Neue Bromelienart Wittmackia aurantiolilacina in Brasiliens Atlantischem Regenwald entdeckt
Bearbeitet von: An goldy
Wissenschaftler des Botanischen Gartens Rio de Janeiro (JBRJ) haben offiziell eine neue und äußerst seltene Bromelienart dokumentiert. Diese Spezies trägt den Namen Wittmackia aurantiolilacina. Charakteristisch für diesen Neuzugang sind die einzigartigen Blütenstände, die eine auffällige orange-lila Färbung aufweisen. Die wissenschaftliche Beschreibung dieser Pflanze wurde am 19. November 2025 in der begutachteten internationalen Fachzeitschrift Phytotaxa publiziert.
Bei dieser Art handelt es sich um einen Endemiten des Atlantischen Regenwaldes, eines der artenreichsten, aber auch am stärksten bedrohten Biome weltweit. Das Holotyp-Exemplar, also das Referenzexemplar für die Beschreibung, wurde erstmals im August 2023 im Nationalpark Alto Cariri gesammelt. Dieser Park liegt im Bundesstaat Bahia, nahe der Grenze zu Minas Gerais. Da die erste Entnahme des Exemplars ohne Blüten erfolgte, wurde die Pflanze zunächst in Kultur genommen, sowohl im Bromelienhaus des JBRJ als auch im Refugium Gravatas in Teresópolis. Erst im Juli 2024, nach erfolgreicher Blüte unter Kulturbedingungen, wurden die entscheidenden morphologischen Merkmale ersichtlich. Dazu zählten der orangefarbene Ton des Blütenstiels, des Fruchtknotens und der Kelchblätter, kombiniert mit den lilafarbenen Blütenblättern. Diese Farbkombination inspirierte direkt den Artzusatz aurantiolilacina.
Bruno Rezende, Kurator der wissenschaftlichen Bromeliensammlung am JBRJ und einer der Mitautoren der Studie, äußerte, dass er sofort den Verdacht auf eine neue Art hatte. Er begründete dies damit, dass die Pflanze keinem der Exemplare ähnelte, die er in seinen drei Jahrzehnten Forschung gesehen hatte. Angesichts des extrem begrenzten Verbreitungsgebiets und des erheblichen anthropogenen Drucks – insbesondere durch Entwaldung, Habitatfragmentierung und die zunehmende Häufigkeit von Waldbränden – wurde Wittmackia aurantiolilacina sofort als vom Aussterben bedroht (CR) eingestuft. Dies unterstreicht die Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen.
Der Fundort, der Nationalpark Alto Cariri, umfasst eine Fläche von rund 19.238 Hektar. Er ist ein wichtiger Bestandteil des 2002 eingerichteten Zentralen Ökologischen Korridors des Atlantischen Waldes. Die Verwaltung des Parks obliegt dem Chico Mendes Institut für Biodiversitätskonservierung (ICMBio). Der Park ist bekannt für seine reiche Flora, zu der neben Bromelien auch zahlreiche Orchideen- und Kakteenarten zählen. Um die Art zu sichern, konzentriert das JBRJ seine Schutzbemühungen nun auf die klonale Vermehrung, um das genetische Material der neuen Spezies zu konservieren.
Interessanterweise traten bei der Kultivierung unerwartete Herausforderungen auf. Kapuzineraffen zeigten ein deutliches Interesse an den Herzstücken der Bromelien. Dies erforderte vom Personal selbst innerhalb des geschützten Arboretum-Bereichs aktive Maßnahmen zur Schädlingskontrolle. Die Beobachtungen an anderen, ebenfalls im Atlantischen Wald endemischen Wittmackia-Arten deuten darauf hin, dass viele von ihnen aufgrund der anhaltenden Habitatzerstörung erhöhte Aufmerksamkeit benötigen. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, spezifische und zielgerichtete Erhaltungsstrategien für diese fragilen Ökosysteme zu entwickeln.
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Quellen
Diário de Notícias
Agência Brasil
Agência Brasil
CASA.COM.BR
De Fato News
Portal Gov.br
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