Neustart für MIDEM unter Live Nation: Der Künstler im Fokus

Bearbeitet von: Inna Horoshkina One

Die MIDEM 2025 in Cannes markiert eine Wiederbelebung der Fachmesse, nachdem das Format in Zusammenarbeit mit Live Nation, der Stadt Cannes und dem Palais des Festivals neu konzipiert wurde. Die Zahlen sprechen für sich: Es wurden 1.100 akkreditierte Fachleute gezählt, ergänzt durch 330 junge Talente und Studenten der MIDEM Academy. Insgesamt verzeichnete die Veranstaltung über 13.000 Teilnehmer, während das begleitende MIDEM Live-Programm mehr als 12.000 Zuschauer anzog.

Die zentrale Botschaft, die von der MIDEM ausgesendet wird, ist unmissverständlich: Die Musikindustrie kann nicht länger in isolierten Sektoren funktionieren. Ob Aufnahme, Live-Performance, Medien, Plattformen, Marken oder Start-ups – all dies bildet einen einzigen Organismus, dessen Herzstück stets der Künstler bleibt. Aus diesem Grund stützt sich die neue MIDEM auf vier tragende Säulen: die AGORA (für inhaltliche Ausrichtung und Regeln), CONNECT (zur Förderung von Netzwerken und Synergien), die ACADEMY (als Sprungbrett für frische Talente) und LIVE (die Bühne als ultimativer Beweis für die Vitalität der Musik).

Für das Jahr 2026 ist bereits eine Erweiterung geplant. Die Veranstaltung wird vom 4. bis 7. Februar dauern, wobei der 7. Februar einen besonderen Schwerpunkt auf das abschließende Konzert-Event legen wird. Dies signalisiert keine Reduzierung, sondern eine gezielte Ausweitung des Formats.

  • Der Innovationsaspekt wird durch einen dedizierten Bereich gestärkt: Das Startup Village wurde als eine Art „lebendige Agora“ für musikalische Technologien etabliert.
  • Das Thema Nachhaltigkeit ist tief in der Agenda verankert und nicht nur ein Lippenbekenntnis. Auf der MIDEM Agora wurde das Projekt M.A.T.R.I.C.E. ins Leben gerufen, das darauf abzielt, den ökologischen Fußabdruck von Tourneen zu reduzieren und praktische Lösungen für umweltbewusstere Produktionen zu liefern.

Die Diskussionen auf der Konferenz beleuchteten drei wesentliche Entwicklungen:

  1. 1) KI ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern gelebte Realität. Der KI-generierte Titel „Walk My Walk“ (Breaking Rust) erreichte 2025 Platz Nr. 1 in den Billboard Country Digital Song Sales. Dieses Ereignis diente als medialer Katalysator für eine dringende Debatte über Transparenz und den Wert menschlicher Urheberschaft.
  2. Parallel dazu zeigen die Plattformen das Ausmaß: Deezer meldete seinerzeit rund 50.000 vollständig KI-generierte Titel täglich, was einen erheblichen Anteil der täglichen Uploads ausmacht. Dies verändert die Ökonomie der Aufmerksamkeit und erhöht den Bedarf an Kennzeichnungspflichten und Anti-Betrugs-Tools.
  3. 2) Das Konsumverhalten von Musik wandelt sich, was sich in den Charts widerspiegelt. Im Herbst 2025 wurde das Phänomen diskutiert, dass zum ersten Mal seit Jahrzehnten keine Hip-Hop/Rap-Titel mehr in den Billboard Top 40 vertreten waren. Die Ursache lag hierbei nicht im „Absterben des Genres“, sondern in der Mathematik des Streamings, den Chart-Regeln und der extremen Dominanz weniger Großveröffentlichungen.
  4. 3) Die Förderung aufstrebender Künstler wird zu einer infrastrukturellen Notwendigkeit. Die gezielte Stärkung der Academy und die Erweiterung des Innovationsblocks durch die MIDEM sind Versuche, den Weg in den Beruf greifbarer und weniger mythisch zu gestalten.

Die MIDEM versteht sich nicht bloß als Konferenz. Sie ist der zentrale Sammelpunkt der globalen Musikszene: Hier werden gleichzeitig rechtliche Rahmenbedingungen und ökonomische Fragen erörtert, Netzwerke zwischen Marken, Medien und Plattformen geknüpft und der Wert der Musik durch Live-Erlebnisse untermauert.

Wir sind viele Akteure – Labels, Bühnen, Algorithmen, Start-ups, Zuschauer. Doch das Feld ist eines, und im Zentrum dieses Feldes verharrt das menschliche Erleben, das Klänge in Musik verwandelt. Je komplexer das Ökosystem wird, desto wichtiger ist es, sich das Einfache vor Augen zu halten: Die Industrie besteht aus vielen Kanälen, aber die Musik bildet den einen Mittelpunkt. Wir mögen unterschiedlich sein, aber unser gemeinsamer Resonanzkörper ist derselbe.

Was hat diese Veranstaltung dem globalen Klangteppich hinzugefügt? Sie hat keinen neuen Genre-Sound kreiert, sondern vielmehr eine neue Mischungseinstellung etabliert – als hätte sich die Branche am Mischpult versammelt und sich darauf geeinigt, welche Frequenzen für 2026 verstärkt werden sollen.

Letztlich bleibt die Essenz: Obwohl die Akteure vielfältig sind – von Labels über Bühnen bis hin zu Algorithmen und Start-ups –, dreht sich alles um das menschliche Empfinden. In einer immer komplizierteren Landschaft ist es entscheidend, sich an die einfache Wahrheit zu erinnern: Die Industrie ist ein Netz von Kanälen, doch die Musik ist der eine Ankerpunkt. Wir agieren verschieden, doch der gemeinsame Widerhall bleibt bestehen.

19 Ansichten

Quellen

  • Nice-Matin

  • Billboard France

  • Pollstar News

  • MUSICBIZ

  • MIDEM

  • Stade de France

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