Forscher enthüllen detaillierteste Karte der antarktischen Untereis-Topografie: 30.000 unentdeckte Hügel identifiziert

Bearbeitet von: Svetlana Velgush

In einer wegweisenden Veröffentlichung im renommierten Fachjournal Science hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern eine topografische Karte präsentiert, die das Relief unter dem massiven Eisschild der Antarktis in einer bisher unerreichten Detailtiefe offenbart. Die Forschungsarbeit basiert auf der Auswertung hochpräziser Satellitendaten und der Anwendung einer innovativen Methode, die als Analyse der Eisfluss-Störungen (Ice-Flow Perturbation Analysis, IFPA) bekannt ist. Dieser technologische Ansatz ermöglichte es, die komplexe geologische Architektur des Kontinents sichtbar zu machen, der unter einer Eisschicht verborgen liegt, die im Durchschnitt 2,1 Kilometer und an ihren dicksten Stellen bis zu 4,8 Kilometer misst. Da der antarktische Eisschild rund 70 Prozent der weltweiten Süßwasserreserven speichert, schließt diese neue Visualisierung kritische Datenlücken, die durch bisherige, räumlich begrenzte Luftaufnahmen und Bodenexpeditionen ungelöst blieben.

Ein herausragendes Ergebnis der Studie ist die Identifizierung von mehr als 30.000 zuvor unbekannten Hügeln, von denen jeder eine Höhe von mindestens 50 Metern über dem umgebenden Gelände erreicht; in spezialisierten Berichten wird die Zahl dieser Formationen sogar mit 71.997 angegeben. Darüber hinaus dokumentierten die Forscher ein gewaltiges, fast 400 Kilometer langes Tal innerhalb des Maud-Subglazialbeckens. Diese geologischen Formationen, die nun auf der Karte verzeichnet sind, entstanden vor mehr als 34 Millionen Jahren – eine Ära, bevor der Kontinent vollständig von seinem Eispanzer umschlossen wurde. Die angewandte IFPA-Methodik analysiert dabei feinste Schwankungen in der Oberflächentopografie und der Fließgeschwindigkeit des Eises. Dies erlaubt es den Wissenschaftlern, die Form des Untergrunds präzise zu rekonstruieren, da Unregelmäßigkeiten an der Basis des Eises dessen Bewegung und Oberflächenstruktur auf charakteristische Weise beeinflussen.

Professor Robert Bingham, ein führender Glaziologe an der Universität Edinburgh und Mitleiter der Untersuchung, hob hervor, dass eine exakte Kartierung des antarktischen Felsbettes für numerische Klimasimulationen von entscheidender Bedeutung ist. Die Entdeckung eines derart zerklüfteten Reliefs, das von spitzen Hügeln und Gebirgsketten geprägt ist, stützt die wissenschaftliche Annahme, dass solche topografischen Barrieren den Rückzug des Eises durch erhöhte Reibungswiderstände verlangsamen können. Die Dringlichkeit dieser Erkenntnisse wird durch die aktuelle klimatische Entwicklung verdeutlicht: Im Jahr 2025 erreichten die globalen Meeresspiegel neue Rekordmarken, was die Notwendigkeit präziserer Klimamodelle und Prognosen massiv erhöht. Trotz einer zeitweiligen Abkühlung der Meeresoberfläche durch den Übergang von El Niño zu La Niña verzeichneten die Weltmeere im Jahr 2025 zudem einen historischen Höchststand bei der gespeicherten thermischen Energie.

Diese neue Karte, die einen Blick auf die letzte große unerschlossene Grenze unseres Planeten wirft, liefert fundamentale Referenzdaten, um das zukünftige Verhalten des Eisschildes besser einschätzen zu können. Die identifizierten Merkmale, wie etwa steile Kanäle, die auf einstige Gebirgsentwässerungssysteme hindeuten, sowie tiefe U-förmige Täler, bieten wertvolle Einblicke in die Beschaffenheit der Antarktis vor ihrer Vereisung. Wissenschaftler wie Helen Ockenden von der Universität Grenoble-Alpes betonten, dass diese Informationen es ermöglichen, die physikalischen Prozesse unter dem Eis mit einer völlig neuen Klarheit zu erfassen. Es wird erwartet, dass diese Resultate die Genauigkeit von Prognosen bezüglich der Eisschmelze und des daraus resultierenden Anstiegs des Weltmeerspiegels signifikant verbessern – eine der zentralen Herausforderungen der zeitgenössischen Glaziologie und Klimaforschung.

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Quellen

  • Daily Times

  • DAWN.COM

  • Grand Pinnacle Tribune

  • British Antarctic Survey

  • EurekAlert!

  • Space.com

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