Anthropogene Klimaveränderungen, verstärkt durch sozial-ökonomische Wasserstressfaktoren, haben die Schwere der fünfjährigen Dürre im Iran und im Euphrat- und Tigris-Becken erhöht.
Historische Dürre im Tigris-Euphrat-Becken verschärft geopolitische Wasserkonflikte
Bearbeitet von: Tetiana Martynovska 17
Das Flusssystem von Tigris und Euphrat befindet sich im Jahr 2025 auf einem historischen Tiefstand. Diese anhaltende Wasserknappheit verschärft eine bereits ernste humanitäre und politische Krise, die Syrien, den Irak und den Iran gleichermaßen betrifft. Die Ursache dieser langwierigen Trockenheit liegt nicht nur in natürlichen Schwankungen, sondern wird maßgeblich durch den vom Menschen verursachten Klimawandel verstärkt, der die Häufigkeit und Intensität mehrjähriger Dürreperioden in dieser Region signifikant erhöht hat.
Seit dem Winter 2020/2021 erlebt die gesamte Region des Fruchtbaren Halbmonds sowie der Iran außergewöhnlich geringe Niederschlagsmengen bei gleichzeitig stark erhöhten Temperaturen. Diese Bedingungen haben zu einer landwirtschaftlichen Dürre geführt, die gemäß dem Standardisierten Niederschlags-Verdunstungs-Index (SPEI) als „extrem“ bis „außergewöhnlich“ eingestuft wird. Insbesondere für den Irak markiert das Jahr 2025 das trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1933, was die Dramatik der aktuellen Wassernotlage unterstreicht. Die Zuflüsse in die Einzugsgebiete von Tigris und Euphrat sind im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt um bis zu 27 Prozent zurückgegangen.
Die irakischen Behörden berichten, dass sie aktuell weniger als 35 Prozent ihres historischen Wasseranteils erhalten. Dieser erhebliche Mangel wird primär auf die Staudammprojekte der Anrainerstaaten Türkei und Iran zurückgeführt. Infolgedessen sind die nationalen Wasserreservoirs des Irak auf einem kritischen Niveau. Die gespeicherte Wassermenge beträgt nur noch 8 Prozent der Gesamtkapazität, was einem Rückgang von 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die politischen und wirtschaftlichen Folgen sind unmittelbar spürbar: Im September 2025 sah sich die irakische Regierung gezwungen, den Weizenanbau einzustellen, da schlichtweg nicht genügend Wasser zur Verfügung stand, was die Ernährungssicherheit des Landes massiv bedroht.
Auch Syrien leidet unter verheerenden Auswirkungen. Die Niederschlagsmenge ist Berichten zufolge um fast 70 Prozent eingebrochen. Dies hat schätzungsweise 75 Prozent der regenabhängigen landwirtschaftlichen Flächen lahmgelegt und führt zu einem prognostizierten Weizenfehlbestand von 2,73 Millionen Tonnen. Die Forschungsgruppe World Weather Attribution hat bereits festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit einer derartigen Dürre im gesamten Becken aufgrund der menschengemachten Erwärmung um 1,3°C um das 25-fache gestiegen ist. Inmitten dieser Krise sieht sich der Iran mit einer ernsten Lage konfrontiert: Die Hauptstadt Teheran droht mit Notfallrationierungen, sollte bis Dezember 2025 kein Regen fallen, da die Landwirtschaft dort über 90 Prozent des nationalen Wasserverbrauchs ausmacht.
Diplomatische Bemühungen führten zu einigen kurzfristigen Anpassungen. Nach einem Treffen mit irakischen Vertretern am 1. Juli 2025 erhöhte die Türkei vorübergehend die Abflussmenge in den Tigris auf 420 Kubikmeter pro Sekunde. Allerdings zeigten Beobachtungen, dass diese Entlastung nur von kurzer Dauer war und die Durchflussmengen bald wieder unter den jährlichen Durchschnitt fielen. Da der Irak für fast 75 Prozent seines Süßwassers auf die Türkei und den Iran angewiesen ist, wird die Brisanz der Wasserbewirtschaftungsabkommen deutlich. Die langfristige Stabilität der regionalen Wasserversorgung hängt entscheidend von belastbaren, verbindlichen diplomatischen Vereinbarungen ab, da interne Vernachlässigung und Beschränkungen durch Anrainerstaaten die Lebensadern von Millionen Menschen im gesamten Einzugsgebiet weiterhin stark strapazieren.
Die Stadt Basra im Süden des Irak, Heimat von 3,5 Millionen Einwohnern, ist besonders exponiert. Dort steigt die Abhängigkeit von Wassertransporten per Lkw stetig an, und es wurden bereits Schäden an lokalen Meereslebewesen durch das Eindringen von Salzwasser dokumentiert. Diese Fakten verdeutlichen, dass die Dürre nicht nur eine ökologische, sondern eine tiefgreifende sozioökonomische und sicherheitspolitische Herausforderung darstellt.
Quellen
Frankfurter Rundschau
DER SPIEGEL
Kurdistan24
Informat.ro
World Weather Attribution
Arab News
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