EU und Bolivien starten umfassende Partnerschaft für Sicherheit, Klima und Energie

Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich

Am Donnerstag, den 5. Februar 2026, empfing die bolivianische Metropole La Paz eine hochrangige Delegation der Europäischen Union, was einen entscheidenden Wendepunkt in den bilateralen Beziehungen markiert. Die Mission, die aus rund 70 Vertretern bestand – darunter hochrangige Beamte der Europäischen Kommission, Experten der Europäischen Investitionsbank (EIB) sowie führende Wirtschaftsvertreter –, unterstrich das feste Vorhaben, Bolivien durch signifikante finanzielle Mittel in drei strategischen Kernbereichen zu unterstützen: dem Kampf gegen den illegalen Drogenhandel, der Bewältigung der Klimafolgen sowie der massiven Förderung erneuerbarer Energien.

Dieser diplomatische Besuch fällt in eine Zeit der tiefgreifenden politischen und wirtschaftlichen Neuausrichtung Boliviens, die mit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Paz im November 2025 eingeleitet wurde. Damit endete eine zwei Jahrzehnte währende Ära sozialistischer Regierungen, die ihre außenpolitischen Prioritäten vor allem auf Allianzen mit China, Russland, Kuba und Venezuela gesetzt hatten. Als erste konkrete finanzielle Zusage stellt die EU 11 Millionen Euro für Umweltschutzmaßnahmen, Klimaanpassung und die Förderung alternativer Nutzpflanzen bereit, um die Abhängigkeit vom Kokaanbau zu verringern. Weitere 3 Millionen Euro sind spezifisch für die Intensivierung von Anti-Drogen-Operationen reserviert.

Im Bereich der sauberen Energien engagieren sich die EU und die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (BMZ) im Rahmen des Programms EU4ProTransición mit einer Summe von 9 Millionen Euro. Dieser Fokus auf alternative Energiequellen ist ein integraler Bestandteil der nationalen Energiewendestrategie Boliviens. Laut dem Minister für Kohlenwasserstoffe und Energie, Alejandro Baldivieso, verfolgt das Land das ehrgeizige Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien am nationalen Strommix von derzeit 33 % bis zum Jahr 2033 auf beeindruckende 65 % zu steigern.

Ein zentraler Aspekt der Gespräche war zudem die Integration Boliviens in die globalen Lieferketten für kritische Rohstoffe, wobei insbesondere das Lithium im Mittelpunkt stand. Die Europäische Investitionsbank unterbreitete einen Vorschlag für ein Großprojekt im Wert von etwa 200 Millionen Euro, das primär für den Bau moderner Solarkraftwerke im Land vorgesehen ist. Diese Initiative verdeutlicht das Bestreben der EU, langfristige und strategisch bedeutsame Infrastrukturinvestitionen zu tätigen. Bolivien, das über die weltweit größten Lithiumvorkommen von geschätzten 23 Millionen Tonnen verfügt, strebt eine führende Rolle auf dem Weltmarkt an, was auch durch die Teilnahme am Ministertreffen für kritische Mineralien 2026 in den USA untermauert wurde.

Pelayo Castro, Direktor für Amerika beim Europäischen Auswärtigen Dienst, bezeichnete den Besuch als historisch und betonte, dass sich die Europäische Union dem bolivianischen Volk in dieser neuen politischen Ära öffne. Diese Annäherung findet vor dem Hintergrund statt, dass Bolivien nicht Teil des im Januar 2026 unterzeichneten Abkommens zwischen dem MERCOSUR und der EU war. Gleichzeitig treibt das Land die Erschließung seiner Lithiumvorkommen weiter voran und greift dabei auch auf Investitionen russischer und chinesischer Partner zurück, um Lagerstätten wie Pastos Grandes, Uyuni und Coipasa technologisch zu erschließen.

Die bolivianische Regierung unter Rodrigo Paz strebt nach zwei Jahrzehnten einer staatszentrierten Wirtschaftspolitik nun marktwirtschaftliche Reformen an und versucht dabei, eine diplomatische Balance zwischen westlichen und östlichen Partnern zu finden. Das Gesamtvolumen der unmittelbar angekündigten und vorgeschlagenen finanziellen Unterstützung, einschließlich der potenziellen 200 Millionen Euro der EIB, beläuft sich auf über 220 Millionen Euro. Diese Kooperation, die Sicherheit, Klimaschutz und Energiesouveränität umfasst, positioniert Bolivien als einen Schlüsselpartner innerhalb der neuen geökonomischen Dynamik Südamerikas.

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Quellen

  • Folha - PE

  • Folha PE

  • BNamericas

  • EFE

  • ABI

  • La Nación

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