Nur zwei Exemplare weltweit: Unbekannte Baumart in den Dschungeln von São Paulo entdeckt
Bearbeitet von: An goldy
Im Dezember 2025 wurde die botanische Fachwelt durch die offizielle wissenschaftliche Beschreibung einer bisher vollkommen unbekannten Pflanzenart bereichert: Myrcia barbata. Diese bedeutende Entdeckung gelang im Rahmen intensiver Expeditionen im Staatspark Serra do Mar, genauer gesagt im Kerngebiet von Cunha im brasilianischen Bundesstaat São Paulo. Der Fundort liegt tief in den verbliebenen Beständen des Atlantischen Regenwaldes (Mata Atlântica), der als einer der weltweit 25 kritischsten Biodiversitäts-Hotspots eingestuft wird. Trotz seiner ökologischen Unverzichtbarkeit ist dieser Lebensraum massiv bedroht, da bereits weit mehr als die Hälfte seiner ursprünglichen Waldfläche durch menschliche Eingriffe verloren gegangen ist.
Die neu identifizierte Myrcia barbata ist ein Mitglied der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Damit ist sie eng verwandt mit ökologisch und wirtschaftlich bedeutenden Arten wie der Guave, dem Eukalyptus und der in Brasilien geschätzten Jabuticaba. Ein besonders markantes Merkmal, das die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich zog, ist die dichte, goldfarbene Behaarung der Pflanze. Aufgrund dieses außergewöhnlichen Erscheinungsbildes verliehen die Wissenschaftler dem Baum den Beinamen „Pflanze im goldenen Mantel des Waldes“. Es wird vermutet, dass diese speziellen Trichome (Pflanzenhaare) eine essenzielle Schutzfunktion in ihrem Hochland-Habitat auf über 1.100 Metern Höhe erfüllen. Sie bewahren das Gewächs vor thermischem Stress, verhindern übermäßigen Feuchtigkeitsverlust und bieten Schutz gegen die intensive ultraviolette Strahlung in diesen Höhenlagen.
Obwohl die Art nun formal in den wissenschaftlichen Kanon aufgenommen wurde, musste sie unmittelbar als „Data Deficient“ (ungenügende Datengrundlage) klassifiziert werden. Dieser Status resultiert aus der extremen Seltenheit der Spezies: Während der umfassenden Feldstudien, die sich über den Zeitraum von 2019 bis 2023 erstreckten, konnten weltweit lediglich zwei lebende Individuen dieser Art nachgewiesen werden. Diese geringe Populationsdichte und das stark begrenzte Verbreitungsgebiet lösen bei Naturschützern große Besorgnis aus. Besonders die zunehmende Frequenz extremer Wetterphänomene, wie ungewöhnliche Frostperioden oder schwere Sturzfluten, stellt eine unmittelbare Bedrohung für das Überleben dieser gerade erst entdeckten Flora dar.
Der Staatspark Serra do Mar (PESM), der bereits im Jahr 1977 gegründet wurde und eine beeindruckende Fläche von 332.000 Hektar umfasst, stellt das größte zusammenhängende Schutzgebiet des Atlantischen Regenwaldes in ganz Brasilien dar. Dass Myrcia barbata im Sektor Cunha dieses Parks lokalisiert wurde, unterstreicht die fundamentale Rolle dieses Bioms für den Erhalt endemischer Arten. Die Region Serra do Mar gilt ohnehin als ein globales Zentrum der Vielfalt für Myrtengewächse, wobei dort bisher insgesamt 47 verschiedene Arten dieser Familie dokumentiert werden konnten. Die Entdeckung einer weiteren Art in einem bereits erforschten Gebiet zeigt, wie viele Geheimnisse diese Wälder noch immer bergen.
Die Identifizierung von Myrcia barbata verdeutlicht jedoch auch den dringenden Handlungsbedarf in der brasilianischen Umweltpolitik. Experten weisen darauf hin, dass ein effektiver Schutzstatus für bedrohte Myrtaceae-Arten nur durch entschlossene staatliche Maßnahmen und eine strategische Erweiterung der geschützten Zonen erreicht werden kann. Angesichts der fortschreitenden Fragmentierung von Lebensräumen und der unaufhaltsamen Urbanisierung ist schnelles Handeln zum Schutz der verbliebenen Bestände unumgänglich. Da ein erheblicher Teil der brasilianischen Biodiversität noch immer nicht katalogisiert ist, besteht die reale Gefahr, dass zahlreiche Spezies aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden können. Die Rettung dieser zwei verbliebenen Exemplare steht somit symbolisch für den globalen Kampf um den Erhalt der biologischen Vielfalt.
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Quellen
globo.com
Phytotaxa
ResearchGate
Alunos — Herbário SORO - UFSCar
O Eco
Portal Gov.br
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