ESA-Mission Proba-3 misst außergewöhnlich hohe Geschwindigkeiten des langsamen Sonnenwinds

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Erste wissenschaftliche Daten der Proba-3-Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) stellen bestehende Modelle zur Entstehung des Sonnenwinds infrage. Das zentrale Ergebnis der im März 2026 in den „The Astrophysical Journal Letters“ veröffentlichten Studie besagt, dass Böen des langsamen Sonnenwinds in der inneren Korona der Sonne Geschwindigkeiten erreichen, die theoretische Vorhersagen deutlich übertreffen.

Die im Dezember 2024 mit einer PSLV-XL-Rakete der ISRO gestartete Mission Proba-3 nutzt modernste Technologie für präzise Formationsflüge, um künstliche Sonnenfinsternisse zu erzeugen. Dieses Verfahren ermöglicht Beobachtungen der inneren Korona – eines Bereichs, der normalerweise durch das gleißende Licht der Sonnenscheibe verdeckt wird. Zentrale Daten der ESA belegen, dass der langsame Sonnenwind, von dem man bisher annahm, dass er sich nahe der Sonnenoberfläche mit etwa 100 Kilometern pro Sekunde bewegt, Geschwindigkeiten von bis zu 480 Kilometern pro Sekunde erreichte. Diese gemessenen Werte liegen um das Drei- bis Vierfache über den Prognosen und nähern sich damit den Geschwindigkeiten des schnellen Sonnenwinds an.

Andrei Zhukov, Sonnenphysiker an der Königlichen Sternwarte von Belgien und Hauptautor der Studie, bestätigte, dass sich diese Plasmaböen wesentlich schneller als erwartet bewegten. Joe Zender, Projektwissenschaftler für Proba-3 bei der ESA, merkte an, dass bereits der erste Datensatz Geschwindigkeiten und Beschleunigungen des Sonnenwinds in Sonnennähe aufzeigte, die für Überraschung sorgten. Die Technologiedemonstration Proba-3 besteht aus zwei Satelliten – dem Coronagraph (CSC) und dem Occulter (OSC) –, die in einem Abstand von etwa 150 Metern mit millimetergenauer Präzision fliegen. Seit Juli 2025 hat die Sonde 57 künstliche Finsternisse simuliert und dabei mehr als 250 Stunden hochauflösendes Videomaterial gesammelt, was etwa 5.000 bodengestützten Beobachtungskampagnen entspricht.

Die festgestellte Abweichung zwischen den gemessenen und den erwarteten Windgeschwindigkeiten stellt aktuelle Theorien zu den Mechanismen der Koronaaufheizung infrage, die offenbar energiereicher ablaufen als bislang vermutet. Die Geschwindigkeit des Sonnenwinds ist eng mit dem Rätsel der Koronaaufheizung verknüpft, bei der Temperaturen von bis zu einer Million Grad Celsius erreicht werden. Ein schnellerer langsamer Wind als erwartet erschwert zudem die Vorhersage des Weltraumwetters, das Auswirkungen auf terrestrische Stromnetze und die Satellitenkommunikation haben kann. Die Proba-3-Mission, die während der aktiven Phase des 25. Sonnenzyklus operiert, schließt eine kritische Lücke in den Beobachtungen der inneren Korona und ergänzt damit die Daten von Sonden wie dem Parker Solar Probe der NASA und dem Solar Orbiter der ESA.

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Quellen

  • Space.com

  • Space

  • Proba-3's First Results Are Already Rewriting What We Thought We Knew About Solar Wind

  • ESA - First Proba-3 science: surprisingly speedy solar wind - European Space Agency

  • Proba-3 reveals a surprise in the Sun's corona: the “slow” solar wind near the Sun races much faster than previously thought - Karlobag.eu

  • Proba-3 | SIDC - Solar Influences Data Analysis Center

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