EU und Australien finalisieren Handelsabkommen nach achtjährigen Verhandlungen
Bearbeitet von: Svetlana Velhush
Die Europäische Union und Australien haben am 24. März 2026 in Canberra die Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen (FTA) nach achtjährigen Beratungen abgeschlossen. Die Einigung wurde von der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und dem australischen Premierminister Anthony Albanese bekannt gegeben.
Dieses wirtschaftliche Rahmenwerk zielt darauf ab, den Handel zu diversifizieren und die Widerstandsfähigkeit globaler Lieferketten zu stärken. Die EU bekräftigte damit ihr Bekenntnis zu offenen Märkten angesichts weltweiter protektionistischer Tendenzen. Konkret sieht das FTA eine weitreichende Zollsenkung vor: Bei vollständiger Umsetzung werden über 99 Prozent der Zölle auf EU-Exporte nach Australien und 98 Prozent der Zölle auf australische Güter in die EU eliminiert. Die EU prognostiziert, dass die Warenexporte in den nächsten zehn Jahren um bis zu 33 Prozent steigen könnten, was einem jährlichen Mehrwert von bis zu 17,7 Milliarden Euro entspräche. Besonders profitieren sollen Sektoren wie der Maschinenbau, die Chemieindustrie und die Fahrzeugindustrie. Für Australien ist der Wegfall der Zölle auf Wein und Meeresfrüchte von zentraler Bedeutung.
Über den Handel hinaus soll das Abkommen den Zugang der EU zu strategisch wichtigen Rohstoffen wie Lithium und seltenen Erden verbessern. Bundeskanzler Friedrich Merz kommentierte die Einigung als „sehr gute Nachrichten für unsere Wirtschaft“ und unterstrich die Notwendigkeit einer zügigen Umsetzung. Die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen betonte, dass die enge Partnerschaft ein „starkes Signal an den Rest der Welt“ sende, dass Freundschaft und Zusammenarbeit in Zeiten der Turbulenzen Priorität hätten.
Parallel zur Handelsvereinbarung wurde in Canberra auch eine strategische Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft (SDP) besiegelt. Diese Partnerschaft schafft einen institutionellen Rahmen für regelmäßige Dialoge in Bereichen wie maritimer Sicherheit, Cybersicherheit und der Reaktion auf hybride Kriegsführung, einschließlich der Unterstützung des Kapazitätsaufbaus im indopazifischen Raum. Die SDP wurde virtuell am 18. März 2026 von der Hohen Vertreterin der EU, Kaja Kallas, sowie den australischen Ministern Richard Donald Marles und Penny Wong unterzeichnet.
Ein dritter wichtiger Pfeiler der Kooperation ist die Einigung über den Beginn formaler Verhandlungen zur Assoziierung Australiens mit Horizon Europe, dem Forschungs- und Innovationsförderprogramm der EU. Diese Verhandlungen sind für 2027 anvisiert. Eine Assoziierung würde australischen Einrichtungen Zugang zum Forschungsfonds ermöglichen, der mit 155 Milliarden Australischen Dollar bewertet wird und Kooperationen zu kritischen Technologien, sauberer Energie und Gesundheit fördern soll. Australien wäre damit das einundzwanzigste Nicht-EU-Land, das sich dem Programm anschließt.
Das bilaterale Handelsvolumen lag vor dem Abschluss bei etwa 50 Milliarden Euro, mit einem Investitionsvolumen von rund 148 Milliarden Euro. Das Abkommen erfordert nun die Zustimmung des EU-Ministerrates und des Europäischen Parlaments, bevor eine vorläufige Anwendung des Handelsteils möglich ist.
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Quellen
FinanzNachrichten.de
The EU-Australia trade agreement - European Commission
Australia-European Union Free Trade Agreement - DFAT
Australian Government concludes negotiations on landmark Australia-EU FTA | News and updates - Go Global Toolkit
The Brussels Times
EU and Australia strengthen relations with Security and Defence Partnership and Trade Agreement - European Commission, official website
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