Haitis Übergangsrat tritt zurück: Premierminister Fils-Aimé übernimmt mit US-Unterstützung die alleinige Exekutivgewalt

Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich

Am Samstag, den 7. Februar 2026, endete offiziell das Mandat des Übergangspräsidentenrats (PPS) in Haiti vor dem Hintergrund anhaltender politischer Instabilität und einer Eskalation der Gewalt durch bewaffnete Gruppierungen. Das neunköpfige Gremium, welches das Land seit April 2024 leitete, übertrug die gesamte Exekutivgewalt an Premierminister Alix Didier Fils-Aimé. Ratspräsident Laurent Saint-Cyr vollzog die formelle Übergabe der Amtsgeschäfte und unterstrich dabei die dringliche Notwendigkeit, die öffentliche Sicherheit wiederherzustellen, den politischen Dialog zu intensivieren und die geplanten Wahlen endlich in die Wege zu leiten.

Fils-Aimé, der das Amt des Premierministers bereits seit November 2024 innehat, konzentriert nun die gesamte Regierungsführung in seinen Händen. Dieser Übergang stellt den Kulminationspunkt einer spannungsgeladenen innenpolitischen Krise dar, die Ende Januar 2026 ihren Höhepunkt erreichte, als mehrere Ratsmitglieder versuchten, Fils-Aimé von seinem Posten zu entheben. Die Vereinigten Staaten sprachen sich jedoch öffentlich gegen dieses Vorhaben aus und unterstützten den Verbleib des Premierministers als zentrales Element für die nationale Stabilisierung. Zuvor, am 25. Januar, hatte das US-Außenministerium die Visa von zwei Mitgliedern des Übergangsrates aufgrund mutmaßlicher Verbindungen zu kriminellen Banden annulliert, was die wachsenden Spannungen mit Washington verdeutlichte, das auf einer stabilen Führung bis zur Auflösung des Rates beharrte.

Das Ausmaß der Krise, die nun von der neuen Alleinexekutive bewältigt werden muss, bleibt unterdessen kritisch. Schätzungen zu Beginn des Jahres 2026 zufolge kontrollieren kriminelle Banden etwa 90 Prozent des Stadtgebiets von Port-au-Prince. Die humanitären Auswirkungen dieser Machtverhältnisse sind katastrophal: Rund 1,4 Millionen Menschen, was etwa 10 Prozent der haitianischen Bevölkerung entspricht, sind von Vertreibung und akuter Nahrungsmittelknappheit betroffen. Die Gewalt der Banden im Jahr 2025 führte laut vorliegenden Daten allein im Zeitraum von Januar bis September zu mindestens 4.384 Toten und 1.899 Verletzten, was die ohnehin prekäre Lage seit dem Attentat auf Präsident Jovenel Moïse im Jahr 2021 weiter verschärft hat.

Die Ernennung von Fils-Aimé, der zuvor als Leiter der haitianischen Handelskammer tätig war, umfasst nun auch die Verantwortung für die Organisation der ersten nationalen Wahlen seit dem Jahr 2016. Der externe Einfluss auf diesen politischen Kurswechsel war deutlich spürbar: Kurz vor der Machtübergabe trafen im Rahmen der Operation „Southern Spear“ US-Kriegsschiffe, darunter der Zerstörer USS Stockdale, in haitianischen Gewässern ein, was von Experten als Machtdemonstration Washingtons gewertet wurde. Der Übergangsrat war ursprünglich im April 2024 unter Beteiligung der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM), der USA, Kanadas, Frankreichs und Brasiliens gegründet worden, um die Ordnung wiederherzustellen. Doch die Unfähigkeit des Rates, die Gewalt zu bändigen – laut UN-Angaben standen bereits im Juli 2025 rund 90 Prozent von Port-au-Prince unter Bandenkontrolle –, führte letztlich zum Ende seiner kollektiven Herrschaft. Die gesamte Last der Wiederherstellung von Recht und Ordnung ruht nun auf den Schultern eines einzelnen Mannes.

3 Ansichten

Quellen

  • Deutsche Welle

  • FRANCE 24

  • Anadolu Agency

  • Associated Press

  • Chatham House

  • The Washington Post

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