GameStop und eBay: Wie ein 56-Milliarden-Dollar-Übernahmegerücht die Verzweiflung der Privatanleger offenbart

Bearbeitet von: Alex Khohlov

An einem gewöhnlichen Vormittag an der Wall Street vervielfachte sich das Handelsvolumen der GameStop-Aktie schlagartig, während in Trader-Chats und Reddit-Foren das Gerücht über eine 56 Milliarden Dollar schwere Übernahme von eBay die Runde machte. Obwohl kein Unternehmensvertreter auch nur die Absicht für Verhandlungen bestätigte, schoss der Börsenkurs innerhalb einer Stunde um fast 15 Prozent nach oben. Laut MarketWatch und Benzinga tauchten die Informationen zuerst in geschlossenen Telegram-Kanälen und Foren für Meme-Aktien auf, bevor sie schließlich die News-Aggregatoren erreichten.

Dabei geriet weniger die Reputation der beiden börsennotierten Unternehmen unter Druck als vielmehr das fragile Erwartungskonstrukt, das Privatanleger in den letzten drei Jahren um GameStop errichtet haben. Sollte sich das Gerücht bewahrheiten, würde der einst totgesagte Videospielhändler über Nacht zu einem bedeutenden E-Commerce-Akteur aufsteigen; falls es sich als falsch erweist, droht das Vertrauen in künftige Ankündigungen von Ryan Cohen und seinem Team massiv Schaden zu nehmen. In beiden Fällen ist eine hohe Volatilität der Aktie gewiss, während tatsächliche strategische Entscheidungen zunehmend in den Hintergrund rücken.

Benzinga zufolge erschien die erste Meldung über den möglichen Deal um 8:47 Uhr New Yorker Zeit auf einem Account, der bereits in der Vergangenheit unbestätigte Thesen zu GameStop-Partnerschaften verbreitet hatte. Vierzig Minuten später veröffentlichte MarketWatch eine Kurzmeldung mit dem Vermerk „unverifiziert“ und berief sich dabei auf „handelsplatznahe Kreise“. Da keines der Unternehmen ein Dementi bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichte, wurde das Schweigen prompt als Indiz für einen wahren Kern gewertet, was die Spekulationen weiter anheizte.

Diese Episode verdeutlicht eindrucksvoll, wie sehr Privatanleger nach einer großen Erzählung gieren, um das jahrelange Festhalten an verlustreichen Positionen zu rechtfertigen. Ein Geschäft dieser Größenordnung würde eine massive Verschuldung oder eine Kapitalverwässerung erfordern, doch für Teile der r/wallstreetbets-Community wiegt die bloße Vision von der Verwandlung GameStops in einen neuen Amazon-Riesen schwerer als jede finanzmathematische Logik. Das Gerücht wirkt wie ein Spiegel: Es reflektiert weniger die tatsächlichen Pläne der Konzerne als vielmehr den kollektiven Wunsch, die einstige Meme-Aktie in einen echten Branchenriesen verwandelt zu sehen.

Für den Verwaltungsratsvorsitzenden Ryan Cohen bedeuten solche Kurssprünge permanenten Druck. An jedem Tag, an dem die Aktie aufgrund von Gerüchten statt operativer Erfolge steigt, muss er abwägen, ob er die Massen beruhigt oder sich auf die tatsächliche Verbesserung der Profitabilität konzentriert. Schießt der Kurs ohne fundamentale Grundlage in die Höhe, laufen öffentliche Erklärungen Gefahr, entweder als Bestätigung oder als Verrat an den Erwartungen ausgelegt zu werden – einen Mittelweg akzeptiert die Community längst nicht mehr.

Analysten klassischer Banken weisen darauf hin, dass die Marktkapitalisierung von eBay derzeit bei etwa 28 bis 30 Milliarden Dollar liegt, während GameStop lediglich über liquide Mittel in Höhe von rund 1,2 Milliarden Dollar verfügt. Selbst unter optimalen Finanzierungsbedingungen wäre ein Konsortialkredit in zweistelliger Milliardenhöhe nötig, was das Risikoprofil beider Unternehmen grundlegend verändern würde. Bis dato bleiben das explodierende Handelsvolumen und das Fehlen jeglicher regulatorischer Dokumente die einzigen gesicherten Fakten.

Es bleibt die Frage, wie viele solcher Ausschläge das Marktvertrauen noch verkraftet, bevor die Privatanleger statt vager Gerüchte endlich belastbare Umsatz- und Gewinnzahlen fordern.

5 Ansichten

Quellen

  • WSJ via MarketWatch

  • Benzinga

Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.