Flaschenpost aus Drake-Passage liefert Daten zum Antarktischen Zirkumpolarstrom
Bearbeitet von: Tetiana Martynovska 17
Eine im Februar 2023 von dem deutschen Geologen Johann Klages in der Drake-Passage freigegebene Flaschenpost wurde im August 2025 intakt an der Westküste Tasmaniens geborgen. Die Reise des Behälters legte eine Strecke von über 15.000 Kilometern zurück, vermutlich innerhalb von maximal 900 Tagen, und liefert damit wertvolle empirische Daten zur Dynamik des Antarktischen Zirkumpolarstroms (ACC), des größten Strömungssystems der Welt.
Klages, Meeresgeologe am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), setzte die Flaschenpost während der Rückkehr von einer Forschungsfahrt auf dem Expeditionsschiff Polarstern nördlich des 60. Breitengrades aus. Die AWI-Wissenschaftler führen dort interdisziplinäre Studien zu Eis, Ozean und Meeresboden durch. Die unerwartete Entdeckung an der tasmanischen Küstenlinie erfolgte durch Toby Ray, einen Mitarbeiter des Australian Central Coast Council. Die wissenschaftliche Bedeutung dieser Bergung liegt in der geschätzten Distanz und der relativ kurzen Zeitspanne, die das Objekt für die Überquerung benötigte.
Die Drake-Passage, die den Atlantischen und den Pazifischen Ozean verbindet, gilt als kritischer Engpass des ACC und ist zentral für die globale Ozeanzirkulation und das Klima. Die Strömungsgeschwindigkeit des ACC kann in bestimmten Bereichen bis zu 2 Knoten oder 3,7 km pro Stunde erreichen, wobei der mittlere Transport auf 137 ± 7 Sverdrups geschätzt wird. Die Passage, benannt nach Sir Francis Drake, ist geographisch eng, nur etwa 700 bis 800 Kilometer breit, was als Beschleunigungsdüse für den Strom wirkt und zu den dort herrschenden rauen See- und Wetterbedingungen beiträgt. Die Wassertiefen von teils über 4.800 Metern ermöglichen einen weitgehend ungehinderten zonalen Wasserfluss um die Antarktis, was essenziell für die thermische Isolierung des Kontinents ist.
Ein Ozeanograph aus Tasmanien plant nun, die exakte Bahn des Flaschenpost-Transports vom ACC bis zur Küste mittels Modellierung zu rekonstruieren. Diese Analyse soll detaillierte Einblicke in die Verzweigungen und die Geschwindigkeit des ACC in den südlichen Gewässern geben, insbesondere wie das Wasser aus dem Drake-Passage-Bereich in den Indischen und Pazifischen Ozean gelangt. Die Forschung zum ACC ist global relevant, da diese Strömung den Austausch von Wärme und Kohlenstoff zwischen den Ozeanbecken steuert und somit das globale Klimasystem beeinflusst. Die Tatsache, dass ein einfaches Objekt diese hydrodynamischen Kräfte über eine derart weite Distanz überlebt hat, bietet eine seltene physische Verankerung für theoretische Modelle, die auch moderne Technologien wie Argo-Flöße und Satellitenmessungen nutzen.
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Quellen
Dnevnik
Message in a bottle from German geologist found after more than two years near Tasmania
Message in a bottle circumnavigates two thirds of the Antarctic continent - Alfred-Wegener-Institut
Braving the Drake Passage with Thomas Ronge - Traveling Geologist
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