Eine künstlerische Illustration einer antiken totalen Sonnenfinsternis.
Bestätigung der Sonnenfinsternis von 709 v. Chr. präzisiert Erdrotation und Sonnenaktivität
Bearbeitet von: Uliana S.
Eine interdisziplinäre Untersuchung, die historische Geographie, Archäologie und Astrophysik miteinander verknüpfte, hat nunmehr endgültig bestätigt, dass die in der altchinesischen Chronik „Frühling und Herbst“ des Staates Lu verzeichnete totale Sonnenfinsternis aus dem Jahr 709 vor Christus die älteste datierte totale Sonnenfinsternis ist, die uns bekannt ist. Die Ergebnisse dieser grundlegenden Analyse wurden Ende 2025 in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal Letters publiziert. Diese Verifizierung ist für die moderne Wissenschaft von großer Tragweite, da sie eine präzisere Modellierung der planetaren Dynamik sowie der Entwicklung der Erdrotationsgeschwindigkeit ermöglicht.
Der entscheidende Schritt zur Validierung lag in der Korrektur der geografischen Koordinaten der antiken Stadt Qufu, der damaligen Hauptstadt des Staates Lu. Zuvor hatte eine Ungenauigkeit in der Lokalisierung, die auf veralteten Annahmen basierte und bei etwa acht Kilometern lag, es modernen Computermodellen unmöglich gemacht, die Sichtbarkeit der totalen Finsternis an diesem Ort zu bestätigen. Dies führte zu einem klaren Widerspruch mit dem historischen Bericht. Nach der Anpassung der Positionierung, gestützt auf archäologische Befunde, zeigte die Simulation der Finsternisbahn vom 17. Juli 709 v. Chr. eindeutig, dass die totale Phase direkt am Hof von Lu beobachtet werden konnte. Damit wurde die historische Aufzeichnung nachträglich bestätigt.
Die aus dieser Forschung gewonnenen Daten zum Parameter Delta T (ΔT), welcher die Veränderung der Erdrotationsgeschwindigkeit beschreibt, lieferten eine quantitative Untermauerung geophysikalischer Theorien. Für den Zeitraum zwischen dem achten und dem sechsten Jahrhundert vor Christus wurde ein ΔT-Bereich zwischen 20.264 und 21.204 Sekunden errechnet. Diese Werte belegen, dass die Erde in dieser Epoche schneller rotierte und sich unter dem Einfluss der Gezeitenreibung durch die Gravitation des Mondes allmählich verlangsamte. Diese Präzisierung führt zu wesentlichen Korrekturen in den etablierten Modellen der Planetenrotation und erlaubt eine genauere zeitliche Einordnung früherer astronomischer Ereignisse.
Einen zusätzlichen wissenschaftlichen Wert liefert der Zusatz zur Hauptaufzeichnung, der sich in der späteren Schrift „Hanshu“ (Buch der Han) aus dem ersten Jahrhundert nach Christus findet. Dort wird beschrieben, dass die verdunkelte Sonne „oben und unten vollständig gelb“ erschien. Die Forscher, darunter Mitautor Dr. Meng Jin vom Labor für Sonnen- und Astrophysik der Lockheed Martin Corporation, vermuten, dass es sich hierbei um eine der frühesten erhaltenen Beschreibungen der Sonnenkorona handeln könnte – der äußeren Sonnenatmosphäre, die nur während der Totalität sichtbar wird. Diese Beobachtung bestätigt unabhängig davon jüngste Rekonstruktionen des Sonnenzyklus, die auf der Analyse von Kohlenstoffisotopen in Baumringen basieren. Sie deutet darauf hin, dass die Sonne um 709 v. Chr. gerade aus einer längeren Phase geringer Aktivität, bekannt als das Neo-Assyrische Grand-Minimum (etwa 808 bis 717 v. Chr.), heraustrat und den Höhepunkt ihres elfjährigen Zyklus erreichte.
Die systematische Erfassung himmlischer Phänomene, wie Sonnenfinsternisse, welche die alten chinesischen Astronomen im Auftrag ihrer Herrscher vornahmen, verschaffte China eines der weltweit umfassendsten Finsternisarchive. Dieses Archiv stellt heute einen unschätzbaren Beitrag für die moderne Wissenschaft dar, sei es für die Satellitennavigation oder die Vorhersage von Sonnenaktivität. Während Historiker die Rätsel der Vergangenheit lüften, nutzen Astronomen diese Daten, um planetare Modelle zu verfeinern und sich auf zukünftige Ereignisse vorzubereiten, wie beispielsweise die totale Sonnenfinsternis am 12. August 2026, die in Grönland, Island und Spanien zu beobachten sein wird. Es zeigt sich einmal mehr, wie zeitlos die Beobachtungen der Alten sind.
Quellen
cafef.vn
The Mystery of the Ancient Solar Eclipse Revealed by Scientists
The Oldest Known Eclipse Record is Shedding Light on Early Celestial Mysteries, Revealing the Location of a Misplaced Ancient Chinese City - The Debrief
Mystery of the 709 BC Solar Eclipse Solved: The Oldest Datable Eclipse Observed from the Duchy of Lu in Ancient China - La Brújula Verde
2026 begins a golden age of solar eclipses: How to see 3 total solar eclipses and 3 'ring of fire' eclipses in 3 years | Space
Solar eclipse of August 12, 2026 - Wikipedia
