Seltenes atmosphärisches Phänomen dokumentiert: Roter Zwerg über Westaustralien

Bearbeitet von: Uliana S.

Anfang Januar 2026 wurde in der abgelegenen nördlichen Region Kimberley in Westaustralien ein äußerst seltenes atmosphärisches Ereignis beobachtet und aufgezeichnet: ein sogenannter Roter Zwerg (Red Sprite). Dieses Phänomen gehört zur Klasse der Transient Luminous Events (TLEs). Der Storm Chaser und Fotograf JJ Rao gelang es, diese flüchtige, rote Lichtentladung einzufangen, die hoch über einer heftigen Gewitterzelle auftrat.

Rote Zwerge sind großflächige elektrische Entladungen, die in der oberen Atmosphäre, genauer gesagt in der Mesosphäre, stattfinden. Sie entstehen in Höhen zwischen 50 und 90 Kilometern über den darunter liegenden Cumulonimbus-Wolken. Obwohl sie manchmal fälschlicherweise als obere atmosphärische Blitze bezeichnet werden, handelt es sich bei ihnen um Kaltplasma-Entladungen. Im Gegensatz zum heißen Kanal eines gewöhnlichen Blitzes in der Troposphäre ähneln sie eher der Funktionsweise einer Leuchtstoffröhre. Man geht davon aus, dass die rote Leuchterscheinung durch die Anregung von atmosphärischem Stickstoff in der dünnen Luftschicht verursacht wird, was zur Emission des charakteristischen roten Lichts führt.

Diese TLEs sind sekundär zur darunter liegenden Gewitteraktivität. Ihre Auslösung erfolgt typischerweise durch starke positive Blitzentladungen, die zwischen der Gewitterwolke und dem Erdboden stattfinden. Wetterexperte und Fotograf Danny Velgama betonte bereits früher, dass die Region Kimberley aufgrund ihrer geringen Lichtverschmutzung und der überwiegend flachen Topografie ein idealer Ort für die Erfassung von Sprites ist. Die Dokumentation solcher Ereignisse erfordert eine sehr präzise Positionierung der Kamera relativ zum Sturm, der sich oft 150 bis 200 Kilometer entfernt befindet. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn ein Fotograf in Derby ein Gewitter im Gebiet von Fitzroy Crossing beobachtet. Dies verdeutlicht die inhärente Schwierigkeit, diese vergänglichen Erscheinungen überhaupt erst festzuhalten.

Die Wissenschaftsgemeinschaft bestätigt, dass sich Sprites nicht nur durch ihre Höhe – Mesosphäre versus Troposphäre – von normalen Blitzen unterscheiden, sondern auch durch ihre Zusammensetzung als leuchtende Plasmaformationen. Die Existenz von TLEs wurde erstmals 1924 vom schottischen Physiker Charles Thomson Rees Wilson theoretisch postuliert. Die ersten fotografischen Beweise konnten jedoch erst 1989 erbracht werden. Sprites können unterschiedliche Gestalten annehmen, darunter tropfenförmige Strukturen mit nach unten gerichteten Tentakeln, die manchmal als „Karotten-Sprites“ bezeichnet werden. Die Beobachtung im Kimberley im Januar 2026 setzt die wissenschaftliche Erforschung der TLEs fort, von denen angenommen wird, dass sie eine Rolle bei der elektrischen Bilanzierung der Erde spielen.

Für eine erfolgreiche Aufnahme kommen oft hochsensible Schwarz-Weiß-CCD-Kameras zum Einsatz. Obwohl diese die rote Farbe nicht abbilden, bieten sie die notwendige Empfindlichkeit, um Ereignisse zu registrieren, die nur Millisekunden andauern. Forscher, beispielsweise jene des NASA-Projekts Spritacular, nutzen aktiv Crowdsourcing, um Bilder zu sammeln. Ziel ist es, die Entstehungsmechanismen dieser Phänomene besser zu verstehen, da sie eine Verbindung zwischen den meteorologischen Systemen der Erde und den geladenen Schichten des Weltraums darstellen.

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Quellen

  • RNZ

  • Australian Geographic

  • The Weather Network

  • WillyWeather

  • RNZ News

  • National Geographic

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