Die veröffentlichten Dateien bestätigen eine unerklärliche orangefarbene Gestalt in der Nähe des Epstein-Wohnkomplexes, was den Behauptungen widerspricht, dass niemand dieses Gebiet betreten hat.
Kürzlich freigegebene Dokumente des US-Justizministeriums haben das Augenmerk erneut auf eine rätselhafte orangefarbene Gestalt gelenkt. Diese wurde in der Nacht von Jeffrey Epsteins Tod im August 2019 von Überwachungskameras in der Nähe seiner Zelle erfasst. Die Aufzeichnung stammt exakt vom 9. August 2019 um etwa 22:39 Uhr aus dem Metropolitan Correctional Center (MCC) in New York. Diese brisanten Informationen wurden Ende Januar 2026 im Rahmen einer massiven Veröffentlichung publik gemacht. Die Enthüllungen basieren auf dem Epstein Files Transparency Act, der ein neues Licht auf die letzten Stunden des prominenten Häftlings wirft.
Den offiziellen Beobachtungsprotokollen zufolge schien es sich bei der Gestalt um einen Insassen zu handeln, der die Treppe des L-Trakts hinaufgeführt wurde – jenem Bereich der Sondereinheit (SHU), in dem Epstein untergebracht war. Ermöglicht wurde die Freigabe dieser Daten durch ein Gesetz, das Präsident Trump am 19. November 2025 unterzeichnete. Diese Gesetzgebung verpflichtete das Justizministerium (DOJ) zur Deklassifizierung gewaltiger Mengen an Ermittlungsmaterial. Insgesamt wurden über 3 Millionen Dokumentenseiten, 2.000 Videos und 180.000 Bilder veröffentlicht, wobei die letzte Tranche am 30. Januar 2026 bereitgestellt wurde.
Erste Bewertungen des Videomaterials durch das FBI und das Büro des Generalinspektors (OIG) führten zu widersprüchlichen Ergebnissen bezüglich der Identität der Person. Ein internes Memorandum des FBI beschrieb das körnige Bild ursprünglich als möglicherweise einen Insassen. Dieses Detail fehlte jedoch auffälligerweise im abschließenden Untersuchungsbericht des OIG aus dem Jahr 2023. Stattdessen vertrat das OIG die Ansicht, dass es sich bei dem bewegten Objekt um einen Justizvollzugsbeamten handelte, der Bettwäsche oder Leinen die Treppe hinaufschleppte, und nicht um eine Person in Gefängniskluft.
Der OIG-Bericht legte zudem eine Reihe von systemischen Versäumnissen innerhalb der SHU offen. So versäumte es das Personal, die vorgeschriebenen 30-minütigen Kontrollgänge nach 22:40 Uhr am 9. August durchzuführen. Darüber hinaus gab es nach 16:00 Uhr an diesem Tag keine formellen Zählungen der Gefangenen mehr. Spätere Protokolle und Patrouillenaufzeichnungen stellten sich als vom Personal gefälscht heraus. Diese Erkenntnisse stehen im krassen Widerspruch zu früheren öffentlichen Zusicherungen des damaligen Justizministers William Barr. Dieser hatte behauptet, seine persönliche Prüfung der Bänder habe bestätigt, dass in der Todesnacht niemand den Trakt betreten habe.
Eine unabhängige Analyse des Videos durch CBS News verdeutlichte erhebliche Einschränkungen bei der Überwachung. Der Kamerawinkel bot keine freie Sicht auf den Eingang zu Epsteins spezifischem Zellenblock, und die zum Bereich führende Treppe lag fast vollständig außerhalb des Sichtfeldes. Trotz dieser Lücken argumentierten forensische Videoexperten, dass die Bewegungsmuster eher einem Individuum in einer standardmäßigen orangefarbenen Gefängnisuniform entsprachen. Dennoch hielt der gemeinsame Bericht von OIG und FBI vom Juni 2023 an der Feststellung fest, dass Epsteins Tod ein Suizid war, und fand trotz der zahlreichen operativen Mängel im MCC New York keine Beweise für kriminelle Aktivitäten.
Der zeitliche Ablauf bleibt ein zentraler Punkt der Untersuchungen. Während die orangefarbene Gestalt um 22:39 Uhr aufgezeichnet wurde, entdeckte man Epsteins Leichnam erst am 10. August 2019 gegen 6:30 Uhr morgens. Die Entdeckung machten die Vollzugsbeamten Tova Noel und Michael Thomas, als sie ihre Runde zur Frühstücksausgabe drehten. Diese neu veröffentlichten Details befeuern weiterhin die öffentliche Debatte über die Umstände des Todes des Finanziers. Sie unterstreichen die deutlichen Diskrepanzen zwischen den offiziellen Darstellungen und den tatsächlich aufgezeichneten Beweisen.