Zusammenziehen im Alter steigert Zufriedenheit stärker als Heirat, zeigt US-Studie

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Eine Langzeitstudie mit US-Bürgern im Alter zwischen 50 und 95 Jahren belegt, dass das Zusammenziehen mit einem neuen Partner oder einer neuen Partnerin die allgemeine Lebenszufriedenheit in dieser Altersgruppe signifikant erhöht. Die Analyse, die auf Daten der US-amerikanischen Health and Retirement Study (HRS) basiert, untersuchte 2.840 Teilnehmende über längere Zeiträume hinsichtlich depressiver Symptome und Lebenszufriedenheit. Die Forschungsergebnisse wurden von einem internationalen Team um die Psychologin Iris Wahring von der Universität Wien in Zusammenarbeit mit Kollegen der Humboldt-Universität zu Berlin, der University of British Columbia und der Stanford University im International Journal of Behavioral Development veröffentlicht.

Der zentrale Befund der Untersuchung legt nahe, dass die Etablierung einer geteilten Lebenswelt den entscheidenden Faktor für das gesteigerte Wohlbefinden darstellt, und nicht der formelle rechtliche Status der Beziehung. Für bereits in eheähnlichen Gemeinschaften lebende Paare erbrachte die nachträgliche Eheschließung keinen messbaren zusätzlichen positiven Effekt auf das Glücksempfinden. Die Wissenschaftler führen dies darauf zurück, dass der Wohlfühlbonus bereits durch die alltägliche Koexistenz erreicht wird, was eine gesellschaftliche Verschiebung hin zur Akzeptanz nicht-konventioneller Beziehungsformen in Nordamerika widerspiegelt.

Überraschend für die Forschenden war die Beobachtung bezüglich Beziehungsauflösungen in der untersuchten Altersgruppe. Trennungen führten bei den älteren Erwachsenen nicht zu einem statistisch signifikanten Rückgang der Lebenszufriedenheit. Dieses Ergebnis deutet auf eine bemerkenswerte emotionale Widerstandsfähigkeit hin, mit der ältere Menschen Beziehungsabbrüche bewältigen, möglicherweise durch die Nutzung alternativer sozialer Ressourcen. Resilienz im Alter, definiert als die innere Stärke, trotz altersbedingter Veränderungen emotional stabil zu bleiben und sich anzupassen, wird in diesem Kontext als eng mit dem Wohlbefinden verknüpft angesehen.

Die Datenbasis der HRS wird regelmäßig zur Untersuchung gesundheitlicher und sozialer Ungleichheiten in der US-Alterskohorte herangezogen. Obwohl globale Vergleiche Ähnlichkeiten mit europäischen Normen nahelegen, leben ältere US-Amerikaner (46 Prozent) häufiger als der globale Durchschnitt (31 Prozent) als Paar ohne junge Kinder zusammen. Das Zusammenleben mit erweiterten Familienmitgliedern ist in den USA mit nur 6 Prozent deutlich seltener. Diese Forschungsergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Qualität der gelebten Partnerschaft und der sozialen Einbindung im Alter gegenüber traditionellen Konventionen, da die Verschiebung der gesellschaftlichen Akzeptanz des Zusammenlebens ohne Trauschein die relative Wichtigkeit der Ehe für das subjektive Glücksempfinden relativiert hat.

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Quellen

  • Vorarlberg Online

  • Universität Wien

  • BVZ.at

  • HRS in the News | Health and Retirement Study - University of Michigan

  • Universität Wien

  • The Journals of Gerontology - Oxford Academic

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