Berlin und Ankara läuten neue Ära ein: Fokus auf Sicherheit trotz EU-Hürden
Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich
Am Freitag, dem 28. November 2025, reiste der türkische Außenminister Hakan Fidan nach Berlin. Dort fand das erste offizielle bilaterale Treffen mit seinem deutschen Amtskollegen, Johann Wadepful, statt. Wadepful hatte das Amt im Mai 2025 übernommen. Die Zusammenkunft im Auswärtigen Amt in Berlin zielte darauf ab, den deutsch-türkischen Beziehungen neuen Schwung zu verleihen. Diese Beziehungen zeigen eine wachsende Koordination in Fragen der regionalen Sicherheit, wenngleich der Prozess der EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei weiterhin stagniert.
Dieser Besuch von Minister Fidan folgte auf eine Reihe hochrangiger Kontakte. Dazu zählten die Besuche von Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Ankara Ende 2025. Auch Wadepful selbst war am 17. Oktober 2025 in Ankara gewesen, um dort die Entwicklungen rund um Gaza zu erörtern. Diese diplomatische Intensität signalisiert den Wunsch beider Hauptstädte, die Zusammenarbeit trotz politischer Differenzen zu vertiefen.
Im Zentrum der Gespräche standen die Stärkung der bilateralen Partnerschaft und die Zukunft der europäischen Integration der Türkei, welche für Ankara weiterhin ein strategisches Fernziel darstellt. Minister Wadepful betonte die Notwendigkeit, ein „neues Kapitel“ in den Beziehungen aufzuschlagen. Er bekräftigte, dass eine engere Kooperation zwischen der EU und der Türkei im ureigenen Interesse Deutschlands liege. Gleichzeitig machte er unmissverständlich klar, dass die Kopenhagener Kriterien, insbesondere hinsichtlich Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, für eine EU-Mitgliedschaft „nicht verhandelbar“ blieben.
Minister Fidan äußerte seine Enttäuschung über den „Stillstand“ im Beitrittsprozess. Er drängte auf die Wiederaufnahme von Verhandlungskapiteln und bekräftigte die Bereitschaft Ankaras, sich an die vereinbarten Spielregeln zu halten. Die Türkei sieht sich als integralen Bestandteil der europäischen Sicherheitsarchitektur und erwartet hierfür eine entsprechende Anerkennung und Einbindung.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der europäischen Sicherheitsarchitektur, wobei Deutschland sich stark für die Einbindung der Türkei in den Europäischen Aktionsplan für Sicherheit (SAFE) einsetzt. Wadepful bezeichnete die Türkei als unverzichtbaren „geostrategischen Partner“ und verlässlichen NATO-Verbündeten. Er sprach sich dafür aus, Ankara Zugang zu SAFE zu gewähren, einem Programm mit einem Volumen von 150 Milliarden Euro, das für gemeinsame Verteidigungsbeschaffungen konzipiert ist. Der Europäische Rat hatte SAFE am 27. Mai 2025 verabschiedet, um die Verteidigungsbereitschaft der Mitgliedstaaten zu beschleunigen. Fidan hob hervor, dass die Beteiligung der Türkei an SAFE für die gesamte europäische Sicherheit von Bedeutung sei, da das Land über wertvolle operative Erfahrungen und eine entwickelte Rüstungsindustrie verfügt.
Das wirtschaftliche Fundament der Beziehungen bleibt solide. Deutschland ist nach wie vor der größte Handelspartner der Türkei in Europa. Der bilaterale Warenhandel erreichte im Jahr 2024 die Marke von 47,5 Milliarden US-Dollar. Die türkische Führung hat das Ziel ausgegeben, die 60-Milliarden-Dollar-Marke anzustreben. Allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2025 belief sich der türkische Export nach Deutschland bereits auf 13,1 Milliarden Dollar, was die starke Nachfrage nach türkischen Erzeugnissen unterstreicht. Hinzu kommen die tief verwurzelten gesellschaftlichen Verbindungen, manifestiert durch die über drei Millionen in Deutschland lebenden Menschen mit türkischem Migrationshintergrund.
Bei der abschließenden Pressekonferenz thematisierten die Minister auch regionale Krisenherde, darunter den Krieg in der Ukraine und die Lage in Gaza. Berlin bedankte sich ausdrücklich bei der Türkei für ihre vermittelnde Rolle beim Zustandekommen eines Waffenstillstands. Sensible Themen wie die Menschenrechtslage blieben jedoch weitgehend ausgeklammert. Dies zeigte sich, als beide Minister sich weigerten, auf eine spezifische Frage des DW-Reporters Hans Brandt bezüglich der Inhaftierung von Fatih Altaylı einzugehen. Der Dialog soll fortgesetzt werden: Die nächste Sitzung des Strategischen Dialogmechanismus ist für die erste Hälfte des Jahres 2026 angesetzt.
Quellen
Deutsche Welle
Bild
Aksiyon
İtibar Haber
Anadolu Ajansı
Haberler.com
Sözcü Gazetesi
Türkiye Today
Wikipedia
Anadolu Ajansı
AFP (via regionalHeute.de)
Auswärtiges Amt
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