Präsidentin Sandu befürwortet Referendum zur Vereinigung mit Rumänien
Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich
Am 12. Januar 2026 äußerte die Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, in einem britischen Politik-Podcast namens „The Rest Is Politics“, moderiert von Rory Stewart und Alastair Campbell, ihre persönliche Haltung zur potenziellen Vereinigung ihres Landes mit Rumänien. Die Staatschefin stellte unmissverständlich klar, dass sie im Falle einer Volksabstimmung zu diesem Thema ihre Stimme für den Beitritt zu Rumänien abgeben würde.
Präsidentin Sandu begründete ihre private Präferenz mit den zunehmenden geopolitischen Bedrohungen. Sie betonte, dass es für kleinere Staaten wie Moldau angesichts externer Herausforderungen, insbesondere der aggressiven Politik der Russischen Föderation, immer schwieriger werde, ihren demokratischen Charakter und ihre Souveränität zu wahren. Darüber hinaus erinnerte sie daran, dass die Idee einer Wiedervereinigung bereits Ende der 1980er Jahre während der nationalen Wiederbelebungsbewegungen intensiv diskutiert wurde. Dies rührt daher, dass Moldau historisch zwischen 1918 und 1940 Teil Rumäniens war. Da damals jedoch kein Referendum stattfand, blieb die tatsächliche Unterstützung in der Bevölkerung unbekannt.
Gleichzeitig zog Präsidentin Sandu eine klare Linie zwischen ihren persönlichen Wünschen und der offiziellen Staatsstrategie. Sie räumte ein, dass aktuelle Umfragedaten, insbesondere eine Erhebung des Instituts IMAS vom Juni 2025, zeigen, dass die Mehrheit der moldauischen Bürger derzeit gegen ein Vereinigungsmodell ist, während 28 Prozent eine solche Option befürworten. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich der offizielle politische Kurs weiterhin auf die europäische Integration. Sandu bezeichnete diesen Weg als das realistischere Mittel zur Gewährleistung der staatlichen Sicherheit, da er breite öffentliche Zustimmung genießt.
Angesichts der angespannten geopolitischen Lage verfolgt Moldau konsequent seinen Weg in Richtung EU-Mitgliedschaft. Ein wichtiger Meilenstein war die Entscheidung vom 14. Dezember 2023, Beitrittsverhandlungen aufzunehmen. Als sichtbares Zeichen des Fortschritts trat Moldau zudem am 1. Januar 2026 der „Roam Like at Home“-Zone der Europäischen Union bei. Diese Fokussierung auf den europäischen Vektor spiegelt sich auch in der Ankündigung des öffentlich-rechtlichen Senders Moldova1 am 12. Januar 2026 wider: Dort wird die neue Sendung „Ich und die Europäische Union“ starten, die darauf abzielt, die Etappen der Eurointegration zu erläutern und Desinformation entgegenzuwirken.
Historisch gesehen stieß die Idee der Union stets auf Widerstand seitens der moldovenistischen Kräfte, die auf der Unabhängigkeit beharren. Beobachter weisen darauf hin, dass sich die Beziehungen zwischen Moldau und Rumänien, trotz der kulturellen Nähe und der gemeinsamen Sprache – die Sandu als rumänisch und nicht als eigenständige moldauische Sprache betrachtet – anders entwickeln als beispielsweise die Wiedervereinigung Deutschlands. Somit existiert die persönliche Neigung der Präsidentin zur Vereinigung neben einer pragmatischen Strategie, die auf die Stärkung der Souveränität durch institutionelle Einbindung in die Europäische Union setzt.
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Quellen
Българска Телеграфна Агенция
Romania Insider
Radio Moldova
Reuters
Marina Gridina
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