Physik der Steakzubereitung: Dicke bestimmt Garzeit durch thermische Diffusion
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Die kulinarische Praxis der Steakzubereitung erfährt durch wissenschaftliche Analysen eine Neuausrichtung, die traditionelle Handwerkskunst mit datengesteuerter Präzision verbindet. Im Zentrum dieser Entwicklung steht das Verständnis der thermischen Diffusion, ein physikalisches Prinzip, dessen mathematische Grundlagen Parallelen zu den Arbeiten Albert Einsteins aufweisen. Diese wissenschaftliche Fundierung transformiert die Zubereitung von einem rein intuitiven Prozess hin zu einer kontrollierten Disziplin, die konsistente Ergebnisse verspricht.
Die Maillard-Reaktion, verantwortlich für die Krustenbildung bei Temperaturen über 150 Grad Celsius, setzt eine trockene Oberfläche voraus. Das Abtupfen von Feuchtigkeit vor dem Erhitzen ist daher essenziell, um diese komplexe chemische Umwandlung zu ermöglichen. Der Physiker Rob Appleby hat in seinen Untersuchungen die Dicke des Steaks als den entscheidenden Faktor für die Bestimmung der notwendigen Garzeit identifiziert. Die erforderliche Zeit für die vollständige interne Hitzedurchdringung skaliert dabei proportional zum Quadrat der Dicke des Fleischstücks.
Diese mathematische Abhängigkeit erklärt das häufig beobachtete Dilemma, bei dem die Außenseite des Steaks zu stark erhitzt wird, während der Kern die gewünschte Kerntemperatur noch nicht erreicht hat. Die wissenschaftlich fundierte Modellierung erlaubt es der Gastronomie, die Garzeiten präzise auf die Dicke abzustimmen und diese mithilfe hochsensibler Temperaturfühler zu verifizieren. Die Platzierung des Fühlers in der Mitte des Fleisches, unter Vermeidung von Kontakt mit Fett oder Knochen, liefert die aussagekräftigsten Daten zum Garzustand und ersetzt subjektive Prüfmethoden wie den Handballentest.
Auch die Vorbereitung des Fleisches wird durch das Verständnis der Diffusion beeinflusst, etwa beim sogenannten „Dry Brining“ oder Trockenpökeln. Salz entzieht dem Fleisch zunächst Wasser und denaturiert gleichzeitig Oberflächenproteine, die anschließend die Salzlake wieder aufnehmen können, was die Saftigkeit positiv beeinflussen kann. Wird das Salzen jedoch zu lange vor dem Braten durchgeführt, kann das Salz Flüssigkeit aus den Zellen ziehen, was das Steak beim Erhitzen zäh und trocken werden lässt. Diffusionsprozesse laufen bei höheren Temperaturen schneller ab, was die Bedeutung der Temperaturkontrolle unterstreicht.
Um dem Temperaturgradienten bei dicken Steaks entgegenzuwirken, wird zunehmend die Methode des „Reverse Searing“ angewandt, die ein langsames Vorwärmen im Ofen bei niedrigen Temperaturen, oft um 90 Grad Celsius, vorsieht, gefolgt von einer finalen scharfen Anbratphase. Dies steht im Gegensatz zum Sous-Vide-Garen, bei dem das Produkt durch das umgebende Wasser, einen exzellenten Wärmeleiter, gleichmäßig von allen Seiten gegart wird. Die Thematisierung der Kochwissenschaft durch Experten wie den Physik-Professor Thomas Michaels zeigt, dass das Verständnis naturwissenschaftlicher Gesetze – von der Wärmeleitung bis zur Diffusion – dem Koch ermöglicht, konsistente und optimierte Ergebnisse zu erzielen.
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Quellen
Conteúdo e Notícias do Agronegócio Brasileiro | CompreRura
Crave Magazine
Grilling 24x7
The MeatStick
Food52
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