Psychologische Analyse: Maskierte Angst hinter Tugenden wie Freundlichkeit und Perfektionismus

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Die moderne Psychologie untersucht zunehmend die paradoxe Natur psychischer Belastungen, bei denen tief sitzende Angst und Stress durch sozial hoch bewertete Persönlichkeitsmerkmale überdeckt werden. Diese Maskierung erschwert die frühzeitige Erkennung und Intervention, da nach außen hin häufig ein Bild von Stärke und Zuverlässigkeit vermittelt wird. Die Psychologin Ángela Fernández hat in jüngsten Analysen, die auch über digitale Plattformen wie TikTok verbreitet wurden, drei spezifische Persönlichkeitsfacetten identifiziert, die bei Personen mit unentdeckten Angststörungen auftreten können. Diese Beobachtungen verlagern den Fokus von rein emotionalen oder biologischen Erklärungsmodellen hin zu einer bewussten Selbstreflexion über erlernte Verhaltensmuster, was als fundamentaler Schritt im Management der mentalen Gesundheit gilt.

Eines der zentralen Merkmale ist die exzessive Selbstforderung, die sich oft als Perfektionismus manifestiert. Personen, die unter diesem Zwang leiden, setzen sich extrem hohe, oft unerreichbare Standards und streben unermüdlich nach Fehlerlosigkeit, wobei sie kleinste Abweichungen als persönliches Scheitern interpretieren. Experten weisen darauf hin, dass dieser Perfektionismus häufig in der Kindheit wurzelt, wo Leistung direkt mit Anerkennung verknüpft wurde, was die Motivation in eine ständige, lähmende Bürde verwandelt. Die Folge ist eine hohe mentale Starrheit und ein immenser innerer Druck, da die Angst vor Ablehnung oder dem Gefühl, nicht zu genügen, die Handlungen dominiert. Zur Entgegenwirkung dieser destruktiven Selbstkritik empfehlen Fachleute die gezielte Schulung der Flexibilität und die aktive Akzeptanz von Unvollkommenheit.

Ein weiteres auffälliges Muster ist die übersteigerte Freundlichkeit oder Komplizenschaft. Dieses Verhalten äußert sich darin, dass Betroffene die Bedürfnisse anderer systematisch über die eigenen stellen, was zu einer chronischen Unfähigkeit führt, klare persönliche Grenzen zu ziehen. Die ständige Verfügbarkeit und die Tendenz, Konflikte zu vermeiden oder Schuldgefühle zu umgehen, führen unweigerlich zu emotionaler Überlastung und Selbstvernachlässigung. Die Psychologin Fernández betont, dass diese extreme Form der Güte, obwohl gut gemeint, ein stiller Faktor für Erschöpfung sein kann. Ein entscheidender Schritt zur Wiederherstellung des emotionalen Gleichgewichts liegt hier im Erlernen des 'Nein'-Sagens ohne das Gefühl der Verpflichtung oder der Schuld, was einen bewussten Akt des Selbstschutzes darstellt.

Der dritte von Fernández beschriebene Zug ist die hohe emotionale Reaktivität, die im klinischen Kontext oft als Neurotizismus bezeichnet wird. Menschen mit dieser Veranlagung erleben negative Emotionen mit überdurchschnittlicher Intensität und reagieren auf geringfügige Störungen oder Rückschläge mit starken emotionalen Ausschlägen. Während Angst als evolutionäres Warnsignal nützlich ist und Stresshormone zur Konzentrationssteigerung freisetzen kann, kann ein unkontrollierter oder chronischer Zustand dieser Reaktivität die Leistungsfähigkeit mindern. Die Bewältigung dieser Sensibilität erfordert die Kultivierung von beruhigenden Routinen und die Entwicklung von Selbstmitgefühl zur Regulierung des überempfindlichen Nervensystems.

Die gesellschaftliche Wahrnehmung dieser Eigenschaften ist oft irreführend; Perfektionismus wird als Ehrgeiz und übermäßige Freundlichkeit als Altruismus gefeiert, was die innere Not verschleiert. Laut Daten des AXA Mental Health Reports leiden in Spanien 23 Prozent der Bevölkerung unter Angstproblemen, was die Relevanz der Früherkennung unterstreicht. Eine tiefere Auseinandersetzung mit diesen verborgenen Mustern ermöglicht es Individuen, die Kontrolle über ihre emotionale Regulation zurückzugewinnen und die Ursachen ihrer Belastung umfassend zu adressieren, anstatt nur die sichtbaren Symptome zu behandeln.

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Quellen

  • HERALDO

  • El Confidencial

  • ElMon

  • Men's Health

  • AS.com - Diario AS

  • Lecturas

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