Hyperrealistische KI-Bilder beeinflussen menschliche Selbstwahrnehmung und Normen

Bearbeitet von: Olga Samsonova

Die zunehmende Verbreitung hyperrealistischer, idealisierter Bildkreationen durch Künstliche Intelligenz (KI) löst beim Betrachter unmittelbare, positive physiologische Reaktionen aus. Dieser Effekt basiert auf der evolutionär bedingten Neigung des menschlichen Gehirns, stark auf seltene und ästhetisch ansprechende Reize zu reagieren. Diese von Algorithmen erschaffenen Darstellungen – sei es in Form von makellosen Gesichtern, perfekten Landschaften oder idealisierten Welten – präsentieren eine optimierte Realität, die die inhärenten Unvollkommenheiten der tatsächlichen Existenz transzendiert.

Forschungsergebnisse belegen, dass diese mühelos erreichbaren Idealbilder als unbewusste Messlatte dienen können. Dies kann bei Konsumenten zu einem Gefühl der Unzulänglichkeit und einer generellen Unzufriedenheit mit den eigenen, real erarbeiteten Zuständen führen. Psychologische Studien weisen auf eine erhöhte Anfälligkeit bei jüngeren Bevölkerungsgruppen hin, da die kognitive Abgrenzung zwischen konstruierter Fantasie und gelebter Wirklichkeit in dieser Entwicklungsphase noch nicht vollständig gefestigt ist. Die britische Wissenschaftlerin Aisha Sobey hat in ihrer Forschung dargelegt, dass KI-Bildgeneratoren Schönheitsnormen verstärken und unser Verständnis von Normalität nachhaltig verschieben können.

Darüber hinaus spiegeln die generierten Bilder gesellschaftliche Vorurteile wider, da die Trainingsdaten oft mangelnde Diversität aufweisen. Dies führt dazu, dass nicht-normkonforme Körper oder Darstellungen weniger detailliert oder ästhetisch ansprechend erscheinen und somit implizite gesellschaftliche Erwartungen an das „Normale“ formen. Um das psychische Wohlbefinden zu sichern, ist eine bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Reaktionen auf diese synthetischen visuellen Inhalte erforderlich. Individuen müssen lernen, diese KI-Visualisierungen primär als Quellen der Inspiration und nicht als direkte Substitutionsmittel für authentische, multisensorische Erfahrungen der realen Welt zu betrachten.

Die Relevanz dieses Themas für die Jugendbildung unterstreicht die ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) im Rahmen der JAMES-Studie, welche jährlich über tausend Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren zum Medienumgang und zur Einstellung zur KI befragt. Als Reaktion auf diese Entwicklungen konzentrieren sich europäische Bildungseinrichtungen verstärkt auf die Entwicklung von umfassender KI-Alphabetisierung und robusten ethischen Rahmenwerken. Die Universität Salzburg befasst sich beispielsweise mit der ethischen Debatte um digitale Phänotypisierung, wobei Experten wie Gottfried Schweiger die Notwendigkeit entwicklungsbezogener Erklärbarkeit für algorithmische Systeme betonen. Die Europäische Union arbeitet mit dem „AI Act“ an einer umfassenden KI-Gesetzgebung, die Systeme nach Risiko kategorisiert, um Grundrechte zu schützen und Innovation zu fördern.

Studien des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) betonen die Notwendigkeit einer differenzierten Erfassung der Spannung zwischen generierter Intelligenz und realer Präsenz, da Authentizität zur Simulation werden kann. Während KI beeindruckende menschenähnliche Ausgaben generieren kann, fehlt ihr das tatsächliche Verständnis, was eine zentrale Herausforderung für die psychologische Forschung darstellt. Die bewusste Reflexion über das durch KI erzeugte Fremdbild im Gegensatz zum Selbstbild, das durch reale Interaktionen geformt wird, ist ein entscheidender Schritt zur Wahrung der psychischen Integrität im digitalen Zeitalter.

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Quellen

  • Svet24.si - Vsa resnica na enem mestu

  • Univerza v Ljubljani

  • hashtag

  • Evropski parlament

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