Meeräschen suchen in Venedigs Kanälen Schutz vor winterlicher Kälte

Bearbeitet von: Tetiana Martynovska 17

Venedig, Italien. Aus verschiedenen natürlichen Gründen sammeln sich viele Fische in den Kanälen.

Während der jüngsten Kälteperiode wurden in den städtischen Wasserstraßen Venedigs auffallend große Ansammlungen von Meeräschen (Mugilidae) beobachtet. Dieses Phänomen kennzeichnet die Wintermonate, in denen die Fische gezielt Schutz vor den niedrigen Außentemperaturen suchen. Die Kanäle der Lagunenstadt dienen dabei als relativ wärmere Zufluchtsorte im Vergleich zu den kühleren Gewässern der offenen Adria und der Lagune selbst. Sichtbar werden diese Konzentrationen vor allem in windgeschützten Abschnitten, wo die städtische Bebauung und lokale Abflüsse die Wassertemperatur leicht erhöhen.

Ökologische Fachleute, darunter Professor Fabio Pranovi von der Universität Ca' Foscari, bestätigen, dass diese Wanderung eine notwendige Überlebensstrategie darstellt, um der winterlichen Kälte zu entgehen. Neben dem thermischen Schutz suchen die Meeräschen in diesen Zonen auch Deckung vor natürlichen Prädatoren wie den Kormoranen, deren Population in der Lagune zugenommen hat. Die wissenschaftliche Erklärung für die Sichtbarkeit dieser Schwärme liegt in der Suche nach optimalen Überlebensbedingungen während der kalten Jahreszeit, die typischerweise die Monate Januar und Februar umfasst.

Die Anwesenheit der Fische in den engen städtischen Wasserwegen birgt jedoch auch erhebliche Gefahren für die Tiere. Luca Mizzan, Direktor des Naturhistorischen Museums von Venedig, berichtete der Zeitung „Il Gazzettino“, dass die Durchfahrt von Motorbooten durch die dichten Fischschwärme zu einem „Gemetzel“ führen könne, was sich in zahlreichen toten Fischen widerspiegele. Diese anthropogenen Einflüsse stellen eine akute Bedrohung dar, da die Bootsführer oft keine andere Möglichkeit sehen, als die Ansammlungen zu durchpflügen.

Die Lagune von Venedig, ein seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörendes Feuchtbiotop von etwa 550 km² Fläche, ist ein komplexes System aus Kanälen, Sandbänken und Inseln. Die Reproduktionszone vieler Lagunenfische liegt in der Adria, wobei die Jungtiere zum Wachsen in die nährstoffreiche Lagune wandern. Die Meeräschen, die temporär in den Kanälen Schutz suchen, kehren nach einigen Wochen typischerweise in die offenere Lagune und das Meer zurück. Die städtische Infrastruktur, einschließlich der Fundamente der Gebäude und Abflüsse, modifiziert lokal die Temperatur und schafft so temporäre Mikroklimata für die überwinternden Schwärme.

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Quellen

  • Video: ultime notizie - Corriere TV

  • La Nuova Venezia

  • Corriere del Veneto

  • Unive - Ca' Foscari

  • ResearchGate

  • Comune di Venezia

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