Neustart der britisch-chinesischen Beziehungen: Keir Starmer trifft Xi Jinping in der Großen Halle des Volkes
Bearbeitet von: Svetlana Velgush
In der chinesischen Hauptstadt Peking vollzieht sich derzeit ein diplomatisches Ereignis von erheblicher historischer Tragweite. Der britische Premierminister Keir Starmer ist zu einem offiziellen Staatsbesuch eingetroffen, was die erste Reise eines Regierungschefs des Vereinigten Königreichs nach China seit dem Jahr 2018 markiert. Damals besuchte Theresa May die Volksrepublik, und nach einer achtjährigen Phase diplomatischer Distanz signalisiert dieser Besuch nun eine signifikante Neuausrichtung der britischen Außenpolitik gegenüber der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.
Das zentrale Treffen zwischen Starmer und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping fand in der prestigeträchtigen Großen Halle des Volkes statt. Die intensiven Verhandlungen erstreckten sich über einen Zeitraum von etwa 80 Minuten und wurden durch ein anschließendes gemeinsames Arbeitsessen ergänzt. Dieser zeitliche Rahmen und das protokollarische Setting unterstreichen die Bedeutung, die beide Nationen der Wiederaufnahme eines direkten Dialogs auf höchster Ebene beimessen, um die bilateralen Spannungen der letzten Jahre schrittweise abzubauen.
Während der Gespräche im Haus der Volkskongresse betonte Premierminister Starmer das Ziel, die bilateralen Beziehungen zu stabilisieren und sie wieder in ein „gutes, starkes Fahrwasser“ zu lenken, nachdem das Verhältnis zuvor von erheblicher Instabilität geprägt war. Präsident Xi Jinping räumte in seiner Stellungnahme ein, dass die Verbindung in der Vergangenheit durchaus von „Windungen und Wendungen“ gezeichnet war. Dennoch signalisierte das chinesische Staatsoberhaupt eine klare Bereitschaft zur Formung einer „langfristigen und beständigen strategischen Partnerschaft“, was als deutliches Signal für eine angestrebte Entspannung gewertet wird.
Ein wesentlicher Erfolg der Zusammenkunft liegt in den Fortschritten bei Handels- und Migrationsfragen. Im wirtschaftlichen Bereich konnten Durchbrüche bei der Senkung von Importzöllen für schottischen Whisky erzielt werden. Dies ist für die britischen Exporteure von immenser Bedeutung, insbesondere da die Branche für das Jahr 2026 mit einer drohenden Überproduktion konfrontiert ist. Parallel dazu wurde die Einführung einer einseitigen Visafreiheit für britische Staatsbürger erörtert. Peking bestätigte, diese Maßnahme aktiv zu prüfen, die derzeit bereits für Bürger aus 45 Ländern gilt und vorerst bis zum 31. Dezember 2026 befristet ist.
Darüber hinaus verständigten sich beide Seiten auf eine engere Kooperation bei der Bekämpfung der irregulären Migration. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Unterbindung von Lieferketten aus China für Komponenten von Kleingeboten, die häufig für illegale Überfahrten genutzt werden. Die Relevanz dieses Themas wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass über 60 % der im vergangenen Jahr beschlagnahmten Bootsmotoren chinesischen Ursprungs waren. Der Besuch Starmers, der auch eine Visite in der Wirtschaftsmetropole Shanghai umfasst, soll zudem das Fundament für eine verstärkte Zusammenarbeit in den Schwerpunktsektoren der Labour-Regierung legen, namentlich in der grünen Energie, der Pharmazie und den Finanzdienstleistungen.
Trotz der Fokussierung auf wirtschaftliche Synergien sparte Starmer auch politisch sensible Themen nicht aus. Er thematisierte explizit den Fall des britisch-hongkongischen Medienunternehmers Jimmy Lai, der im Dezember 2025 wegen angeblicher Verbrechen gegen die nationale Sicherheit verurteilt worden war. Der Premierminister beschrieb den Austausch über diese komplexe Angelegenheit als „respektvoll“ und verfolgte damit einen pragmatischen diplomatischen Kurs. Angesichts der gegenwärtigen globalen Instabilität sieht Starmer für das Vereinigte Königreich einen klaren strategischen Vorteil darin, eine berechenbare und stabile Beziehung zu Peking aufzubauen.
Offizielle Vertreter der Volksrepublik China, vertreten durch den Sprecher des Außenministeriums Guo Jiakun, hoben hervor, dass Peking den Besuch als Chance zur Stärkung des politischen gegenseitigen Verständnisses betrachtet, zumal beide Staaten ständige Mitglieder im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sind. Ungeachtet innenpolitischer Bedenken in London setzt die britische Regierung ihren Kurs zur Wiederbelebung der Handels- und Investitionsbeziehungen fort, was unter anderem durch die jüngste Genehmigung für den Bau einer großflächigen chinesischen Botschaft in London untermauert wird. Dieser Besuch zementiert den Beginn einer neuen Phase in den britisch-chinesischen Beziehungen, die maßgeblich von wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit und strategischem Pragmatismus geleitet wird.
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Quellen
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BBC News
The Hindu
The Japan Times
Aberdeen & Grampian Chamber of Commerce
Global Times
China Daily
China-U.S. Trade: Lessons for 2026 - He Weiwen
Trump 2.0 at One Year: What US–China Relations Could Look Like in 2026
MOFCOM addresses question of whether China allows ByteDance to grant algorithm localization license to TikTok US joint venture - Global Times
The Economic Times
Global Times
Mondaq
hellenicshippingnews
Lange Steel
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