Astronomen bestätigen extremste Sternzerstörung durch Schwarzes Loch: Das Ereignis AT2024wpp alias „Whippet“

Bearbeitet von: Uliana S.

Astronomen beobachten, wie ein Stern von einem supermassiven Schwarzen Loch in Stücke gerissen wird: Eine Forschergruppe berichtete kürzlich von der Entdeckung von AT2024wpp.

Die astronomische Fachwelt hat ein kosmisches Ausbruchsereignis von beispielloser Intensität verifiziert. Dieses Ereignis, bekannt unter der Bezeichnung AT2024wpp und informell „Whippet“ genannt, stellt eine der gewaltigsten jemals aufgezeichneten Sternzerstörungen dar. Es handelt sich um ein Gezeitenzerstörungsereignis (Tidal Disruption Event, TDE), das sich im Jahr 2024 ereignete. Dabei hat ein supermassereiches Schwarzes Loch einen massereichen Stern regelrecht zerfetzt, was eine Energiefreisetzung zur Folge hatte, die der 400-milliardenfachen Leuchtkraft unserer Sonne entsprach. Die wissenschaftliche Arbeit, welche diese Details untermauert, wurde zur Publikation im renommierten Fachjournal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society angenommen.

Der auf der Pressekonferenz vorgestellte AT2024wpp ist eine seltene, schnelle kosmische Explosion, die Licht auf den Ursprung solcher Transienten wirft. Ab 23:55 ansehen.

Ein TDE tritt ein, wenn ein Stern der Gravitationssphäre eines supermassereichen Schwarzen Lochs zu nahe kommt. Die resultierenden extremen Gezeitenkräfte zerren den Stern auseinander. Dessen Materie wird dann in einen Strom umgewandelt, der sich schließlich zu einer Akkretionsscheibe formiert. Die Kennzeichen von „Whippet“ sind spektakulär: Die freigesetzte Energie übertrifft bei Weitem jede bekannte Supernova-Explosion. Hinzu kommt eine Schockwelle, die sich mit etwa 20 Prozent der Lichtgeschwindigkeit ausbreitet – das entspricht rund 215 Millionen Kilometern pro Stunde. Schätzungen zufolge besaß der vernichtete Stern eine Masse, die möglicherweise das 30-fache der Sonnenmasse betrug, und gehörte höchstwahrscheinlich zum Typ der Wolf-Rayet-Sterne.

An dieser bahnbrechenden Untersuchung waren Forschende wie Daniel Perley von der Liverpool John Moores University beteiligt. Die Datengrundlage bildeten Beobachtungen des Zwicky Transient Facility (ZTF), des Swift-Satelliten der NASA sowie des Liverpool Teleskops auf den Kanarischen Inselen. Solche TDEs liefern essenzielle Einblicke in die Physik Schwarzer Löcher, insbesondere in deren Wachstumsmechanismen. Die Analyse legt nahe, dass das Sternmaterial in eine Struktur zerfasert wird, die bildhaft als „Spaghettifizierung“ beschrieben wird. Aufgrund seiner extrem hohen Temperatur und der intensiven Röntgenstrahlung wird das Ereignis als wahrscheinlicher Vertreter der Klasse der „Licht-schnellen, blauen, energiereichen Transienten“ (LFBOT) eingestuft, was es von seinem Prototyp AT 2018cow abhebt und seine Besonderheit hervorhebt.

Forscher, darunter Anna Ho von der Cornell University, stellten fest, dass die in den ersten 45 Tagen emittierte Energie die einer typischen Supernova um das Hundertfache übertraf. Zusätzliche Analysen, die mit dem Keck-Teleskop auf Mauna Kea, Hawaii, durchgeführt wurden, bestätigten, dass LFBOTs durch diese Art von extremer Gezeitenzerstörung angetrieben werden und nicht durch konventionelle Supernovae. Dies stellt etablierte Modelle der Schwarzen-Loch-Physik vor neue Herausforderungen. Wissenschaftliche Rätsel bleiben jedoch bestehen: Die Detektion von Helium, das sich mit 21 Millionen km/h vom Explosionsort entfernt, sowie schwache Spuren von Wasserstoff und Helium in den Spektren nach 35 Tagen erfordern weitere Forschung. Da sich dieses Ereignis in einer Entfernung von 1,1 Milliarden Lichtjahren ereignet hat, bietet es eine einmalige Gelegenheit, Akkretionsprozesse an Schwarzen Löchern zu studieren, die andernfalls verborgen blieben, da das Schwarze Loch vor diesem Vorfall vermutlich „ruhend“ war.

7 Ansichten

Quellen

  • ФОКУС

  • HotHardware

  • inkl

  • The Daily Record

  • The Royal Astronomical Society

  • GOTO

Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.