Wende in Antananarivo: CAPSAT-Intervention katapultiert Madagaskar in politische Krise
Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich
Die politische Landschaft Madagaskars erlebte am Sonntag, dem 12. Oktober 2025, eine dramatische Zuspitzung. Die Spezialeinheit für Intervention und Terrorismusbekämpfung (CAPSAT) erklärte ihre Solidarität mit den seit Ende September andauernden Protesten der Jugend. Diese unerwartete militärische Intervention markiert einen Wendepunkt in den landesweiten Unruhen, die ursprünglich durch gravierende Versorgungsengpässe ausgelöst wurden.
Die Protestbewegung, die sich selbstbewusst als „Gen Z“ positioniert, hatte sich seit Ende September gegen chronische Wasser- und Stromausfälle sowie die allgemeine Notlage im Land formiert. Die Dynamik eskalierte, als am 2. Oktober 2025 CAPSAT mit der Erklärung „Wir, die wir die Uniform tragen, erheben uns für das Volk“ die militärische Neutralität in innenpolitischen Fragen aufgab. Diese Entwicklung lenkte den Fokus weg von den ursprünglichen Versorgungsfragen hin zu einer fundamentalen Machtfrage.
Als Reaktion auf die anfängliche Unruhe hatte Präsident Andry Rajoelina bereits am 29. September 2025 seine Regierung aufgelöst. Trotz dieses Schrittes hielten die Demonstranten an ihrer Forderung nach seinem Rücktritt fest. Die Vereinten Nationen meldeten Berichten zufolge mindestens 22 Todesopfer und über 100 Verletzte infolge der Auseinandersetzungen, wobei die Gewalt den Sicherheitskräften zugeschrieben wurde. Präsident Rajoelina selbst interpretierte die Vorgänge als einen Versuch der illegalen Machtübernahme und rief zur Verteidigung der verfassungsmäßigen Ordnung auf; sein Verbleib am 12. Oktober 2025 war unklar.
Die Unterstützung der Proteste durch Teile des Militärs, insbesondere durch die CAPSAT-Offiziere, die am Sonntag, dem 12. Oktober 2025, sogar die Ernennung von General Demosthene Pikulas zum neuen Armeechef proklamierten, verschärfte die Lage. Diese Spaltung innerhalb der Sicherheitsstrukturen stellt die Nation vor die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Neuausrichtung. Die strukturellen Ungleichgewichte des Landes, das trotz reicher Ressourcen eine Armutsquote von fast 75 Prozent der rund 32 Millionen Einwohner aufweist, bilden den Nährboden für die Krise. Die internationale Gemeinschaft, darunter die Afrikanische Union, mahnt zur Zurückhaltung und zum Dialog, um eine weitere Destabilisierung zu verhindern. Die Stabilisierung der Grundversorgung, wie vom am 7. Oktober 2025 ernannten neuen Premierminister General Ruphin Fortunat Zafisambo angekündigt, bleibt eine zentrale Herausforderung.
Quellen
Deutsche Welle
From Madagascar to Morocco: Gen Z protests shake Africa
Madagascar's president fires the government following days of deadly Gen Z protests
Gen Z protesters in Madagascar clash with police as they call for president to step down
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