Kontrollierte digitale Abstinenz steigert Wohlbefinden Jugendlicher signifikant

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Strukturierte digitale Enthaltsamkeit, bekannt als „Digital Detox“, zeigt laut jüngsten psychologischen Forschungsübersichten einen deutlichen positiven Einfluss auf die psychische Verfassung von Jugendlichen. Diese Ergebnisse gewinnen an Relevanz angesichts der Warnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Europa: Im Jahr 2022 wies mehr als jeder zehnte Heranwachsende in Europa Anzeichen eines problematischen Social-Media-Verhaltens auf, wobei Mädchen mit 13 Prozent häufiger betroffen waren als Jungen mit neun Prozent. Die ständige Erreichbarkeit sozialer Netzwerke kann Jugendliche anfällig für sogenannte „Als-ob-Beziehungen“ machen, was die psychische Belastung erhöht.

Quantifizierbare Belege für diesen Zusammenhang lieferte eine randomisierte kontrollierte Studie der Universität für Weiterbildung Krems unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Christoph Pieh. Die teilnehmenden Studenten absolvierten eine dreiwöchige Phase der Telefonabstinenz, die eine Reduktion der täglichen Smartphone-Nutzung auf maximal zwei Stunden vorsah. Die Ergebnisse zeigten eine Steigerung des allgemeinen psychischen Wohlbefindens in dieser Kohorte um 30 Prozent. Ebenso sank die Präsenz depressiver Symptome um 30 Prozent, und die Zufriedenheit mit dem eigenen Körperbild verbesserte sich, insbesondere nach dem Verzicht auf die Nutzung von Instagram.

Die positiven Effekte dieser kurzfristigen digitalen Fastenperioden übertreffen nachweislich die Ergebnisse herkömmlicher Urlaubsunterbrechungen bei der Minderung digitaler Überlastung. Forschende der University of Texas at Austin beobachteten, dass Probanden während solcher Detox-Phasen mehr Zeit in der Offline-Welt verbrachten, indem sie Hobbys nachgingen oder soziale Treffen pflegten, was das Gefühl der Selbstbestimmung stärkte. Eine weitere Beobachtung ist der direkte Zusammenhang zwischen der Reduzierung der Bildschirmzeit am Abend und der Linderung von Schlafstörungen bei Teenagern, was auf eine neurobiologische Beeinflussung durch Licht und Aktivität hindeutet.

Obwohl eine Studie der Donau-Universität Krems explizit zu einer Begrenzung der Nutzung auf unter zwei Stunden täglich rät, legen andere Forschungsergebnisse nahe, dass die Art der Nutzung entscheidender sein kann als die reine Dauer der Bildschirmzeit. Eine kleinere britische Studie der Durham University stellte fest, dass sich positive und negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden bei nur wenigen Tagen Enthaltsamkeit die Waage hielten, ohne deutliche Entzugserscheinungen, jedoch mit hoher Rückfallquote. Unabhängig davon deuten Studien darauf hin, dass der Verzicht auf Smartphones Aktivitätsmuster im Belohnungszentrum des Gehirns verändern kann, was die tiefgreifende neurobiologische Wirkung des digitalen Konsums unterstreicht.

Um diese positiven Entwicklungen zu stabilisieren, ist ein konsistenter, kontrollierter Reduktionsansatz erforderlich, der den Fokus auf reale Interaktionen legt. Ein kritischer Faktor ist die elterliche Regulierung: Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) legen etwa 40 Prozent der Eltern den zeitlichen Umfang der Mediennutzung nicht hinreichend fest. Die Etablierung klarer, im Haushalt verankerter digitaler Nutzungsregeln, gestützt durch eine Vorbildfunktion der Erwachsenen, ist unerlässlich, um nachhaltige Verbesserungen der mentalen Gesundheit Jugendlicher zu gewährleisten.

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Quellen

  • Vienna Online

  • Symposium 2026 | Handy – Sucht, Schreckgespenst oder Geißel unserer Zeit | Sigmund Freud PrivatUniversität Wien

  • Smartphone as a Drug: When the Smartphone Becomes an Addiction - VOL.AT

  • 18th International Conference on Addiction & Psychiatry 2026 in Vienna, Austria

  • Anton Proksch Institut in Wien

  • Smartphone Addiction Statistics 2026: How Bad Is It Now? - XtendedView

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