Roskomnadzor drosselt Telegram angesichts geplanter WhatsApp-Sperre bis Ende 2026
Bearbeitet von: Tatyana Hurynovich
Die russische Aufsichtsbehörde für Kommunikation, Informationstechnologie und Massenmedien, bekannt als Roskomnadzor (RKN), hat mit Beginn des Jahres 2026 gezielte technische Einschränkungen gegen den Nachrichtendienst Telegram eingeleitet. Diese Maßnahmen führten zu einer signifikanten Drosselung der Anwendungsleistung, wovon insbesondere die Übertragungsraten beim Herunterladen von Videodateien betroffen sind. Brancheninsider aus dem Telekommunikationsmarkt bestätigten, dass diese regulatorischen Eingriffe eine unmittelbare Reaktion auf verstärkte Nutzerbeschwerden darstellen, die seit Anfang Januar 2026 vor allem in den Ballungsräumen Moskau und Sankt Petersburg verzeichnet wurden.
Andrej Swinzow, der stellvertretende Vorsitzende des Staatsduma-Ausschusses für Informationspolitik, Informationstechnologie und Kommunikation, äußerte sich am 16. Januar 2026 zu den aktuellen Entwicklungen. Er beschrieb die Drosselung als einen „sanften Hinweis“ an die Geschäftsführung von Telegram, die Kooperation mit den russischen Behörden zu intensivieren, insbesondere im Hinblick auf die Sperrung anonymer Kanäle. Swinzow betonte dabei, dass eine komplette Blockade von Telegram derzeit nicht zur Debatte stehe, da der Messenger grundsätzlich eine effektive Zusammenarbeit mit der russischen Regierung sowie den Behörden zahlreicher anderer Staaten pflege. Bereits im August 2025 hatte Roskomnadzor die Sprachanruffunktionen von Telegram und WhatsApp eingeschränkt, um gegen Cyberkriminalität und Erpressungsversuche vorzugehen.
Zeitgleich verschärft sich der Ton gegenüber dem Messenger WhatsApp, der zum US-Konzern Meta gehört. Da Meta in der Russischen Föderation offiziell als extremistische Organisation eingestuft wird, sieht sich der Dienst zunehmendem Druck ausgesetzt. Laut einer Mitte Januar 2026 getätigten Aussage von Andrej Swinzow wird erwartet, dass Roskomnadzor bis zum Ende des Jahres 2026 ein umfassendes Maßnahmenpaket umsetzt, um WhatsApp endgültig abzuschalten. Der Abgeordnete begründete diese strikte Linie mit der Zugehörigkeit des Dienstes zu Meta und verwies auf die strategische Bedeutung dieser Entscheidung im Kontext der für September 2026 angesetzten Wahlen zur Staatsduma.
Die technische Stabilität von WhatsApp in Russland hat bereits massiv abgenommen. Nach Angaben von Michail Klimarew, dem Direktor der „Gesellschaft zum Schutz des Internets“, scheiterten bereits gegen Ende des Jahres 2025 mehr als 90 % aller Verbindungsversuche zu den WhatsApp-Servern innerhalb des Landes. Im Falle von Telegram hingegen liegt der Fokus aktuell auf einer Leistungsreduzierung: Berichten zufolge sank die Ladegeschwindigkeit für Medieninhalte seit dem 22. Dezember um schätzungsweise 70 bis 80 %. Swinzow präzisierte, dass diese Verlangsamung eine direkte Folge der langsamen Reaktion der Telegram-Leitung auf Forderungen zur Löschung anonymer Kanäle sei, die Desinformationen über die militärische Spezialoperation sowie sensible Finanzmarktdaten verbreiten.
Die aktuelle Strategie der Regulierungsbehörde folgt somit einem differenzierten Pfad: Während auf Telegram durch eine Minderung der Servicequalität Druck ausgeübt wird, um die Kooperationsbereitschaft zu erhöhen, ist für WhatsApp aufgrund der rechtlichen Einstufung des Mutterkonzerns das vollständige Aus vorgesehen. Sergej Bojarski, der Leiter des zuständigen Duma-Ausschusses, hatte zuvor angemerkt, dass eine totale Sperrung von Telegram nur unter der Bedingung realistisch sei, dass die Ersteller von Inhalten geschlossen auf den nationalen Messenger „Max“ umsteigen würden. Dieses Projekt gilt jedoch laut offiziellen Einschätzungen bislang als nicht erfolgreich umgesetzt. Trotz der Ankündigung von WhatsApp-Vertretern Ende Dezember 2025, um die russische Nutzerschaft kämpfen zu wollen, liegen bis heute keine offiziellen Erklärungen zur Einhaltung der russischen Gesetzgebung vor.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die russische Medienaufsicht ihre Instrumente zur digitalen Kontrolle im Jahr 2026 deutlich präzisiert hat. Die Kombination aus technischer Drosselung und rechtlicher Androhung von Sperren dient dazu, die Souveränität über den nationalen Informationsraum zu festigen. Während Telegram als hybride Plattform zwischen sozialem Netzwerk und Messenger eine gewisse Duldung erfährt, sofern die regulatorischen Vorgaben erfüllt werden, scheint das Schicksal von WhatsApp aufgrund seiner politischen Verflechtungen bis zum Ende des Jahres 2026 besiegelt zu sein.
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Quellen
Deutsche Welle
ТАСС
Русская служба The Moscow Times
Хайтек
3DNews
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RTVI
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