Video über das größte Meeresschutzgebiet in Honduras, Bay Islands — die Region, in der ein Pilotprojekt zur Wiederherstellung von Korallen umgesetzt wird.
Kanarische Inseln werden zum atlantischen Hub für nachhaltigen Tourismus: Eine neue globale Rolle für die Region
Bearbeitet von: Irina Davgaleva
Die Kanarischen Inseln entwickeln sich über ihr klassisches Image als reines Urlaubsparadies hinaus und positionieren sich als strategischer Akteur im Bereich der globalen Nachhaltigkeit. Durch ein wegweisendes Abkommen zwischen der Regionalregierung des Archipels und der Zentralamerikanischen Bank für Wirtschaftsintegration (CABEI) wird die Inselgruppe zu einem zentralen Knotenpunkt für den Export von Know-how und Technologie über den Atlantik, insbesondere in Richtung Lateinamerika.
Diese Kooperation markiert das erste Mal, dass eine spanische autonome Gemeinschaft eine formelle finanzielle und technische Zusammenarbeit mit der CABEI eingeht. Dieser Schritt signalisiert eine neue Ära der internationalen Einflussnahme für die Region, die nun ihre Expertise in einem formellen Rahmen zur Verfügung stellt.
Im Mittelpunkt der Vereinbarung stehen die Förderung des nachhaltigen Tourismus, die Stärkung der sogenannten „Blauen Wirtschaft“ sowie der interkontinentale Transfer von spezialisierten Ingenieursleistungen. Dank der finanziellen Garantien der Bank erhalten kanarische Unternehmen, vor allem kleine und mittlere Betriebe, nun die Möglichkeit, an internationalen Ausschreibungen in dynamischen Märkten von Panama bis Kolumbien teilzunehmen.
In der Praxis fungieren die Kanaren damit als entscheidende Brücke zwischen Europa, Afrika und Lateinamerika. Diese geografische und kulturelle Mittlerrolle wird durch das neue Abkommen institutionell untermauert und bietet eine Plattform für den Austausch über drei Kontinente hinweg.
Gleichzeitig festigt die Region ihren Ruf als lebendiges Labor für zukunftsweisende Tourismuskonzepte, in dem ökologische Verantwortung und wirtschaftlicher Fortschritt Hand in Hand gehen. Dieser Wandel unterstreicht die Ambition des Archipels, nicht nur als Zielort, sondern als globaler Impulsgeber für grüne Transformationen wahrgenommen zu werden.
Erste konkrete Initiativen sind bereits angelaufen, wie etwa ein Projekt zur Korallenrehabilitation auf den Bay Islands in Honduras. Dieses Vorhaben zielt darauf ab, die empfindlichen marinen Ökosysteme zu schützen und gleichzeitig die wirtschaftliche Basis der lokalen Küstengemeinden zu sichern.
Ein weiteres wichtiges Vorhaben in Belize konzentriert sich auf die nachhaltige Steuerung von Touristenströmen. Hierbei geht es um die ökologische Modernisierung von Grenzübergängen und die Implementierung energieeffizienter Lösungen, die als Vorbild für die gesamte Region dienen könnten.
Vertreter der CABEI, einer Institution, die bereits 1960 gegründet wurde und seit 2005 eng mit Spanien zusammenarbeitet, betonen die Bedeutung dieser Partnerschaft. Es handelt sich nicht um einen bloßen Erfahrungsaustausch, sondern um den Startschuss für ein neues Kooperationsmodell im atlantischen Raum, bei dem der Tourismus als Motor für klimatische und technologische Innovationen fungiert.
Finanziell unterstreichen die Kanarischen Inseln ihre Führungsrolle durch einen Beitrag von exakt 204.001 Euro. Diese Summe entspricht symbolisch mehr als 50 % der gesamten Projektbeteiligung und verdeutlicht den politischen Willen der Region, dieses Vorhaben maßgeblich zu gestalten.
Die CABEI übernimmt die restlichen Kosten der Initiative. Der Zeitrahmen für die vollständige Umsetzung dieser wichtigen Projekte wurde bis zum Ende des Jahres 2026 festgesetzt, um nachhaltige und messbare Ergebnisse in den Partnerländern zu erzielen.
Ein wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche Attraktivität der Region bleibt die Kanarische Sonderzone (Zona Especial Canaria, ZEC), die bereits seit 1986 besteht. Mit einer signifikanten 50-prozentigen Senkung der Körperschaftssteuer über einen Zeitraum von acht Jahren bietet sie ideale Bedingungen für internationale Investitionen und Unternehmensansiedlungen.
Dass die Region eine tragende Säule der nationalen Wirtschaft ist, zeigt das Handelsvolumen mit dem spanischen Festland, das im Jahr 2023 fast 19 Milliarden Euro erreichte. Diese Zahl demonstriert die enorme wirtschaftliche Dynamik und die strategische Bedeutung des Archipels innerhalb Spaniens.
Durch die Partnerschaft mit der CABEI dehnt sich dieses Potenzial nun weit über die europäischen Grenzen aus. Kanarische Unternehmen können ihre Expertise in den Bereichen Ingenieurwesen und strategische Beratung nun verstärkt in Ländern wie Guatemala, der Dominikanischen Republik und Costa Rica einbringen.
Der moderne Tourismus von heute definiert sich längst nicht mehr allein über die vorhandene Infrastruktur und große Hotelketten. Er umfasst vielmehr fortschrittliche ökologische Praktiken, innovative digitale Lösungen und die tiefgreifende Einbindung lokaler Gemeinschaften in die globale Wertschöpfungskette.
Dieser strategische Wandel ist besonders symbolträchtig für einen Archipel, der sich derzeit in einer völlig neuen Entwicklungsphase befindet. Der Weg führt weg vom herkömmlichen Massentourismus an den Stränden hin zu einem international anerkannten Kompetenzzentrum für nachhaltige Reisen und die Entwicklung sogenannter „Smart Territories“.
Indem sie starke wirtschaftliche Bindungen knüpfen und den globalen Ruf Spaniens für nachhaltige Praktiken festigen, beweisen die Kanarischen Inseln eine wichtige Lektion: Die Zukunft des Tourismus liegt nicht im reinen Volumen der Besucherströme. Sie liegt vielmehr im Austausch von Technologien, der Umsetzung verantwortungsvoller Entscheidungen und dem Aufbau einer neuen, resilienten atlantischen Wirtschaft.
Quellen
La Voz de Lanzarote
Portal de Noticias del Gobierno de Canarias
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