Tanzpsychologie: Rhythmische Bewegung als Katalysator für kognitive Gesundheit
Bearbeitet von: Olga Samsonova
Die aufkommende Disziplin der Tanzpsychologie etabliert rhythmische Bewegung als ein wirksames Instrument zur Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit und zur Förderung des seelischen Wohlbefindens. Strukturiertes Tanzen aktiviert eine Vielzahl neuronaler Areale, was die Neurogenese, also die Entstehung neuer neuronaler Verbindungen, stimuliert und somit Gedächtnisleistung sowie geistige Flexibilität verbessert. Diese Aktivität wird insbesondere im Hinblick auf die Prävention neurodegenerativer Erkrankungen untersucht, da sie kognitive Herausforderungen mit emotionaler Beteiligung verknüpft.
Studien belegen, dass regelmäßiges Tanzen das Demenzrisiko senken kann, wobei die Komplexität der Bewegungsabläufe eine Schlüsselrolle spielt. Die Notwendigkeit komplexer Choreografien fördert die räumliche Orientierung und schärft die Fähigkeiten zur Problemlösung. Forscher der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, darunter der Neurowissenschaftler Professor Notger Müller sowie die Sportwissenschaftlerinnen Anita Hökelmann und Katrin Rehfeld, untersuchten eine Gruppe von über 60-jährigen Probanden. Diese absolvierten ein anspruchsvolles Tanzprogramm, das alle vier Wochen wechselnde Genres wie Rock'n'Roll und lateinamerikanische Musik umfasste. Diese kognitive Forderung, kombiniert mit der Notwendigkeit, sich an neue Bewegungsmuster zu erinnern und das Gleichgewicht zu halten, stellt ein umfassendes Training für das Frontalhirn dar, welches für Planung und Koordination essenziell ist.
Darüber hinaus induziert das Tanzen eine vorteilhafte Freisetzung von Neurotransmittern und Hormonen, darunter Endorphine, Dopamin und Serotonin, welche die Stimmung auf natürliche Weise heben und Angstzustände reduzieren. Dopamin, oft als Motivationsbotenstoff bezeichnet, wird bei der Annahme neuer Aufgaben ausgeschüttet, während Serotonin für Ausgeglichenheit sorgt. Forschungen, unter anderem von Institutionen wie der University of Surrey, belegen die positiv stressregulierende Wirkung von Bewegung und sozialer Interaktion, was die Widerstandsfähigkeit gegen Stress stärkt.
Die Synchronisation der Bewegungen in der Gruppe führt zur Ausschüttung von Oxytocin, dem sogenannten Bindungshormon, was die soziale Kohäsion fördert und Gefühle der Entfremdung entgegenwirkt. Die anthropologische Perspektive unterstreicht die jahrtausendealte Funktion des gemeinsamen Tanzens bei Ritualen und Heilprozessen zur emotionalen Stabilisierung. Zusätzlich bietet Tanz einen kraftvollen nonverbalen Kanal für emotionale Entladung und Katharsis, während der Rhythmus und die Koordination zur Regulierung des Nervensystems beitragen und den Körper aus einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft führen.
Die Kombination aus physischer, sensorischer und kognitiver Verarbeitung macht Tanzen zu einem ganzheitlichen neurologischen Training, das die lebenslange neuronale Plastizität antreibt. Professor Reto W. Kressig von der Universität Basel betrachtet Tanzen als eine Form der Anti-Aging-Medizin, die das Gehirn stimuliert. Die Kombination aus sozialem Austausch, Berührung und koordinierter Bewegung wird als wirksam für die Gehirnstimulation hervorgehoben. Um die positiven Effekte aufrechtzuerhalten, ist eine regelmäßige Praxis unerlässlich. Studien mit älteren Teilnehmern, wie jene zur Dalcroze-Rhythmik, zeigten, dass das gemeinsame Klatschen und Gehen im Takt die kognitiven Funktionen bei über 80-Jährigen positiv beeinflusste.
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Quellen
Madhyamam
En Face Magazine
The Indian Express
NeuroscienceofDance
National Geographic
Psychology Today
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