Symbolspiel mit Puppen fördert soziale Kognition stärker als digitale Interaktion

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Aktuelle psychologische Forschungsergebnisse belegen, dass das symbolische Spiel mit traditionellen Puppen die Entwicklung der emotionalen Sprache und des sozialen Denkens bei Kindern signifikant fördert, insbesondere im Vergleich zur Beschäftigung mit digitalen Geräten wie Tablets. Studien mittels Neuroimaging lieferten eine neurologische Grundlage für diese Beobachtung, indem sie eine erhöhte Aktivität in Hirnregionen nachwiesen, die für die soziale Verarbeitung und Empathie zuständig sind. Konkret zeigte sich eine gesteigerte Aktivierung des posterioren Sulcus temporalis superior (pSTS) während des Puppenspiels, einer Region, die mit der Fähigkeit zur Reflexion über die Gedanken und Gefühle anderer assoziiert wird.

Die quantitative Analyse der Spielmuster belegt einen klaren Vorsprung für das analoge Spiel: 82 Prozent der teilnehmenden Kinder setzten emotionale Sprache ein, während sie mit Puppen hantierten, wohingegen dieser Anteil bei der Interaktion mit Tablets auf 64 Prozent sank. Diese Beobachtung unterstreicht, dass die narrative Struktur des Puppenspiels Kinder dazu anregt, ihre innere Welt zu projizieren und soziale Dynamiken zu simulieren. Die Fähigkeit, über den inneren Zustand anderer zu sprechen, bekannt als „Internal State Language“ (ISL), wird durch dieses Spiel gestärkt und wirkt sich positiv auf die emotionale Entwicklung aus.

Aus klinischer Sicht bietet diese Spielform Kindern einen essenziellen Raum, um interne Konflikte zu artikulieren und soziale Rollen zu üben, was für die Entwicklung der emotionalen Regulation von fundamentaler Bedeutung ist. Experten betonen, dass der in Puppenszenarien inhärente strukturierte Dialog Kindern hilft, Gefühle zu verbalisieren und Erlebnisse zu ordnen. Dieses prozessuale Lernen ermöglicht es Kindern, beobachtete oder erlebte negative Dynamiken symbolisch zu „reparieren“ und Lösungswege auf einer abstrakten Ebene zu finden.

Die historische Entwicklung des therapeutischen Puppenspiels, basierend auf den Ideen des Psychodramas von Jacob L. Moreno (1892–1974), etablierte diese Methode seit den 1920er Jahren in den USA und später in Europa als gezieltes pädagogisches Hilfsmittel. Puppen dienen dabei als Projektionsfläche für das Ungesagte, wodurch sie den Zugang zu sich selbst und anderen erleichtern. Die Möglichkeit, durch das „Hineinschlüpfen“ in die Figur einen Stellvertreter im Spiel zu haben, erleichtert das Ausprobieren neuer Verhaltensweisen.

Forscher warnen vor den negativen Auswirkungen exzessiver Bildschirmzeit, da diese die direkte Interaktion mit Eltern und Gleichaltrigen reduziert und somit die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen beeinträchtigen kann. Beispielsweise wurde festgestellt, dass bei alleiniger Tablet-Nutzung die Aktivierung des pSTS-Areals deutlich geringer war als beim Puppenspiel, selbst wenn die digitalen Spiele kreative Elemente enthielten. Die Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, imaginative, nicht-digitale Spielformen in der frühen Kindesentwicklung zu priorisieren, da das Puppenspiel die geteilte Intentionalität und die Fähigkeit zur Perspektivübernahme fördert.

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Quellen

  • EL PAÍS

  • Mamas & Papas

  • Instituto Europeo de Salud Mental Perinatal

  • Fnac

  • Tamara Chubarovsky

  • Nerea Baztán Barbería - MundoPsicologos.com

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