Zehnjährige Schweigephase nach Umberto Ecos Tod endet mit globalem Web-Marathon

Bearbeitet von: Vera Mo

Zehn Jahre nach dem Tod des italienischen Semiotikers und Schriftstellers Umberto Eco, der am 19. Februar 2016 im Alter von 84 Jahren in Mailand verstarb, ist eine testamentarisch angeordnete Periode öffentlicher Stille beendet worden. Eco hatte verfügt, dass für ein Jahrzehnt nach seinem Ableben keine offiziellen Gedenkveranstaltungen stattfinden sollten, um seinem Werk Zeit zur organischen Verankerung in der Kulturlandschaft zu geben. Diese bewusste Zurückhaltung fand ihren Abschluss mit der digitalen Veranstaltung „Eco Eco Eco – A World-Wide Talk for Umberto“, einem ununterbrochenen 24-Stunden-Web-Marathon, der vom 18. bis zum 19. Februar 2026 stattfand.

Die Initiative wurde von der Fondazione Umberto Eco in Kooperation mit der Fondazione Bottega Finzioni ins Leben gerufen, um Ecos Andenken in einen globalen, vielstimmigen Dialog zu überführen. Die Eröffnung des Marathon-Events erfolgte symbolisch von Taveuni, Fidschi, einem Ort, den Eco während der Konzeption seines Romans *L'isola del giorno prima* (Die Insel am Vortag) besuchte. Diese geografische Wahl stellte eine thematische Verbindung des Werkes zum 180. Meridian und dem Konzept des Zeitreisens her. Die Struktur des digitalen Ereignisses war darauf ausgelegt, Ecos globalen Einfluss durch die Durchquerung aller Zeitzonen von Ost nach West abzubilden.

Zu den prominenten Teilnehmern zählten der Altphilologe Luciano Canfora und der Kulturwissenschaftler Jeffrey Schnapp, der eine Interaktion mit einer künstlichen Intelligenz-Simulation von Umberto Eco plante. Diese Gegenüberstellung von menschlicher Erinnerung und technologischer Simulation bot eine Perspektive auf Ecos Werk im digitalen Zeitalter. Weitere eingebundene Persönlichkeiten waren Roberto Saviano, Beppe Severgnini, Michele Serra sowie der iranische Journalist Maziar Bahari, der 2009 nach Ecos Intervention aus der Haft entlassen wurde, und die Künstler Milo Manara und Igort. Die Veranstaltung wurde vom italienischen Außenministerium unterstützt und über das Netzwerk der Italienischen Kulturinstitute gefördert.

Ecos intellektuelles Schaffen, das über seine Romane hinausgeht, wurde durch die Teilnahme von Akademikern der Accademia dei Lincei wie Carlo Ossola und Lina Bolzoni sowie Mitgliedern der Académie française wie Pierre Rosenberg gewürdigt. Zu seinen wegweisenden theoretischen Schriften zählen *Opera aperta* (Das offene Kunstwerk) von 1962 und *Lector in fabula* (Der Leser) von 1979; internationaler Durchbruch gelang ihm 1980 mit dem Roman *Il nome della rosa* (Der Name der Rose). Ergänzend zum Marathon sind für 2026 weitere Initiativen geplant, darunter Beiträge beim Festival della Comunicazione in Camogli und eine wissenschaftliche Tagung an der Universität Bologna, der Alma Mater, mit der Eco zeitlebens verbunden war.

Die Universität Bologna wird zudem im Mai 2026 eine neue Bibliothek mit Ecos Studienbuchbestand eröffnen. Michele Cogo, Direktor von Bottega Finzioni und ehemaliger Student Ecos, betonte, die Veranstaltung ziele darauf ab, den Intellektuellen, den Professor und den Freund lebendig in den Vordergrund zu stellen. Die zehnjährige Wartezeit diente dazu, Ecos Ideen reifen zu lassen und sein Erbe vor voreiligen Glorifizierungen zu schützen. Die 24-stündige digitale Charta der Erinnerung schloss um 12:00 Uhr am 19. Februar 2026 ab und markierte den Übergang vom Schweigejahrzehnt zum offenen Dialog über das kulturelle Erbe.

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Quellen

  • Springer

  • ANSA.it

  • Azertag News-Agency

  • Wikipedia

  • Lumsanews

  • Rivista Studio

  • Fondazione Umberto Eco

  • Unibo

  • UNESCO

  • ECML

  • Google Books

  • Taylor & Francis eBooks

  • Cambridge University Press & Assessment

  • AZƏRTAC

  • Report.az

  • Modern.az

  • Azərbaycan Milli Elmlər Akademiyası

  • Report.az

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