WMO veröffentlicht Leitfaden für hochauflösende nationale Atlanten zur erneuerbaren Energie
Bearbeitet von: an_lymons
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat ein wegweisendes technisches Handbuch vorgestellt, das darauf abzielt, Staaten bei der detaillierten Kartierung ihres Potenzials für erneuerbare Energien zu unterstützen. Das Dokument mit dem Titel „National Renewable Energy Atlases for Wind, Solar and Hydropower – WMO Implementation Guide“ bietet einen wissenschaftlich fundierten Rahmen für nationale meteorologische und hydrologische Dienste (NMHS) sowie Energieministerien weltweit, um den Übergang zu grüner Energie voranzutreiben.
Diese Initiative entstand als direkte Reaktion auf eine kritische Lücke, die im Rahmen einer globalen Energieumfrage der WMO in den Jahren 2022 und 2023 identifiziert wurde. Die Untersuchung verdeutlichte, dass es vielen Staaten an hochauflösenden Klima- und Wetterdaten mangelt, die für eine präzise und effektive Energieplanung unerlässlich sind. Professor Celeste Saulo, die Generalsekretärin der WMO, betonte, dass der neue Leitfaden verschiedene Datenquellen wie Reanalysen, Bodenbeobachtungen, Satellitenprodukte und Klimaprojektionen – etwa CMIP6-Daten – effektiv bündelt. Um diese komplexen Datensätze in praktisch anwendbare Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger zu verwandeln, kommen moderne, datengestützte Ansätze wie das statistische Downscaling unter Einsatz künstlicher Intelligenz zum Einsatz.
Ein entscheidendes Kriterium des Projekts ist die Forderung nach einer hohen räumlichen Auflösung von maximal vier Kilometern. Diese Präzision ist notwendig, um das Potenzial von Wind-, Solar- und Wasserkraft auf lokaler und regionaler Ebene verlässlich bewerten zu können, da die Verfügbarkeit erneuerbarer Ressourcen bereits auf engstem Raum erheblich schwanken kann. Solche detaillierten Daten bilden die Grundlage für fundierte Investitionsentscheidungen in die Energieinfrastruktur. Die WMO verfolgt das ehrgeizige Ziel, bis zum Jahr 2030 alle Mitgliedstaaten mit diesen hochauflösenden nationalen Atlanten auszustatten. Dies unterstützt nicht nur das Ziel der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung Nr. 7, sondern trägt auch maßgeblich dazu bei, die internationalen Ziele zur Verdreifachung der weltweiten Kapazitäten für erneuerbare Energien und zur Verdoppelung der Energieeffizienz bis zum Ende des Jahrzehnts zu erreichen.
Die im Handbuch präsentierte Methodik bietet eine strukturierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, die von der Datenerhebung und -vorverarbeitung bis hin zur Interpretation der Ergebnisse für die Politikgestaltung reicht. Um den weltweiten Kapazitätsaufbau zu fördern, stellt die WMO über ihr Energie- und Meteorologieportal offenen Zugang zu Python-basierten Programmiercodes und umfangreichen Schulungsmaterialien bereit. Erfolgreiche Pilotimplementierungen dieser Methodik wurden bereits in Ländern wie Kroatien, Kuba, Chile, Malawi, Tansania und Costa Rica durchgeführt. Im Jahr 2024 wurde die Unterstützung gezielt ausgeweitet: Chile und der Iran erhielten Hilfe bei der Erstellung von Solaratlanten, während Malawi bei einem Wasserkraftatlas und Costa Rica bei einem Windkraftatlas unterstützt wurden.
Dieses Engagement der WMO ist eine unmittelbare Antwort auf die wachsenden Herausforderungen des Klimawandels, die laut dem Bericht „State of Climate Services: Energy“ aus dem Jahr 2022 die globale Energiesicherheit gefährden könnten. Da die weltweite Energienachfrage im letzten Jahrzehnt um 30 % gestiegen ist, wird der Bedarf an verlässlichen Informationen über Wetter, Wasser und Klima immer dringlicher, um die Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen. Im Rahmen dieses Übergangs kooperiert die WMO eng mit der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) und der Weltbank, um das Projekt im Jahr 2025 auf eine größere Anzahl von Ländern auszuweiten. Technische Webinare für Regionen in Asien, Afrika sowie Zentral- und Südamerika haben bereits das Fundament für die nächste Phase des Projekts gelegt, die eine umfassende globale Abdeckung aller WMO-Mitglieder bis 2030 anstrebt.
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Quellen
WMO
WMO.int/media
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