G7-Finanzminister signalisieren Bereitschaft zur Freigabe strategischer Ölreserven angesichts der Eskalation im Nahen Osten

Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich

Am 9. März 2026 traten die Finanzminister der G7-Staaten zu einer dringenden Videokonferenz zusammen, um die gravierenden Auswirkungen der militärischen Konfrontationen zwischen den USA, Israel und dem Iran auf die globalen Energiemärkte zu erörtern. Die Sitzung wurde von Frankreich einberufen, das derzeit den Vorsitz der G7-Gruppe innehat. Das zentrale Ergebnis dieser Beratungen war das klare Bekenntnis, koordinierte Schritte zur Stabilisierung der Energieversorgung zu unternehmen. Hierzu zählt explizit die potenzielle Freigabe strategischer Ölreserven, obgleich eine endgültige Entscheidung über den tatsächlichen Einsatz dieser Vorräte zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht formal beschlossen wurde.

Die Notwendigkeit für dieses außerordentliche Treffen ergab sich aus einem massiven Preissprung bei fossilen Brennstoffen, der durch die geopolitischen Spannungen und die drohenden Blockaden wichtiger Transportwege im Nahen Osten ausgelöst wurde. Die internationale Referenzsorte Brent näherte sich in der Spitze der Marke von 120 US-Dollar pro Barrel, während die US-Sorte WTI zeitweise über 95 US-Dollar gehandelt wurde. Damit wurde erstmals seit Juli 2022 wieder die psychologisch wichtige Schwelle von 100 US-Dollar pro Barrel überschritten. Besonders drastisch zeigte sich die Entwicklung bei WTI mit einem wöchentlichen Zuwachs von 35,6 % im Vorfeld des G7-Gipfels. Nach der offiziellen Erklärung der G7-Staaten stabilisierten sich die Brent-Futures bei etwa 100 US-Dollar, während WTI am Mittag des 9. März bei 98,10 US-Dollar schloss.

Die aktuelle Krise nahm ihren Lauf am 28. Februar 2026 mit der Liquidierung von Ayatollah Ali Khamenei, woraufhin massive iranische Vergeltungsschläge folgten. Diese Ereignisse führten zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Tankerverkehrs in der Straße von Hormus. Diese Meerenge gilt als einer der kritischsten Knotenpunkte der Weltwirtschaft, über den rund 25 % des gesamten maritimen Ölhandels abgewickelt werden. Laut Daten des Analysedienstes Kpler passierten im Jahr 2025 täglich mehr als 13 Millionen Barrel Rohöl dieses Nadelöhr, was etwa 31 % aller weltweiten Seetransporte entspricht. Eine anhaltende Blockade dieser Route gefährdet die Exportwege von Förderländern wie Saudi-Arabien, dem Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait massiv.

Der französische Finanzminister Roland Lescure, der die Sitzung leitete, betonte, dass die Gruppe zwar noch keine endgültige Einigung über die Freigabe der Reserven erzielt habe, man jedoch zu „allen notwendigen Maßnahmen“ bereit sei. Die Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) verfügen kumuliert über strategische Bestände von mehr als 1,2 Milliarden Barrel. IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol, der ebenfalls an der Sitzung teilnahm, hatte bereits zuvor zu einer koordinierten Aktion aufgerufen. Die USA verfügen über die weltweit größten Reserven in Texas und Louisiana, die jedoch Anfang 2026 mit rund 360 Millionen Barrel auf einem historisch niedrigen Stand lagen – eine Folge früherer Entnahmen aufgrund von Spannungen im Südchinesischen Meer im Jahr 2024. Obwohl die physische Bereitstellung des Öls zwei bis vier Wochen in Anspruch nimmt, entfaltet oft schon die bloße Ankündigung einer Freigabe eine sofortige dämpfende Wirkung auf die Terminmarktpreise.

Die politische Situation bleibt derweil angespannt, da der Iran mit der Ernennung von Ayatollah Mojtaba Khamenei zum neuen Obersten Führer signalisierte, dass kurzfristige Zugeständnisse im langwierigen Konflikt unwahrscheinlich sind. Parallel dazu äußerte sich US-Präsident Donald Trump zu der Marktlage und erklärte, dass die steigenden Energiepreise ein „sehr kleiner Preis“ für die globale „Sicherheit und den Frieden“ seien. Mit ihrer koordinierten, wenn auch vorsichtigen Reaktion demonstrierten die G7-Staaten ihre Entschlossenheit, den durch die Lieferunterbrechungen verursachten Inflationsdruck abzufedern und auf den schweren geopolitischen Schock mit wirtschaftlicher Geschlossenheit zu antworten.

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