Der Henon CubeSat der ESA erreicht die Endphase für das Frühwarnsystem gegen Sonnenstürme
Bearbeitet von: Tetiana Martynovska 17
Die Mission Henon der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) tritt in ihre finale Umsetzungsphase ein. Dies markiert einen entscheidenden Fortschritt für das erste spezialisierte CubeSat-Projekt, das für den tiefen Weltraum konzipiert wurde. Dieses bahnbrechende Vorhaben zielt darauf ab, hochentwickelte Technologien zu demonstrieren, die Betreibern kritischer, bodengestützter Infrastrukturen deutlich frühere Warnungen vor potenziell schädlichen Sonnenstürmen liefern sollen. Henon, dessen Akronym für „Heliospheric Pioneer for Solar and Interplanetary threats Defence“ steht, ist darauf ausgelegt, völlig autark im tiefen Weltraum zu agieren, ohne auf ein größeres Mutterschiff angewiesen zu sein.
Um diesen strategisch wichtigen Beobachtungspunkt zu erreichen, wird der CubeSat ein maßgeschneidertes elektrisches Antriebssystem nutzen. Dieses System ist notwendig, um das Raumfahrzeug in eine Distant Retrograde Orbit (DRO) um die Sonne zu manövrieren – eine Flugbahn, die bisher für Anwendungen im Bereich der Weltraumwettervorhersage noch unerforscht ist. Eine zentrale technologische Neuerung ist der miniaturisierte Ionenantrieb. Dieser bezieht seine Energie direkt von den Solarpaneelen des CubeSats. Der Antrieb erzeugt Schub, indem er geladene Atome von Xenongas verwendet, was dem Flugkörper eine außergewöhnliche Manövrierfähigkeit in der Umgebung des tiefen Weltraums verleiht. Das Unternehmen Argotec leitet die Entwicklung dieser Mission und hat kürzlich den Meilenstein der Kritischen Designprüfung (Critical Design Review, CDR) erfolgreich abgeschlossen, womit die detaillierte Konstruktion des Raumfahrzeugs finalisiert wurde.
Die finanzielle Unterstützung für die Henon-Initiative stammt aus dem General Support Technology Programme (GSTP) der ESA, welches die Entwicklung wegweisender Technologien aktiv fördert. Das geplante Startfenster für Henon ist für Ende 2026 angesetzt, wobei die endgültige Bestätigung der vollständigen Designspezifikationen noch aussteht. Sobald der Kleinsatellit seine DRO-Position erreicht hat, wird er voraussichtlich einen Abstand zwischen 12 Millionen Kilometern und 24 Millionen Kilometern von der Erde beibehalten. Diese einmalige Positionierung ist von entscheidender Bedeutung: Sie ermöglicht es Henon, die energiereichen Emissionen der Sonne zu überwachen und seine Warntechnologien Stunden, bevor ein signifikantes Sonnenereignis unseren Planeten erreicht, zu validieren.
Diese Mission stellt einen bedeutenden Fortschritt sowohl in der Weltraumforschung als auch in der technologischen Innovation dar. Über das Hauptziel hinaus, die Benachrichtigungen über Sonnenstürme zu verbessern und somit die Widerstandsfähigkeit der lebenswichtigen Dienste der Erde zu stärken, wird erwartet, dass die Henon-Technologie zukünftige, kostengünstigere Erkundungsmissionen zum Mond, zu Asteroiden und entlang von Mars-Trajektorien erleichtern wird. Die Entwicklung solch kompakter, unabhängiger Deep-Space-Assets spiegelt einen wachsenden Trend hin zu verteilten Sensornetzwerken wider, die im Vergleich zu traditionellen, größeren Raumfahrzeugen Redundanz und eine breitere Abdeckung bieten.
Quellen
SpaceDaily
ESA’s first stand-alone Deep Space CubeSat signs new phase
Firing up HENON’s engine
ESA’s first stand-alone deep-space CubeSat Henon takes shape
Henon: Pioneering New Markets for Europe’s Space Industry
Henon | Argotec
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