Die Antwort des Ozeans: Wissenschaftler entdecken natürlichen Mechanismus zum Plastikabbau – eine neue Perspektive für die Zukunft

Autor: Inna Horoshkina One

Im November 2025 gelang Forschern der KAUST (King Abdullah University of Science & Technology) eine Entdeckung, die noch vor wenigen Jahren als reine Fiktion galt: Weltweit haben sich marine Bakterien darauf spezialisiert, Plastik aus eigener Kraft abzubauen.

Diese bemerkenswerte Anpassung geschieht vollkommen ohne menschliches Zutun, ohne Laboreinstellungen und ohne Beschleuniger. Es ist ein klares Zeichen dafür, dass die Natur ihren eigenen Schutzmechanismus aktiviert hat.

Was genau hat die KAUST-Forschung aufgedeckt?

Die Wissenschaftler analysierten über 400 Wasserproben, die von der Meeresoberfläche bis in Tiefen von 2 Kilometern entnommen wurden. Dabei stellten sie fest, dass fast 80 Prozent der mikrobiellen Gemeinschaften im Ozean aktive PETase-Enzyme beherbergen. Diese Enzyme besitzen die Fähigkeit, PET-Kunststoffe – Polyethylenterephthalat – zu zersetzen.

Der entscheidende Faktor liegt in einer spezifischen molekularen Struktur innerhalb dieser Enzyme. Forscher identifizierten das sogenannte M5-Motiv. Dieses Motiv fungiert als ein molekularer „Fingerabdruck“ der Bakterien, die tatsächlich in der Lage sind, das Plastik zu verdauen.

Ist dieses M5-Motiv vorhanden, arbeitet die bakterielle Zersetzung effektiv. Fehlt es hingegen, findet praktisch keine nennenswerte Zersetzung des Kunststoffs statt.

Warum hat die Evolution diesen Weg eingeschlagen?

In den nährstoffarmen Tiefen des Ozeans hat sich Plastik zu einer unerwarteten, zusätzlichen Kohlenstoffquelle entwickelt. Die Mikroorganismen nutzen somit die von Menschen entsorgten Materialien als Nahrungsgrundlage. Diese evolutionäre Anpassung erfolgte offenbar weitaus schneller, als es die wissenschaftlichen Prognosen vermuten ließen.

Dennoch muss eine wichtige Einschränkung beachtet werden: Obwohl der Abbauprozess in Gang gesetzt wurde, verläuft er außerordentlich langsam. Der Ozean kann die jährlich eingeleiteten Mengen an Plastik – geschätzt zwischen 5 und 12 Millionen Tonnen – bei weitem nicht schnell genug „verdauen“.

Der Ozean reagiert hier nicht mit Kampf, sondern mit Anpassung, ganz wie es seiner Natur entspricht. Er strebt danach, eine neue Harmonie unter den veränderten Bedingungen herzustellen. Anstatt das Problem aktiv zu vernichten, wandelt die Natur es in eine verwertbare Ressource um.

  • Die Umwelt reagiert nicht mit Opposition, sondern mit der Umstrukturierung interner Prozesse.

  • Sie versucht nicht, Widerstand zu leisten, sondern sucht nach einem neuen Gleichgewicht.

  • Wir beobachten, wie das gesamte globale Ökosystem auf die Herausforderung der Menschheit auf die einzige Weise reagiert, die dem Leben eigen ist: durch Anpassung und Integration.

    Welche Bedeutung hat diese Entdeckung für die Zukunft?

    Das Verständnis des M5-Mechanismus eröffnet vielversprechende Perspektiven für zukünftige technologische Entwicklungen. Es bietet die Chance, sicherere biotechnologische Verfahren zur Plastikverwertung zu entwickeln und innovative mikrobielle Systeme zur Wasserreinigung zu konzipieren.

    Darüber hinaus können auf Basis dieser Erkenntnisse umweltfreundlichere Produktionskreisläufe entworfen werden. Die Forscher betonen, dass dies ein Beweis dafür ist, dass eine biologische Lösung für das Plastikproblem realisierbar ist.

    Der Ozean weist uns den Weg auf. Wie die Menschheit diesen Weg beschreitet, bleibt letztlich ihre eigene Entscheidung.

    Hintergrundinformationen zur Studie

    Die zugrundeliegende Forschung wurde von der KAUST durchgeführt und am 4. November 2025 in ScienceDaily publiziert. Der offizielle Bericht der Forschungsgruppe zur PET-Zersetzung durch marine Bakterien wurde ebenfalls im November 2025 vorgestellt.

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