Theoretisches Modell verknüpft Sonnenstürme mit der Auslösung von Erdbeben

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Forscher schlagen ein Modell vor, dem zufolge Störungen in der Ionosphäre, verursacht durch die Sonnenaktivität, unter bestimmten Bedingungen Auswirkungen auf empfindliche Bereiche der Erdkruste haben können.

Eine im Februar 2026 im „International Journal of Plasma Environmental Science and Technology“ veröffentlichte theoretische Studie stellt einen neuen physikalischen Mechanismus vor, der einen Zusammenhang zwischen intensiven Sonnenereignissen und dem exakten Zeitpunkt seismischer Ereignisse auf der Erde nahelegt. Die Arbeit der Universität Kyoto unter der Leitung des Hauptautors Ken Umeno konzentriert sich dabei nicht auf den Aufbau tektonischer Spannungen, sondern auf einen Faktor, der als „letzter Anstoß“ für bereits kritisch belastete geologische Strukturen dienen könnte.

Das vorgeschlagene Modell postuliert, dass starke solare Störungen Deformationen in der Ionosphäre des Planeten verursachen. Diese ionosphärischen Veränderungen erzeugen wiederum elektrische Felder, die über einen kapazitiven Kopplungsmechanismus in tiefe Klüfte der Erdkruste eindringen. Ein Schlüsselelement der Hypothese sind geologische Verwerfungen, die überkritisches Wasser enthalten und als natürliche elektrische Kondensatoren fungieren.

Die Übertragung elektrischer Ladung aus der Ionosphäre erhöht den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge den elektrostatischen Druck innerhalb dieser krustalen „Kondensatoren“. Die Größenordnung dieses Drucks ist mit der Wirkung von Gezeitenkräften vergleichbar, was theoretisch ausreichen könnte, um die Festigkeitsschwelle zu überschreiten und einen Bruch auszulösen. Der Autor Ken Umeno betont, dass sich die Untersuchung ausschließlich auf den zeitlichen Aspekt der Auslösung bezieht und nicht auf die langfristige Vorhersage oder die Entstehung der tektonischen Spannung selbst.

Als anschauliches Beispiel nannten die Forscher die zeitliche Übereinstimmung zwischen einem starken Sonnenausbruch und dem Erdbeben auf der japanischen Noto-Halbinsel im Jahr 2024. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass eine Korrelation keinen direkten kausalen Effekt beweist und dieser Zusammenfall weiterer Untersuchungen bedarf. Die Schwierigkeit einer empirischen Überprüfung der Hypothese liegt in der Problematik begründet, die Parameter des Wassers in Mikroklüften sowie die Stabilität der Dielektrizitätskonstante der Erdkruste unter realen Bedingungen exakt zu bestimmen.

Diese theoretische Arbeit liefert einen konkreten physikalischen Mechanismus, der innerhalb bereits bestehender kritischer Bedingungen in Verwerfungszonen ansetzt und damit neue Perspektiven für das Verständnis komplexer Wechselwirkungen in den natürlichen Systemen des Planeten eröffnet. Zur Untermauerung des Konzepts ist geplant, Weltraumwetterdaten mit den Ergebnissen hochpräziser Ionosphären-Tomographie zu integrieren.

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Quellen

  • okdiario.com

  • SciTechDaily

  • Tiempo.com

  • ScienceDaily

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