Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien – kämpfen die lokalen Gemeinschaften mit den Folgen hybrider Kriegsführung, der gezielten Instrumentalisierung von Migration durch Drittstaaten sowie mit schweren wirtschaftlichen Erschütterungen und einem besorgniserregenden demografischen Rückgang.
Im Zentrum der praktischen Umsetzung der Strategie stehen der Ausbau der Infrastruktur und die Sicherstellung der Energieunabhängigkeit. Ein wichtiges Etappenziel ist dabei die vollständige Integration des baltischen Stromnetzes in das europäische Verbundsystem sowie die Errichtung einer leistungsfähigen, grenzüberschreitenden Wasserstoffinfrastruktur. Der rumänische Premierminister Ilie Bolojan betonte, dass die Ostflanke der EU durch Initiativen wie EastInvest zu einem stabilen Pfeiler für Zusammenhalt und Sicherheit werde. Er hob zudem hervor, dass die Entwicklung moderner Infrastrukturen eine entscheidende Voraussetzung dafür sei, die angrenzenden Länder auf ihre Rolle beim künftigen Wiederaufbau der Ukraine vorzubereiten. Während der feierlichen Zeremonie in Brüssel, an der neben EIB-Präsidentin Nadia Calviño auch die Premierminister von Estland, Lettland, Litauen und Rumänien teilnahmen, wurde eine offizielle Absichtserklärung zur Gründung des Fonds unterzeichnet.
Ergänzend zur finanziellen Förderung umfasst die Strategie weitreichende Maßnahmen zur Erhöhung der physischen Sicherheit, wie etwa das Projekt einer „Europäischen Drohnenmauer“, das eine lückenlose Überwachung der östlichen Außengrenzen gewährleisten soll. Durch gezielte Investitionen in die militärische Mobilität und eine Verdreifachung der Mittel für den Grenzschutz soll das notwendige Vertrauen geschaffen werden, um neue Investoren für die Region zu gewinnen. Dies gilt insbesondere für zukunftsorientierte Sektoren wie die erneuerbaren Energien, die moderne Landwirtschaft und die nachhaltige Forstwirtschaft, die als Motoren für eine langfristige wirtschaftliche Erholung in den Grenzgebieten fungieren sollen.
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Quellen
Business24
Centre for European Democracy Studies
The Sofia Globe
European Commission, official website
Visegrad Insight
Ziarul Lumina
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