Sozialpsychologische Ursachen für Aufräumzwang vor Gästebesuchen

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Der verbreitete Drang, die Wohnung vor dem Eintreffen von Besuchern intensiv zu reinigen, basiert auf tief verwurzelten Prinzipien der Sozialpsychologie, wobei das Konzept des „Impression Managements“ eine zentrale Rolle spielt. Dieses Verhalten, das auf die Erzeugung eines vorteilhaften Fremdbildes abzielt, wird durch Phänomene wie den Hawthorne-Effekt verstärkt, bei dem Individuen ihr Handeln anpassen, sobald sie sich beobachtet fühlen. Ursprünglich wurde dieser Effekt in den 1920er Jahren bei Studien in den Hawthorne-Werken der Western Electric Company in Cicero, USA, untersucht, wo allein die Aufmerksamkeit der Forscher zu einer Leistungssteigerung führen konnte.

In der häuslichen Sphäre manifestiert sich diese Beobachtungsbereitschaft in einer erhöhten Reinlichkeit, da sich die Bewohner der impliziten Bewertung ihrer Lebensumstände durch die Gäste bewusst sind. Die wissenschaftliche Forschung belegt, dass Wohnräume als direkte Kommunikatoren für Persönlichkeitsmerkmale, insbesondere für Gewissenhaftigkeit, fungieren, was den inneren Antrieb zur Optimierung der Selbstdarstellung befeuert. Studien legen nahe, dass Menschen mit einem ausgeprägten Ordnungssinn oft als zuverlässiger und vorausschauender wahrgenommen werden. Die LMU München stellt fest, dass bewusste Ordnung Werte wie Selbstkontrolle und Zugehörigkeit kommuniziert.

Gewissenhaftigkeit, eines der fünf großen Persönlichkeitsmerkmale, gilt als relativ stabil. Brent Roberts von Spektrum der Wissenschaft merkt an, dass der Zusammenhang zwischen den Ordnungspräferenzen von Eltern und Kindern gering ist und die Prägung hauptsächlich in der Kindheit und Jugend stattfindet. Unordnung kann bei ordnungsliebenden Menschen innere Unruhe und Stress auslösen, was die Notwendigkeit einer externen Harmonisierung des Umfelds unterstreicht. Psychologisch dient dieses temporäre Aufräumen somit nicht nur dem Impression Management gegenüber den Gästen, sondern auch der internen Regulierung, indem die äußere Umgebung mit dem angestrebten inneren Zustand der Ordnung in Einklang gebracht wird.

Dieses auf externen Auslösern basierende Reinigungsverhalten steht im Kontrast zur autonomen Motivation, welche laut der Selbstbestimmungstheorie (SDT) mit einem höheren Wohlbefinden korreliert. Die SDT, maßgeblich geprägt durch Gagné & Deci (2005), unterscheidet zwischen autonomer und kontrollierter Motivation, wobei letztere durch äußere Umstände oder innere Zwänge angetrieben wird. Während ein sauberes Zuhause das Selbstwertgefühl steigern und Stress reduzieren kann, wie Bavaria Cleaning GmbH in München betont, liegt der Fokus der modernen psychologischen Betrachtung auf der intrinsischen Motivation. Die Universität Heidelberg sieht in der Liebe zur Ordnung einen Ausdruck des Wunsches nach Kontrolle und Selbstwirksamkeit, was die Bewältigung des Alltags erleichtert.

Dennoch wird die Harmonie in Beziehungen oft durch divergierende Ordnungsbedürfnisse gestört. Die bewusste Gestaltung des Wohnraums wird somit zu einem Spiegelbild der persönlichen Identität und des Strebens nach einem kontrollierten, positiven Selbstbild, wobei glückliche Paare lernen, mit diesen unvermeidbaren Differenzen umzugehen.

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Quellen

  • Bunte

  • UT Austin News

  • Explorable.com

  • Helpful Professor

  • APA PsycNet

  • The Daily Texan

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