Dringende Mission zum Thwaites-Gletscher: Daten sammeln zur beschleunigten Eisschmelze
Bearbeitet von: Uliana S.
Eine internationale Forschergruppe, bestehend aus rund 40 Experten, hat Anfang Januar 2026 eine eilige Forschungsreise zum Thwaites-Gletscher angetreten. Dieser Gletscher trägt den beunruhigenden Spitznamen „Doomsday Glacier“ (Gletscher des Jüngsten Gerichts). Die Wissenschaftler verließen Neuseeland an Bord des südkoreanischen Forschungsschiffs „Araon“. Im Zentrum dieser dringenden Mission steht die Erfassung entscheidender Messwerte zur rasanten Zersetzung des Eises, welche eine erhebliche Gefahr für den globalen Meeresspiegel darstellt.
Die Ausdehnung dieses gewaltigen Eisblocks ist vergleichbar mit der Gesamtfläche Großbritanniens. Sollte der Thwaites-Gletscher vollständig kollabieren, würde dies den Meeresspiegel weltweit um mindestens 60 Zentimeter ansteigen lassen. Im schlimmsten denkbaren Szenario könnten die Auswirkungen sogar einen Anstieg von drei bis fünf Metern bedeuten. Bereits heute trägt der Thwaites-Gletscher circa vier Prozent zur gesamten globalen Meeresspiegelanhebung bei. Neue Erkenntnisse aus dem Jahr 2025 belegten eine schneller als prognostizierte Fragmentierung des östlichen Schelfeises, was die Relevanz dieser aktuellen Unternehmung für die Präzisierung zukünftiger Vorhersagen nochmals unterstreicht.
Die Hauptaufgabe der Expedition besteht darin, durch Bohren oder Schmelzen Hunderte von Metern Eis zu durchdringen, um Messinstrumente in der kritischen Zone der Aufsetzlinie zu platzieren. Dies ist jener Punkt, an dem der Gletscher auf den Meeresboden trifft. Diese Sensoren werden kontinuierlich direkte Daten zu Temperatur, Salzgehalt und Strömungsgeschwindigkeiten liefern. Das Team plant, etwa einen Monat unter den extremen antarktischen Bedingungen zu verbringen, wobei sie in einem Bereich arbeiten, in dem sich das Eis mit einer Geschwindigkeit von ungefähr neun Metern pro Tag bewegt.
Um ein detailliertes Bild der Wasserbedingungen unter dem Schelfeis zu erhalten, setzt die Forschungsmannschaft auf mehrere hochentwickelte Technologien. Dazu gehört der ferngesteuerte Unterwasserroboter „Icefin“, der mit CTD-Sensoren (Leitfähigkeit, Temperatur, Tiefe), einem akustischen Doppler-Strömungsprofilierer und einem Mehrstrahl-Echolot ausgestattet ist. Ergänzend dazu werden ozeanische Bojen installiert, die ein ganzjähriges Monitoring gewährleisten sollen. Zur Überwachung der Schmelzrate am Meeresboden kommt zudem ein bodengestütztes phasensensitives Radar (ApRES) zum Einsatz.
Das Internationale Thwaites-Gletscher-Konsortium (ITGC) verfolgt das Ziel, eine klarere Vorstellung von der Entwicklung des Gletschers für die kommenden hundert Jahre zu gewinnen. Denn sein Zusammenbruch könnte eine weitreichende Destabilisierung eines signifikanten Teils des Westantarktischen Eisschildes nach sich ziehen. Die Wissenschaftler sind alarmiert, da warme Meeresströmungen intensiv an der Gletscherbasis nagen und dadurch die Bildung von Rissen und Hohlräumen begünstigen. Forscher der University of California, Irvine, hatten bereits zuvor festgestellt, dass starke Unterwasserwirbel das Eis von unten her intensiv abschmelzen lassen; dieser Mechanismus könnte bis zu 20 Prozent der gesamten subglazialen Schmelze in dieser Region ausmachen. Werden diese Prozesse in den aktuellen Klimamodellen nicht ausreichend berücksichtigt, drohen die realen Risiken unterschätzt zu werden.
Die gewonnenen Informationen werden anschließend in die bestehenden Gletschermodelle eingespeist. Dies ist unerlässlich, um die potenziellen Auswirkungen des Gletschers auf den Meeresspiegel präziser vorhersagen zu können. Solche verlässlichen Prognosen sind von entscheidender Bedeutung für die Planung und den Schutz von Küstengemeinden weltweit, die dem steigenden Wasser direkt ausgesetzt sind.
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Quellen
Izvestia.ru
VICE
SeaNews Turkey
UM Today
Miles O'Brien
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