Die Mission Artemis II ist gestartet: Vier Astronauten auf dem ersten bemannten Mondflug seit der Apollo-Ära
Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich
Am Mittwoch, dem 1. April 2026, begann mit dem erfolgreichen Start der bemannten Artemis II-Mission vom Kennedy Space Center in Florida eine neue Ära der Raumfahrt. Dieser historische Flug markiert die erste bemannte Reise der Menschheit in die Nähe des Mondes seit über 53 Jahren, nachdem das legendäre Apollo-Programm zum Abschluss kam. Die vierköpfige Besatzung begab sich auf einen entscheidenden Testflug, der einen Vorbeiflug am Mond ohne Landung vorsieht. Dieser Schritt ist fundamental für das übergeordnete Artemis-Programm, welches darauf abzielt, eine dauerhafte menschliche Präsenz sowohl in der Mondumlaufbahn als auch auf der Oberfläche unseres Trabanten zu etablieren.
Das Herzstück des Starts bildete die beeindruckende, 322 Fuß hohe Space Launch System (SLS) Trägerrakete, die das Orion-Raumschiff sicher in den Weltraum beförderte. Die Vorbereitungen für diesen Moment waren intensiv und umfassten die Betankung der SLS mit mehr als 700.000 Gallonen kryogenem flüssigem Wasserstoff und flüssigem Sauerstoff. Nach vorangegangenen Herausforderungen mit Wasserstofflecks war eine akribische Systemprüfung unerlässlich, bevor Startdirektorin Charlie Blackwell-Thompson schließlich die Einsatzbereitschaft bestätigte. Die Mission folgt einer präzisen Flugbahn, die das Team tief in den Weltraum führen wird.
Die Besatzung setzt sich aus hochqualifizierten Experten zusammen: Kommandant Reid Wiseman führt das Team an, unterstützt von Pilot Victor Glover sowie den Missionsspezialisten Christina Koch und Jeremy Hansen von der Canadian Space Agency (CSA). Ihr Kurs basiert auf einer sogenannten freien Rückkehrbahn. Diese Trajektorie wird die Astronauten mehrere tausend Meilen über die Rückseite des Mondes hinausführen, bevor sie durch die Schwerkraft automatisch zurück zur Erde gelenkt werden. Die gesamte Reise ist darauf ausgelegt, in einem Zeitraum von weniger als zehn Tagen abgeschlossen zu sein.
Technisch gesehen ist die SLS-Rakete ein Wunderwerk der modernen Ingenieurskunst. In ihrer Block-1-Konfiguration überragt sie mit einer Höhe von 322 Fuß sogar die Freiheitsstatue. Beim Abheben erzeugt sie einen gewaltigen Maximalschub von 8,8 Millionen Pfund, was die Leistung der historischen Saturn V-Rakete um etwa 15 Prozent übertrifft. Die von Boeing gefertigte Kernstufe beherbergt 733.000 Gallonen Treibstoff für die vier RS-25-Triebwerke. Sobald der Erdorbit erreicht ist, sorgt die Interim Cryogenic Propulsion Stage (ICPS) für den notwendigen Impuls, um die Orion-Kapsel auf den Weg zum Mond zu schicken.
Artemis II, ursprünglich als Exploration Mission-2 (EM-2) bezeichnet, weist Parallelen zur Apollo-8-Mission von 1968 auf, nutzt jedoch eine Flugbahn, die eher an die Rettungsroute von Apollo 13 erinnert. Im Gegensatz zu Apollo 8 wird Artemis II nicht in eine feste Mondumlaufbahn einschwenken. Stattdessen könnte die geplante maximale Entfernung von der Erde, die über 248.655 Meilen beträgt, den bisherigen Rekord von Apollo 13 brechen. Das primäre Ziel dieses Vorhabens ist die umfassende Erprobung der Lebenserhaltungssysteme, der Navigation und der allgemeinen Funktionalität des Orion-Raumschiffs unter den extremen Bedingungen des tiefen Weltraums.
Die Zusammensetzung der Crew spiegelt die moderne Evolution der internationalen Raumfahrt wider. Mit Jeremy Hansen nimmt erstmals ein kanadischer Astronaut an einer Mondmission teil, während Christina Koch als erste Frau in der Geschichte den Weg zum Mond antritt. Die kanadische Raumfahrtbehörde CSA spielt zudem eine wichtige Rolle bei der Bodenunterstützung; so stellte das Unternehmen Shared Services Canada (SSC) ein temporäres Kontrollzentrum in Cape Canaveral bereit. Als offizielle Ersatzfrau für Hansen wurde die CSA-Astronautin Jenni Gibbons nominiert, was die Tiefe der internationalen Zusammenarbeit unterstreicht.
Das Artemis-Programm, das 2017 durch die Space Policy Directive 1 formell ins Leben gerufen wurde, verfolgt das ehrgeizige Ziel, bis in die 2030er Jahre eine permanente Basis auf dem Mond zu errichten. Dieser Außenposten soll als Sprungbrett für künftige bemannte Missionen zum Mars dienen. Der aktuelle Flug soll nach etwa zehn Tagen mit einer Wasserung im Pazifischen Ozean vor der Küste von San Diego enden, voraussichtlich um den 10. April 2026. Ein Erfolg von Artemis II ist die zwingende Voraussetzung für die nachfolgende Mission Artemis III, bei der Astronauten schließlich in der Nähe des Mondsüdpols landen sollen.
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Quellen
Daily Mail Online
NASA
Reuters
The New York Times
Space.com
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