Nachhaltiger Tourismus etabliert sich: Über 8.300 Hotels weltweit mit Green Key-Zertifizierung im Jahr 2025

Autor: Irina Davgaleva

Öko-Resorts: Die Zukunft des Reisens

Ende 2025 markiert einen Wendepunkt: Nachhaltiger Tourismus ist nicht länger eine Randerscheinung für Idealisten, sondern hat sich zur neuen Standardeinstellung in der globalen Reisebranche entwickelt. Ein deutliches Indiz hierfür ist das rekordverdächtige Wachstum des internationalen Green Key-Programms. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der zertifizierten Betriebe um über 25 Prozent an – von rund 6.500 Ende 2024 auf nunmehr mehr als 8.300 Hotels, Resorts und touristische Einrichtungen in 90 Ländern weltweit. Für Reisende bedeutet dies eine erhebliche Erleichterung: Es war noch nie so einfach, eine Unterkunft zu finden, die nachweislich Verantwortung für Ökologie und lokale Gemeinschaften übernimmt.

Hinter diesen beeindruckenden Zahlen verbirgt sich eine Verschiebung der Reiselandschaft. Die Zertifizierung umfasst längst nicht mehr nur die bekannten Strandresorts. Auch innerstädtische Business-Hotels, familiär geführte Pensionen, Campingplätze, Freizeitparks und kleine Öko-Lodges in Naturschutzgebieten sind Teil der Bewegung. Große internationale Ketten sowie lokale Akteure in verschiedenen Ländern nutzen das Green Key-Siegel als unmissverständliches Signal: Hier wird aktiv Wasser und Energie gespart, Abfall reduziert, Personal geschult und die Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten gepflegt. Für viele Betriebe ist dies kein bloßes Image-Element mehr, sondern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, da immer mehr Gäste bei der Buchung explizit nach bestätigten „grünen“ Standards suchen.

Die globale Agenda drängt die Branche zu noch ambitionierteren Schritten. Der Tourismussektor trägt einen signifikanten Teil zu den weltweiten Emissionen bei, weshalb immer mehr Staaten ihn in ihre Klimapläne und Emissionsreduktionsstrategien integrieren. Bis 2030 strebt der Sektor eine Halbierung der Emissionen an und peilt die Klimaneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts an. Nachhaltige Unterkunftsstandards gelten als eines der greifbarsten Instrumente zur Erreichung dieser Ziele. In diesem Kontext ist die massive Ausweitung der Zertifizierungen nicht nur eine erfreuliche Nachricht für das Gewissen der Reisenden, sondern ein integraler Bestandteil der umfassenden Klimaschutzstrategie.

Parallel zu diesem Wachstum der „grünen“ Hotels gewinnt eine radikalere Ausrichtung an Fahrt: der regenerative Tourismus. Hier geht es nicht nur darum, keinen Schaden anzurichten, sondern den Ort aktiv zu verbessern – sei es durch die Wiederherstellung von Ökosystemen oder die Stärkung der lokalen Wirtschaft und Kultur. Im Jahr 2025 gewinnen solche Initiativen an Dynamik: von Wiederherstellungsprogrammen an den Korallenriffen des Mesoamerikanischen Barriereriffs, bei denen Touristen an speziellen Korallenzucht-Experimenten teilnehmen können, bis hin zu regionalen Knotenpunkten in der Ostseeregion, die regenerative Praktiken für Küstengebiete fördern.

Besondere Aufmerksamkeit erfahren Projekte an den Korallenriffen, einem der fragilsten und wertvollsten touristischen Güter weltweit. Branchenanalysten schätzen den Tourismus rund um Korallenökosysteme bereits auf viele Milliarden Dollar jährlich, Tendenz steigend. Neue Konzepte integrieren die Riff-Wiederherstellung direkt in das touristische Angebot: Reisenden wird angeboten, „Superkorallen“ zu beobachten, die gegen steigende Wassertemperaturen resistent sind, Einblicke in die Arbeit von Meeresbiologen zu erhalten und Forschung über ihr Reisepaket mitzufinanzieren. Auf diese Weise wandelt sich der Meeresurlaub zunehmend in einen Kanal zur Investition in den Schutz der Unterwasserwelt.

Die Transformation beschränkt sich nicht nur auf die „blauen“ Küsten, sondern erstreckt sich auch auf die „grünen“ Landschaften. In Küstenregionen, in denen der Tourismus lange Zeit zur Degradierung von Wäldern und zur Erhöhung des Überschwemmungsrisikos beigetragen hat, starten nun umfangreiche Naturschutzprogramme unter Beteiligung lokaler NGOs und der Tourismuswirtschaft. Ein Beispielprojekt auf Hawaii lenkt beispielsweise Millionenbeträge in die Wiederherstellung von sechs Hektar Wald, die Schaffung grüner Infrastruktur zur Ableitung hunderttausender Gallonen Regenwasser und die Neuanpflanzung tausender hitzeresistenter Korallen auf Dutzenden Hektar Riff. Diese Maßnahmen schützen gleichzeitig Küstengemeinden vor Sturmschäden und sichern die natürliche Grundlage für zukünftige Reisegenerationen.

Unter dem Einfluss dieser Entwicklungen ändert sich auch die grundlegende Logik der Reiseentscheidung. Urlauber achten vermehrt darauf, wie Destinationen mit Besucherströmen umgehen, wie sie die lokale Bevölkerung behandeln und wie sie Natur- und Kulturerbe schützen. Die Proteste gegen den Overtourism in mehreren europäischen Städten der letzten Jahre wirkten als Katalysator für ein neues Modell: weniger spontane Tagesausflüge für ein schnelles Selfie, dafür mehr durchdachte Reisen, die den Ort, die Saisonalität und die Infrastruktur respektieren.

Vor diesem Hintergrund erscheint das rasante Wachstum der zertifizierten Hotelketten als eine natürliche Reaktion der Branche auf die Forderungen des modernen Reisenden. Das Green Key-Siegel fungiert als eine Art universelle Vertrauenssprache: Selbst wenn ein Gast ein Land zum ersten Mal besucht, weiß er, welche konkreten Praktiken sich hinter dem Zeichen an der Rezeption oder auf der Website verbergen. Für die Unterkünfte selbst bedeutet die Teilnahme an der Initiative immer häufiger nicht nur einen einmaligen Audit für ein Logo, sondern einen tiefgreifenden Prozess der Neuausrichtung von Ressourcenmanagement, Personalschulung und der Interaktion mit der Region.

Das Jahr 2025 hat sich bereits als ein Moment des qualitativen Wandels für den nachhaltigen Tourismus etabliert. Zertifizierung wirkt nicht mehr exotisch oder nur für das Premium-Segment zugänglich – sie wird zum festen Bestandteil der Reisealltags, von Familienurlauben bis hin zu Geschäftsreisen. Vor diesem Hintergrund wird jede einzelne Buchung in einem „grünen“ Hotel zu einem kleinen, aber spürbaren Beitrag dazu, wie die Welt aussehen wird, die Reisende in den kommenden Jahrzehnten erkunden werden.

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Quellen

  • A Quick Look at Green Key Year‑End Summary with Criteria Update

  • Green Key Sees Unbelievable 25% Growth in 2025

  • Green Key 's major developments in 2025

  • Regenerative & Sustainable Travel Trends 2025 - Earth Changers

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